# taz.de -- Bauprojekt Urbane Mitte in Berlin: Senat soll auf dem Boden bleiben
> Am Donnerstag wollen CDU und SPD den Bebauungsplan für die Urbane
> Mitte-Süd verabschieden. Ob beim Hochhausprojekt auch Wohnungen
> entstehen, ist unsicher.
(IMG) Bild: Urbane Mitte-Süd: Das Hotel und das temporäre Wohnen sollen auf dem Gewerbegelände rechts oben stattfinden
Sie versuchen, in letzter Sekunde die Notbremse zu ziehen. „Es ist falsch,
den Bebauungsplan jetzt zu beschließen“, kritisieren die
Grünen-Abgeordneten Julian Schwarze und Katrin Schmidberger die Pläne des
schwarz-roten Senats. „CDU und SPD verspielen leichtfertig die Chance, eine
wirkliche Umsetzung des Vorhabens durchzusetzen.“
Am Donnerstag will das Abgeordnetenhaus mit den Stimmen der
Koalitionsfraktionen Baurecht für eines der umstrittensten
Investorenprojekte der Stadt schaffen. Auf dem Gelände des Parks am
Gleisdreieck plant der Luxemburger Investor „Urbane Mitte Besitz S.à r.l“
den Bau von sieben Hochhäusern.
Zwei davon würden demnach auf der Brache südöstlich des U-Bahnhofs
Gleisdreieck entstehen. Das sieht der [1][Bebauungsplan Urbane Mitte-Süd]
vor, der am Donnerstag verabschiedet werden soll. Noch in diesem Jahr soll
zudem mit der Aufstellung eines Bebauungsplans für das nördliche Baufeld am
Technikmuseum begonnen werden.
Ursprünglich als reines Büroprojekt geplant, waren zuletzt Forderungen laut
geworden, in der Urbanen Mitte auch Wohnraum zu schaffen. Auch Bausenator
Christian Gaebler (SPD), dessen Verwaltung das Verfahren für beide
Baufelder vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg an sich gezogen hatte, sprach
sich zuletzt dafür aus. Nun aber stellt sich heraus: Rechtlich gesichert
ist der Wohnungsbau nicht.
## Lediglich ein Letter of Intent
Das ergibt eine noch unveröffentlichte Antwort von Senatsbaudirektorin
Petra Kahlfeldt auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Schwarze und
Schmidberger, die der taz vorliegt. Demzufolge haben die Senatsverwaltung
für Stadtentwicklung und der Investor Mitte Januar einen Letter of Intent
unterzeichnet. Wohnungsbau auf dem südlichen Baufeld, das am Donnerstag zur
Abstimmung steht, ist nicht vorgesehen. Wegen der Lärmbelastungen sollen
dort nur ein Hotel sowie „ein Gebäude mit Wohnungen für einen Aufenthalt
bis sechs Monate“ errichtet werden.
Für den nördlichen Teil, so die Antwort des Senats, „wurde vereinbart, dass
alle Möglichkeiten zur Schaffung von zulässigen Wohnnutzungen ausgeschöpft
werden sollen“. Das Land Berlin werde deshalb mit dem Investor „über die
Veräußerung eines Baufeldes zur Realisierung von Wohnungsbau in
Verhandlungen“ treten.
Viel zu unverbindlich sei das, kritisieren jetzt die Grünen. „Mit solchen
unverbindlichen Erklärungen ist der Senat schon bei der mittlerweile
pleitegegangenen Signa-Gruppe auf die Nase gefallen“, erklären Schwarze und
Schmidberger. Ein Letter of Intent sei eine unverbindliche
Absichtserklärung und biete keinerlei rechtliche Sicherheit.
Der Wohnungsbau ist nicht die einzige Unwägbarkeit, die mit dem Vorhaben
verbunden ist. In einem [2][offenen Brief warnt die Aktionsgemeinschaft
Gleisdreieck] auch vor dem Bau einer zweigeschossigen Tiefgarage. Die soll
bis einen Meter an den S-Bahn-Tunnel der Nord-Süd-Bahn heranrücken.
Das stelle ein „immenses Risiko“ Risiko dar, „das durch die
Nachbarschaftsvereinbarung zwischen Investor und Deutscher Bahn nicht
abgesichert ist“, heißt es im Brief. Im Falle einer Havarie wären täglich
300.000 Fahrgäste betroffen. „Wir fordern eine Neuplanung, bei der der
Abstand zum Tunnel wesentlich vergrößert werden muss.“
Eine Neuplanung für das gesamte Areal fordern auch die Grünen. Doch das
scheint unrealistisch. Vergangene Woche hat bereits der
Stadtentwicklungsausschuss grünes Licht für den B-Plan Urbane Mitte-Süd
gegeben.
Alle Appelle seitens der Opposition und der Bürgerinitiative hatte
Bausenator Gaebler zuletzt mit Hinweis auf einen städtebaulichen
Rahmenvertrag zurückgewiesen, den das Land und der Bezirk 2005 mit einem
Tochterunternehmen der Deutschen Bahn abgeschlossen haben. Im Gegenzug für
die Flächen, auf denen sich heute der Gleisdreieckpark befindet, wurde der
Bahn der Bau von sieben Hochhäusern zugesichert. Der Konzern verkaufte das
Gelände später weiter, Eigentümer der Bahnflächen ist seit 2020 die
Fondgesellschaft Urbane Mitte Besitz.
Darüber hinaus argumentiert der Senat damit, dass bei einer Umplanung, wie
sie die Grünen und der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg fordern, der
Investor das Recht auf Schadenersatz habe. Zwei Gutachten, die die
Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg und
Aktionsgemeinschaft Gleisdreieck in Auftrag gegeben hatten, widersprechen
dieser Auffassung.
26 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.parlament-berlin.de/ados/19/IIIPlen/vorgang/d19-2571.pdf
(DIR) [2] https://gleisdreieck-retten.de/2026/02/23/offener-brief-der-aktionsgemeinschaft-gleisdreieck-e-v-zum-bebauungsplan-urbane-mitte-sued/
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
## TAGS
(DIR) Park am Gleisdreieck
(DIR) Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
(DIR) Berliner Senat
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