# taz.de -- State-of-the-Union-Rede in den USA: Trump beschwört seinen Zoll- und Migrationskurs
> Der US-Präsident geriet zuletzt innenpolitisch unter Druck. In der Rede
> zur Lage der Nation tritt er die Flucht nach vorne an – und macht schon
> mal Wahlkampf.
(IMG) Bild: Im Mittelpunkt: US-Präsident Donald Trump am 24. Februar in Washington
dpa | Der innenpolitisch zuletzt unter Druck geratene US-Präsident Donald
Trump hat seine rigorose Migrationspolitik und das Verhängen von Zöllen
gegen Handelspartner verteidigt. „Die erste Pflicht der amerikanischen
Regierung ist es, amerikanische Bürger zu schützen“ – und nicht Ausländer,
die sich illegal in den USA aufhielten, sagte Trump in seiner Rede zur Lage
der Nation vor beiden Parlamentskammern.
Der 79-Jährige hielt im Kapitol in Washington mit fast zwei Stunden die
bislang längste solche Rede eines US-Präsidenten. Wie üblich – noch dazu in
einem Wahljahr – sparte der Präsident dabei nicht an Selbstlob und pries
die Politik seiner Regierung nach einem Jahr im Amt an. Die Außenpolitik
spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle. [1][Der Ukrainekrieg etwa kam
nur ganz am Rande vor.]
Trump verteidigte bei der wichtigen Grundsatzrede auch seine Zollpolitik –
inklusive einer Spitze gegen den Obersten Gerichtshof. In Anwesenheit
mehrerer Richter rügte der Präsident deren Entscheidung. Der Supreme Court
hatte ihm am Freitag untersagt, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz
Zölle auf den Import von Waren aus vielen Ländern zu verhängen. Diese hatte
Trump am Kongress vorbei in Kraft gesetzt. Die aggressive Zollpolitik ist
ein Kernelement seiner zweiten Amtszeit. Er hatte nach dem Urteil
angekündigt, nun andere Wege zu nutzen, [2][um seine Zölle weiterhin
durchzusetzen.]
## Trump beschwört „goldenes Zeitalter“ der USA
Trump betonte, dass die USA unter seiner Regierung wirtschaftlich wieder
aufblühten. „Unsere Nation ist zurück – größer, besser, reicher und stärker
als jemals zuvor.“ Den oppositionellen Demokraten warf er vor, für hohe
Lebenshaltungskosten in den USA verantwortlich zu sein. „Ihre Politik hat
die hohen Preise verursacht.“ Beim Thema Inflation und Bezahlbarkeit –
einst von Trump als „Schwindel der Demokraten“ ins Lächerliche gezogen –
versucht der US-Präsident mittlerweile, selbst zu punkten.
Im November stehen die wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress an. Dabei
könnten Trumps Republikaner ihre hauchdünne Mehrheit im Senat und im
Repräsentantenhaus verlieren. Trumps zweite Amtszeit begann vor gut einem
Jahr. Zuletzt verlor er Umfragen zufolge aber in der Bevölkerung zunehmend
an Rückhalt. Insbesondere [3][die aggressive Abschiebepolitik mit brutalen
Razzien] und die weiterhin hohen Lebenshaltungskosten sorgten zuletzt für
viel Kritik.
## Trump wegen Finanzlücke unter Druck
Trumps Auftritt im Kongress fiel in eine angespannte Zeit. Das
Heimatschutzministerium bekommt seit fast zwei Wochen kein frisches Geld
mehr. Demokraten und Republikaner konnten sich bislang nicht auf das Budget
für das Ministerium einigen. Hintergrund sind die [4][umstrittenen Einsätze
der Einwanderungsbehörde ICE, die dem Ministerium untersteht.]
Demokraten wollen einer weiteren Finanzierung nur zustimmen, wenn auch
strengere Regeln für Razzien gegen Migranten beschlossen werden. Trump
forderte ein Ende der Haushaltsblockade für das Heimatschutzministerium.
„Wir haben kein Geld wegen der Demokraten“, kritisierte er.
## Trump hält sich bedeckt zu Iran
Mit Spannung war erwartet worden, ob sich Trump auch zu internationalen
Konflikten äußern würde – vor allem [5][zum Iran], zumal [6][die USA ihre
Militärpräsenz in der Region zuletzt massiv erhöht haben]. In der Sache
sagte Trump jedoch kaum etwas Neues. Er bekräftigte mit Blick auf die
Führung in Teheran: „Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte
Förderer des Terrors, der sie bei Weitem sind, eine Atomwaffe besitzt. Das
kann ich nicht zulassen.“ Zu den diplomatischen Bemühungen in dem Konflikt
sagte er: „Wir befinden uns in Verhandlungen mit ihnen. Sie wollen einen
Deal machen.“
Allerdings habe er noch keine Zusage der iranischen Regierung erhalten, auf
Atomwaffen zu verzichten, sagte Trump. Der Iran beteuert seit Jahren, dass
sein Atomprogramm nur zivilen Zwecken diene. Das Land will aber nicht auf
die Anreicherung von Uran verzichten, weswegen westliche Länder skeptisch
sind. Für den Bau von Atombomben wird hoch angereichertes Uran benötigt.
Der Golfstaat Oman vermittelt zwischen den beiden Parteien. Am Donnerstag
wollen Trumps Unterhändler in Genf US-Regierungskreisen zufolge erneut mit
iranischen Abgesandten verhandeln.
## Was gesagt und was nicht gesagt wurde
Zur brüchigen Waffenruhe im Gazastreifen und dem Ringen um eine
Friedenslösung im Ukrainekrieg sagte Trump in der alljährlichen
Grundsatzrede, auf Englisch bekannt als „State of the Union“, nichts
wirklich Neues. Trumps zuletzt wiederholt geäußerter Wunsch nach einer
Annexion der zum Nato-Partner Dänemark gehörenden Insel Grönland fand keine
Erwähnung.
Trump würdigte auch den [7][Sieg der US-Eishockeymannschaft der Männer bei
den Olympischen Spielen in Italien]. Der US-Präsident pries das Team, das
auf der Zuschauertribüne saß, während seiner Rede. Er bezeichnete deren
Sieg gegen Kanada als Beleg dafür, dass „unser Land wieder gewinnt“. Die
Anwesenden im Kapitol in Washington skandierten „USA“ und applaudierten den
Sportlern, die ihre Goldmedaillen hochhielten.
## Demokrat nennt Trump nach der Rede Diktator
Der demokratische Senator Alex Padilla hat US-Präsident Donald Trump nach
dessen Rede zur Lage der Nation als Lügner bezeichnet und mit einem
Diktator verglichen. „Wir haben soeben gehört, wie Donald Trump das getan
hat, was er am besten beherrscht: Lügen“, sagte Padilla in einer Antwort
der Demokraten auf den Auftritt des Republikaners vor dem Kongress. Auf
Spanisch sagte der Senator aus Kalifornien, Trump wende Taktiken an,
„[8][wie wir sie aus anderen Ländern kennen, die von korrupten Diktatoren
regiert werden]“.
Padilla ging den Republikaner vor allem wegen seiner umstrittenen
Migrationspolitik an. Bewaffnete und maskierte Bundesbeamte würden
Gemeinschaften „terrorisieren und Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder
weil sie Spanisch sprechen, ins Visier nehmen – darunter auch Einwanderer
mit legalem Status und Staatsbürger“, sagte er in Bezug auf die
Einwanderungsbehörde ICE. „Dieses Chaos ist das Produkt der gefährlichen
Launen einer einzigen Person: Donald Trump.“
Er warf Trump zudem vor, die kommenden Zwischenwahlen manipulieren zu
wollen. [9][Im November wird bei den sogenannten „Midterms“ neu über das
Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel der Sitze im Senat entschieden].
25 Feb 2026
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