# taz.de -- Protest gegen Baumrodungen in Hamburg: „Elbwald“ fällt, „Wilder Wald“ noch nicht
> Die Polizei räumt eine Waldbesetzung im „Wilden Wald“, das
> Verwaltungsgericht stoppt Fällungen vorläufig. Am „Elbwald“ werden erste
> Bäume gerodet.
(IMG) Bild: Besetzung beendet, aber Fällungen gestoppt: Polizisten räumen eine Blockade im „Wilden Wald“
Am Dienstagmorgen hat sich in Hamburg der Konflikt um zwei gefährdete
Baumbestände zugespitzt. Während die Polizei eine Baumbesetzung im
Wilhelmsburger „Wilden Wald“ unter Anwendung von Zwang räumte, begannen am
Bubendey-Ufer im Hafen die Rodungsarbeiten am sogenannten „Elbwald“. In
Wilhelmsburg sorgte kurz darauf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts
für einen vorläufigen Stopp der Fällungen.
Nachdem die taz am Montag über eine [1][drohende Teilrodung des „Wilden
Waldes“] im Stadtteil Wilhelmsburg berichtet hatte, wurden noch am selben
Tag erste Rodungsvorbereitungen getroffen. Bäume dürfen gesetzlich nur noch
bis Ende Februar gefällt werden, weil dann die Nistsaison vieler Vögel
beginnt.
Um eine Rodung zu verhindern, hatte der Naturschutzbund (Nabu) Hamburg
bereits am Montag einen Eilantrag beim Hamburger Verwaltungsgericht
gestellt. Dieses entschied am Dienstagvormittag, dass Rodungs- und
Baumfällarbeiten vorerst zu unterlassen seien. Die zunächst genehmigte
Teilrodung bezog sich auf eine Teilfläche des nach der Flutkatastrophe von
1962 verwilderten Areals, konkret auf 790 Quadratmeter.
„Die Entscheidung des Hamburger Verwaltungsgerichts ist ein wichtiger
Teilerfolg für uns und den ‚Wilden Wald‘, gleichzeitig aber auch ein
Zeichen eines gut funktionierenden Rechtsstaates“, sagt der
Nabu-Landesvorsitzende Malte Siegert. Der Nabu setze sich „weiterhin dafür
ein, dass der gesamte ‚Wilde Wald‘ erhalten bleibt“.
## Baumbesetzung geräumt
Neben dem Nabu stellen sich auch Aktivist*innen und Umweltinitiativen
gegen die drohenden Rodungsmaßnahmen. Sie hatten am frühen Dienstagmorgen
zu einer Versammlung aufgerufen und Teile des bedrohten Waldstücks besetzt.
Dabei sollen laut den Aktivist*innen rund 25 Personen an der
Versammlung und weitere 20 Personen an einer Baumbesetzung teilgenommen
haben.
Die Polizei begann am Dienstagmorgen die Blockade zu räumen. Dabei sollen
laut Nila S. vom Bündnis „WiWa bleibt!“ auch [2][Schmerzgriffe angewendet
worden sein]. Eine Person befinde sich auf dem Weg ins Krankenhaus.
Außerdem soll die Polizei mit Anzeigen wegen Hausfriedensbruch gedroht
haben. Aktivist:innen berichten, die Polizei habe gesagt, dass das
betroffene Waldstück der anliegenden Baufirma gehöre. Sie sollte dieses in
einem Flächentausch mit der Stadt erhalten. Im Zuge der Räumung hat die
Polizei vereinzelt Bäume gefällt.
Der „Wilde Wald“ ist ein etwa neun Hektar großes Waldstück im Hamburger
Stadtteil Wilhelmsburg, direkt hinter dem Elbdeich gelegen. Auf dieser
Fläche sollen zukünftig 1.100 Wohnungen entstehen. Dagegen regt sich
[3][seit 2017 Widerstand] von örtlichen Umweltinitiativen.
## Trauerweiden im Hafen gefällt
Tatsächlich begonnen wurde laut der Bürgerinitiative „Elbwald retten“ am
Dienstagmorgen mit der Rodung [4][des sogenannten „Elbwaldes“, einer Kette
von knapp 400 Bäumen am Bubendey-Ufer im Hamburger Hafen.]
Zunächst habe die Hamburg Port Authority (HPA) laut der Bürgerinitiative
damit begonnen, Trauerweiden an der Ostseite des Bubendey-Ufers zu fällen.
„Diese Rodungsarbeiten sind eine reine Provokation“, sagt
Initiativen-Sprecher Franz Hermann. Weil der Baubeginn der Hafenerweiterung
frühestens Ende 2027 erfolgen könne, gebe es gar keinen Grund, die Bäume
jetzt zu fällen.
Der Streit um den Elbwald schwelt bereits seit Jahren und ist Teil der
langfristigen Planungen zur Hafenerweiterung. Die Hamburg Port Authority
plant auf dem Areal die Errichtung neuer Logistikflächen sowie die
Erweiterung des angrenzenden Containerterminals Burchardkai.
Für die Umgestaltung des Uferbereichs müssen nach aktuellen Planungen
insgesamt knapp 400 Bäume weichen. Während die Stadt die Notwendigkeit
betont, den Hamburger Hafen wettbewerbsfähig zu halten und eine moderne
Infrastruktur zu schaffen, kritisieren Umweltverbände den Verlust eines
wertvollen Biotops und Naherholungsgebiets im industriell geprägten
Hafengebiet.
Anders als in Wilhelmsburg blieb ein Eilantrag gegen die Fällungen am
Bubendey-Ufer erfolglos. Das Verwaltungsgericht lehnte einen vorläufigen
Stopp ab, da es die wirtschaftlichen Belange des Hafenausbaus höher
bewertete als den Naturschutz. Damit ist der Weg für die Rodungen frei,
noch bevor eine anhängige Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss
verhandelt ist.
Am Mittwochmittag will die Initiative vor der Zentrale der HPA am Neuen
Wandrahm in der Speicherstadt protestieren.
24 Feb 2026
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