# taz.de -- Förderung demokratischer Werte: „Ein Gesetz allein reicht nicht“
> Ein Demokratiefördergesetz für Berlin würde die aktive Zivilgesellschaft
> stärken, sagt Edwin Greve vom Migrationsrat. Aber es brauche auch mehr
> Geld.
(IMG) Bild: Viele Berliner:innen haben demokratiefeindliche Einstellungen. Auch deshalb soll das Demokratiefördergesetz bald kommen
taz: Herr Greve, [1][der neue Berlin-Monitor] ist alarmierend, weil er
zeigt, wie groß die antidemokratischen Tendenzen unter Berliner:innen
inzwischen sind. Hat Sie das überrascht?
Edwin Greve: Bei uns im Migrationsrat ist niemand überrascht. Vergleichbare
Untersuchungen wie die Mitte-Studie sagen ja auch seit Jahren dasselbe –
was nicht heißt, dass das Ergebnis des Monitors nicht katastrophal ist.
Etwa dass fast die Hälfte der Menschen denkt, schon die bloße Anwesenheit
von Sinti*zze und Rom*nja führe zu Konflikten. Das zeigt, dass solche
Feindseligkeiten in unserer Gesellschaft inzwischen allgegenwärtig sind. Da
ist die Einordnung, diese Ergebnisse seien „alarmierend“ schon fast
verharmlosend – denn dieser Zustand, vor dem man warnen müsste, ist längst
eingetreten.
taz: Da wäre das Demokratiefördergesetz, das SPD-Integrationssenatorin
Cansel Kiziltepe [2][endlich fertigstellen will], ja eine gute Idee, oder?
Greve: Das ist das Mindeste, was man machen kann. Es würde zumindest dem
Land Berlin die Verpflichtung auferlegen, die Zivilgesellschaft zu stärken.
Und zwar gerade diejenigen, die nicht nur vielleicht keine rassistischen
und faschistischen Einstellungen haben, sondern die auch aktiv etwas
dagegen tun. Aber ein Gesetz allein reicht nicht, wenn nicht gleichzeitig
die Mittel im Haushalt vorhanden sind. Zudem ist noch unklar, ob das Gesetz
für alle Verwaltungen verpflichtend wird.
taz: Was meinen Sie?
Greve: Wir als Migrationsrat finden es sehr wichtig, dass dieses Gesetz
alle Berliner Verwaltungen verpflichten soll, Demokratieförderung als ihre
Aufgabe zu betrachten. Sonst bleibt es am Ende an Sozial- und
Kulturverwaltung hängen, die sich gerade mit dem Gesetz beschäftigen. Das
aber wäre zu wenig.
taz: Ein wichtiger Punkt soll ja sein, dass sich Demokratieprojekte nicht
bei jedem Doppelhaushalt vor Kürzungen fürchten müssen.
Greve: Im Gesetz wird nur stehen, dass die Verwaltungen Demokratie fördern
müssen – nicht mit wie viel Geld. Das bleibt dem Parlament überlassen, das
macht den Haushalt, es entscheidet auch, ob es die Verwaltungen ermächtigt,
längerfristig zu fördern oder ob an der Projektförderung festgehalten wird.
Mit dem Gesetz hat die Verwaltung ein bisschen weniger Hebel, um einfach zu
sagen, wir müssen sparen und darum kürzen wir jetzt mal die
Antidiskriminierung weg. Aber wenn das Parlament im Vorhinein zu wenig Geld
zur Verfügung stellt, hilft das schönste Gesetz nichts.
taz: Ein Streitpunkt in der Koalition war bisher, dass die CDU eine
„Demokratieklausel“ will: Alle geförderten Projekte sollen unterschreiben,
dass sie zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. Die SPD hält
das für überflüssig und im aktuellen Entwurf ist die Klausel auch nicht
drin. Gut so?
Greve: Wenn sich ein geförderter Verein verfassungsfeindlich äußert, hat
der Staat schon jetzt die Möglichkeit, gegen diesen Verein vorzugehen und
die Förderung zurückzuverlangen. Die Forderung nach einer
Extremismusklausel ist eine symbolpolitische Geschichte, mit der die CDU
ausgerechnet diejenigen als potenziell gefährlich verunglimpft, die sich
gegen rassistische, faschistische und antifeministische Gewalt einsetzen.
taz: Was müsste jetzt, auch angesichts der dramatischen neuen Zahlen zu
Demokratiefeindlichkeit, dringend geschehen?
Greve: Wir brauchen auf jeden Fall haushaltspolitische Schwerpunkte auf
Demokratieförderung, Antidiskriminierung, auf Empowerment der
diskriminierten Gruppen und des zivilgesellschaftlichen Engagements gegen
rassistische, menschenfeindliche, faschistische Ideologien. Und das
brauchen wir auch dringender als zum Beispiel Kameraüberwachung oder
Olympia 36.
24 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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