# taz.de -- Protest gegen Hafenerweiterung: Schlechte Aussichten für den Elbwald
> Eine Bürgerinitiative will die Abholzung im Rahmen der Hamburger
> Hafenerweiterung stoppen. Doch die Hafenbehörde lässt sich nicht
> aufhalten.
(IMG) Bild: Im Schneegestöber kaum zu erkennen: die Pappelreihe am Bubendey-Ufer. Noch schützenswerter soll der Bereich dahinter sein
Der Hamburger Hafen wächst. 2025 ist der Containerumschlag auf 8,4 Prozent
gestiegen, rund ein Drittel der Container kommen aus China, [1][so die
offiziellen Zahlen der Hamburg Port Authority]. Und nicht nur die
Umschlagszahlen, nein, [2][auch das Hafengebiet soll wachsen]: Eine
Kaimauer soll errichtet, der Drehkreis für noch größere Containerschiffe
erweitert, zwei neue Liegeplätze sollen geschaffen werden. Dies sei für die
„Verbesserung der nautischen Bedingungen“ erforderlich, so die Sprecherin
der Hamburg Port Authority.
Das Geschehen im Hafen macht bei Weitem nicht alle glücklich. Im
vergangenen Jahr hatten Anwohner*innen gegen die Lärm- und
Schadstoffbelastung geklagt – und verloren. Im November [3][besetzten
Aktivist*innen von Ende Gelände Schienen, auf denen Rüstungsgüter
transportiert wurden], nach sechs Stunden wurden sie geräumt. [4][Und im
Sommer hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet], um die knapp 400 Bäume
am Bubendey-Ufer zu retten.
Die Bäume sollen für die geplante Westerweiterung zwischen Januar und
Februar vollständig gerodet und im Anschluss soll die Fläche planiert
werden, so heißt es in einer Ausschreibung von Mitte Dezember. Hätte der
Landschaftsgärtner, der von der Hafenbehörde die Rodungsausschreibung
bekommen hat, nicht die Bürgerinitiative „Elbwald retten“ informiert, hätte
die womöglich gar nichts von dem Rodungstermin mitbekommen.
Die paar Pappeln
Erst vor wenigen Wochen hat die Bürgerinitiative eine Volkspetition gegen
die Abholzung gestartet, Jan Delay war unter den Erstunterzeichnern. Man
wollte sich mit aktivistischen Gruppen vernetzen: „Wir sind ja jetzt nicht
die Typen, die auf Bäume klettern“, so Rainhard Moratz.
Der Professor für Geoinformatik hat ursprünglich mal mit Jens Meier, dem
Geschäftsleiter der Hamburg Port Authority, zusammen studiert. Jetzt sitzt
er mit dem Kapitän Ulf Wolter und dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative
Franz Hermann in der Strandperle, einem Restaurant am Elbstrand. Vor dem
Restaurant und in den benachbarten Gärten hängen grüne Flaggen, auf denen
„Elbwald retten“ steht. Von hier aus kann man durch das Schneegestöber auf
die Pappelreihe blicken.
Diese vorderen Pappeln, das hat eine Sprecherin der Hafenbehörde
versichert, sollen zumindest „diesen und nächsten Monat“ nicht gefällt
werden. „Das ist doch absurd. Die Pappeln lassen sie stehen, damit man
nicht sieht, dass das ökologisch Wichtige dahinter abgeholzt wird“, sagt
Hermann.
„Das ökologisch Wichtige“ – damit meint er die insgesamt knapp 28.000
Quadratmeter große Fläche neben dem Petroleumhafen. Auf dem Gelände konnte
„eine über die normalen Maße der hafentypischen Belastungen hinausgehende
Belastung“ festgestellt werden, [5][das ergab eine Anfrage der Linken im
August.] Trotzdem wachsen hier, zwischen Containerkränen und alten
Gastanks, Trauerweiden, Eichen und Ahornbäume.
„Pappeln filtern den Feinstaub und den verseuchten Boden“, so Hermann. „Das
ist die grüne Lunge des Industriegebiets“. In einer Kartierung von 2007
wurde festgestellt, dass hier Mäusebussarde und Fledermäuse leben. Seitdem
wurde das Waldstück größtenteils sich selbst überlassen. Die
Bürgerinitiative geht davon aus, dass sich noch weitere Arten angesiedelt
haben: Ein Seeadler soll gesichtet worden sein, [6][auch die sehr seltene
Schwarz-Pappel] vermutet man unter den Bäumen.
Um das nachweisen zu können, braucht man jedoch neue Umweltgutachten, einen
Gentest und vor allem: Zeit. „Man muss die Brutsaison im Frühjahr abwarten.
Wie soll man denn jetzt herausfinden können, ob hier seltene Tierarten
brüten?“ Hermann zeigt auf die zugeschneite Landschaft. „Die wollen alles
kaputt machen, bevor man nachweisen kann, dass hier etwas Schützbares
lebt.“
Nicht gegen den Hafen, aber gegen die Erweiterung
Man sei nicht gegen den Hafen, das ist allen dreien wichtig zu betonen.
„Der Hafen braucht dringend eine bessere Logistik“, so der Kapitän Wolter.
Die geplante Westerweiterung des Hafens könne man jedoch nicht
nachvollziehen.
[7][Der Beschluss für die Erweiterung] fiel 2016. Die Wachstumsprognosen,
von denen er ausgeht, [8][sind trotz der steigenden Zahlen nicht
eingetreten]. „Wir prüfen, ob wir rechtlich gegen die Rodung vorgehen
können“, so Hermann.
Glaubt man der Hamburg Port Authority, dann sieht das schlecht aus: Der
Beschluss sei bereits gerichtlich überprüft und vollziehbar, so eine
Sprecherin. Man wolle als Ausgleich rund zwei Hektar Wald schaffen. Auf die
Frage, wann die Rodungsarbeiten beginnen, gibt die Behörde keine Antwort.
Da der Zeitraum, in denen Bäume in Hamburg gefällt werden dürfen, nur noch
bis Ende Februar geht, ist damit zu rechnen, dass die Arbeiten demnächst
beginnen.
12 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.hafen-hamburg.de/de/presse1/news/umschlag-im-hamburger-hafen-bleibt-auf-wachstumskurs/
(DIR) [2] /Klage-wegen-Eurogate-Terminal-erfolglos/!5767427
(DIR) [3] https://www.ende-gelaende.org/press-release/pressemitteilung-vom-07-11-2025-2/
(DIR) [4] /Elbpanorama-in-Gefahr/!6136373
(DIR) [5] https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/dokument/93899/23_01090_wie_schaedlich_ist_die_hafenwesterweiterung_fuer_die_umwelt#search=%22Hafenwesterweiterung%22%23navpanes=0
(DIR) [6] https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pflanzen/pflanzenportraets/wildpflanzen/gehoelze/04303.html
(DIR) [7] https://www.hamburg.de/resource/blob/200306/45660b1e93a15441496b1528aaebe6d4/dl-pfb-westerweiterung-eurogate-cth-data.pdf
(DIR) [8] /Elbpanorama-in-Gefahr/!6136373
## AUTOREN
(DIR) Amanda Böhm
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