# taz.de -- Opposition um jeden Preis in Hamburg: Die CDU sieht bei Verkehrssicherheit schwarz
       
       > Die Hamburger CDU liest die Verkehrsunfallstatistik auf eine Weise, die
       > an Desinformation grenzt. Überzeugende Oppositionsarbeit ist das nicht.
       
 (IMG) Bild: Passiert in Hamburg zwar immer seltener, aber hier hat es mal gekracht
       
       Klar, Statistiken liest jeder so, wie es ihm ins Konzept passt. Ihren
       Kommentar zur Verkehrsunfallstatistik 2025 hätte sich die Hamburger CDU
       jedoch besser verkniffen – zu bemüht und hergeholt ist ihre Interpretation
       der Zahlen. Es ist halt schwer, aus einer eher positiven
       [1][Verkehrssicherheitsbilanz] als Opposition Honig zu saugen. Die CDU
       versucht es trotzdem.
       
       Fraktionschef Dennis Thering setzt den Ton: „Die Unfallzahlen in Hamburg
       sind weiterhin besorgniserregend, und das trotz eines insgesamt leicht
       rückläufigen Autoverkehrs.“ Es zeige sich, dass weniger Autos nicht
       zwangsläufig zu weniger Unfällen führten. Im Gegenteil: Es gebe mehr
       Unfälle mit Personenschäden.
       
       Das ist überraschend, denn die Polizei und die SPD-geführte Innenbehörde
       verlautbaren: „Mit Ausnahme der Corona-Pandemiejahre verletzten sich noch
       nie so wenige Menschen im Hamburger Straßenverkehr.“
       
       Des Rätsels Lösung? – Die CDU bezieht sich auf die Zahl der Unfälle, bei
       denen Menschen verletzt wurden, der rot-grüne Senat auf die Zahl der bei
       diesen Unfällen Verletzten.
       
       ## Am Auto kann es nicht liegen
       
       Es ist auf eine Art legitim, sich die Zahl auszusuchen, die man in den
       Vordergrund stellen will. Doch auch die Opposition sollte kein allzu
       verzerrtes Bild von der Wirklichkeit liefern. Zwar gab es 2025 etwas mehr
       Unfälle als im Jahr davor, aber eben mit weniger Verletzten. Und der Trend
       bei den Verletzten ist seit Jahren eindeutig rückläufig.
       
       Dazu kommt der Subtext, den die CDU liefert: Mehr Unfälle, aber am Auto
       kann es nicht liegen – eben wegen des rückläufigen PKW-Verkehrs.
       
       Das verkennt aber die Machtverhältnisse auf den Straßen, die sich in den
       Unfallzahlen spiegeln: Rund 64.300 Unfälle gab es insgesamt; an 55.700
       waren PKW beteiligt, an 15.300 LKW, an 4.000 Fahrradfahrer, an 2.900
       Omnibusse, an je 1.300 Fußgänger und Motorräder an 1.000 E-Rollerfahrer.
       
       Und Fraktionschef Thering kommt dann doch noch auf die Verletzten zu
       sprechen: Insbesondere Radfahrer, Fußgänger und E-Roller-Fahrer seien
       häufiger verunglückt. „Besonders im Hinblick auf Radfahrunfälle (+1,2
       Prozent) und den Anstieg an verletzten Radfahrern (+0,4 Prozent) sind klare
       Regelungen, eine sichere Infrastruktur und eine höhere Rücksichtnahme in
       Straßenverkehr unverzichtbar“, stellt er fest.
       
       Die Radfahrer so herauszuheben, ist einigermaßen merkwürdig – schließlich
       sind die Zahlen hier nur im unteren einstelligen Bereich gestiegen –, wobei
       die [2][Zahl der Fahrten mit dem Fahrrad] in jenem Jahr um vier Prozent
       zugenommen hat. [3][E-Roller-Fahrer] waren dagegen um die 20 Prozent
       häufiger in Unfälle verwickelt als im Jahr davor, [4][ebenso Kinder] sowie
       Senioren um 10 Prozent. „Der rot-grüne Senat muss dringend handeln, um die
       Ursachen dieser alarmierenden Entwicklungen zu bekämpfen“, fordert die CDU.
       
       Ein Schelm, wer vermutet, dass die Radfahrer hier zu einem zu regelnden
       Problem stilisiert werden sollen – und nicht etwa die Rollerfahrer oder die
       Senioren. Möglicherweise können sich die Christdemokraten diesen Fokus
       einfach nicht abgewöhnen.
       
       Löblicherweise vermerkt die CDU, dass mit elf Menschen noch nie so viele
       Radler tödlich verunglückt sind wie im vergangenen Jahr – wobei die
       Gesamtzahl der tödlich Verunglückten mit 21 so niedrig war wie seit 2015
       nicht mehr.
       
       Der Leiter der Hamburger Verkehrsdirektion, Thomas Model, bewertete die
       Entwicklung 2025 als positiv. Gleichwohl gebe es noch viel zu tun, um den
       Straßenverkehr sicherer zu machen. „Ungeschützte Verkehrsteilnehmende
       tragen dabei das höchste Risiko“, erklärte Model.
       
       25 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.polizei.hamburg/verkehrssicherheitsbilanz
 (DIR) [2] /Verkehrswende-in-Hamburg/!6150832
 (DIR) [3] /Die-Wahrheit/!5782529
 (DIR) [4] /Untersuchung-des-VCD/!6108076
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gernot Knödler
       
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