# taz.de -- Friedensgespräche für DR Kongo: Löchriger Friedensprozess in der Schweiz
       
       > Regierung und M23-Rebellen in der DR Kongo haben einen
       > Gefangenenaustausch vereinbart. Nur wenn das klappt, rückt ein
       > Waffenstillstand in Sichtweite.
       
 (IMG) Bild: Noch sind die Tore verschlossen: M23-Polizist in Ostkongos größter Stadt Goma bewacht das Gelände der UN-Mission Monusco, 12. März 2026
       
       Als „kleiner Fortschritt in Richtung Frieden“ bezeichnet Kongos
       Rebellenbewegung M23 (Bewegung des 23. März) die Vereinbarungen, die sie
       vergangenes Wochenende mit der Regierung der Demokratischen Republik Kongo
       unterzeichnet hat.
       
       Delegationen der beiden Kriegsparteien trafen sich vergangene Woche
       erstmals in der Schweiz nahe der Stadt Montreux am Genfer See. Bislang
       hatten ihre Friedensgespräche unter der Schirmherrschaft von US-Präsident
       Donald Trump und der Regierung von Katar in dessen Hauptstadt Doha
       stattgefunden. Aufgrund des Irankrieges wurden sie nun in die Schweiz
       verlegt.
       
       Der Krieg im Osten der DR Kongo dauert seit 2021. Die Tutsi-geführte M23,
       laut UN militärisch von Ruanda unterstützt, hat entlang der Grenze zu
       Ruanda einen Landstrich mit mehreren Millionen Menschen erobert und
       [1][unterhält dort quasi einen eigenen Staat]. Nach mehreren Anläufen zu
       Friedensgesprächen [2][unterschrieben Rebellen und Regierung im Juli 2025
       in Doha eine gemeinsame Erklärung], die den „Weg zu einem umfassenden
       Friedensvertrag ebnen“ sollte, wie es in dem Dokument heißt.
       
       Darin wurde festgelegt, dass beide Seiten zunächst „vertrauensbildende
       Maßnahmen“ umsetzen: ein Waffenstillstand und ein Gefangenenaustausch. Um
       das zu überwachen, sollte ein gemeinsames Monitoring-Team mit Beobachtern
       der UN-Mission im Kongo (Monusco) und der Regionalorganisation ICGLR
       (Internationale Konferenz der Großen Seen) entlang der Frontlinien
       stationiert werden.
       
       ## Rebellen fordern Freilassung festgenommener Tutsi
       
       Umgesetzt wurden diese Schritte bisher nicht. Die M23 hat Kongos Regierung
       eine Liste mit 700 Namen freizulassender Häftlinge vorgelegt – alles
       Mitglieder der M23 oder fernab des Kriegsgebietes festgenommene Tutsi, die
       in Kongos maroden Gefängnissen schmachten. Geschehen ist damit nichts. Auch
       ein Waffenstillstand wurde trotz mehrfacher beiderseitiger Zugeständnisse
       nie eingehalten – im Gegenteil. Beide Seiten beschießen sich seit Monaten
       über große Distanzen hinweg mit Kampfdrohnen, mit welchen immer wieder
       Zivilisten getötet werden.
       
       Immerhin, in der Schweiz wurden nun erste konkrete Schritte vereinbart.
       Innerhalb von zehn Tagen soll das Internationale Rote Kreuz in der DR Kongo
       einen Gefangenenaustausch organisieren. Die Rede ist von 166 gefangenen
       Rebellen auf Regierungsseite und 311 Armeesoldaten in M23-Gefängnissen.
       Wann und wie der Austausch vonstattengehen wird, ist unklar. Auf mehrfache
       taz-Anfragen antwortet das Rote Kreuz bisher nicht.
       
       Als Nächstes soll dann das gemeinsame Monitoring-Team etabliert werden.
       ICGLR unterhält bereits seit dem vergangenen Krieg 2012 ein solches Team im
       Osten DR Kongo. Nun soll Kongos Armee Vertreter dorthin entsenden, ebenso
       die M23-Rebellen. Auch Monusco hat zugesagt, Beobachter zu schicken. Alle
       gemeinsam sollen sie dann entlang der zahlreichen Frontlinien im Ostkongo
       einen Waffenstillstand überwachen – falls dieser zustande kommt.
       
       [3][Die Monusco erklärt], sie habe die „Fortschritte mit Anerkennung zur
       Kenntnis genommen“. Ausdrücklich lobt sie die Fortschritte in Richtung
       eines „Protokolls über humanitären Zugang und gerichtlichen Schutz“, wie
       sie es nennt. Konkret gemeint ist, dass sich UN-Blauhelme im Rebellengebiet
       frei bewegen können und der internationale Flughafen der von der M23
       kontrollierten Millionenstadt Goma an der Grenze zu Ruanda wieder geöffnet
       wird, um Hilfsgüter und UN-Blauhelme einfliegen zu können.
       
       Aber ob es dazu kommt, hängt vom Gefangenenaustausch ab. In Montreux wurde
       vereinbart, dass man über die weiteren Schritte in der nächsten
       Verhandlungsrunde spricht. Zunächst müssten die Kriegsgefangenen übergeben
       und ein Waffenstillstand etabliert werden. Von einer Feuerpause kann jedoch
       nicht die Rede sein. Erst am Mittwochmorgen schlugen in zahlreichen Orten
       Ostkongos wieder Kampfdrohnen ein und die Bevölkerung in der Region
       Walikale musste fliehen.
       
       22 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Goma-nach-einem-Jahr-Rebellenherrschaft/!6148448
 (DIR) [2] /Friedensvereinbarung-fuer-DR-Kongo/!6101473
 (DIR) [3] https://reliefweb.int/report/democratic-republic-congo/monusco-welcomes-progress-made-montreux-within-framework-doha-process
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Simone Schlindwein
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) M23-Rebellen
 (DIR) Gefangene
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
 (DIR) Schwerpunkt Demokratische Republik Kongo
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Krieg in DR Kongo eskaliert: Kamikazedrohnen und Massakervorwürfe
       
       Regierungsarmee und M23-Rebellen im Osten der DR Kongo intensivieren ihren
       Krieg weiter. Regierung will Massengräber mit M23-Opfern gefunden haben.
       
 (DIR) Ende der Waffenruhe in der DR Kongo: Der mysteriöse Tod von Oberst „Quickly Quickly“
       
       Kongos Regierungsarmee geht mit massiven Drohnenangriffen in die Offensive
       gegen die M23-Rebellen. Deren Militärsprecher Willy Ngoma wird getötet.
       
 (DIR) Politologe zu Kongos Friedensprozess: „Nur eine Atempause in der Mobilisierung“
       
       Kongos Regierung und die M23-Rebellen haben in Katar eine
       Friedensvereinbarung getroffen. Der kongolesische Politologe Bob Kabamba
       ist skeptisch.