# taz.de -- Möglicher Nachfolger von Ali Chamenei: Der pragmatische Extremist
> Iran bereitet sich auf den Tod Chameneis vor. Sein Vertrauter Ali
> Laridschani soll dann die Interims-Geschäfte übernehmen. Er ist ein
> echter Aufsteiger.
(IMG) Bild: Ali Laridschani könnte Nachfolger von Ali Chamenei im Iran werden
Nur knapp wurde laut Le Figaro Anfang Januar ein Komplott vereitelt, das
darauf abzielte, den mächtigsten Mann Irans, [1][Ali Chamenei], zu
entmachten. Hinter dem Plan soll der frühere Präsident Hassan Rohani
gestanden haben, der sowohl im Klerus als auch innerhalb der
Revolutionsgarden über ein eng geknüpftes Netzwerk verfügt.
Gescheitert sei das Vorhaben am zweitmächtigsten Mann in Iran: Ali
Laridschani, ein enger Vertrauter von Chamenei. Als ihm der Plan
unterbreitet wurde, soll er seine Zustimmung verweigert haben – und ohne
diese scheint in Teheran inzwischen kaum noch eine weitreichende
Entscheidung möglich zu sein.
Nun hat der 86-jährige Chamenei seinen langjährigen Gefolgsmann [2][laut
einem Bericht der New York Times] für den Fall seines Todes zum
Interims-Entscheidungsträger bestimmt. Laridschani wäre dann offiziell der
mächtigste Mann im Land – zumindest bis ein neuer oberster Führer bestimmt
ist, der laut Verfassung der Islamischen Republik ein hochrangiger Kleriker
sein muss. Wer ist der Mann, der künftig Irans Geschicke lenken soll?
## Fulminanter Aufstieg
Der frühere Kommandant der [3][Revolutionsgarden] stammt aus einer
einflussreichen Familie, die es während der Islamischen Revolution an die
Spitze des neuen Staatsapparats geschafft hat. Sein Bruder Sadigh
Laridschani war von 2009 bis 2019 iranischer Justizchef, ein weiterer
Bruder, Mohammad-Javad Laridschani, ist ein enger Berater Chameneis.
Laridschani, der einen Master in westlicher Philosophie absolviert hat, war
bereits Kulturminister, Leiter der staatlichen Rundfunkanstalt Irib und
kandidierte fürs Präsidentenamt. Sein fulminanter Aufstieg an die Spitze
der Macht begann aber erst im August 2025, als er zum neuen Sekretär des
Obersten Nationalen Sicherheitsrats ernannt wurde. Während Chamenei sich
seitdem meistens in seinem Bunker versteckte, gewann der 67-jährige
Laridschani stetig an Einfluss.
Der Oberste Nationale Sicherheitsrat wurde nach dem [4][12-Tage-Krieg]
zwischen Iran und Israel gezielt gestärkt, um im erneuten Kriegsfall die
Handlungsfähigkeit des Regimes zu sichern. Das Gremium wurde so zur
zentralen Schaltstelle zwischen Sicherheits-, Innen- und Außenpolitik des
Landes.
## Ultrakonservativ und rücksichtslos
Als dessen Sekretär beaufsichtigt Laridschani die Verhandlungen mit den
USA, trifft ausländische Staatschefs wie Wladimir Putin – und er
koordiniert die [5][Repression] im Inneren. Im Januar berichteten iranische
Medien, der Präsident Massud Peseschkian habe Laridschani vorgeschlagen,
den zweiwöchigen Internetblackout aufzuheben, da er der Wirtschaft
schadete. Ohne Laridschanis Einverständnis scheint auch der Präsident
machtlos zu sein.
Dass Chamenei ausgerechnet Laridschani zum neuen starken Mann im
Machtgefüge der Islamischen Republik erhoben hat, ist kein Zufall.
Laridschani profilierte sich in den vergangenen Jahren als
ultrakonservativer und rücksichtsloser, aber zugleich pragmatischer
Politiker, der im Ernstfall alles tut, was nötig ist, um die Islamische
Republik zu erhalten.
Als die Iraner 2022 gegen die strengen islamischen Sittengesetze
rebellierten, war es Laridschani, der ein lockereres Vorgehen der Behörden
forderte, um neuen Protesten vorzubeugen – was vielen Hardlinern missfiel.
Doch im vergangenen Januar, als Millionen Iraner das endgültige Ende der
Islamischen Republik forderten, koordinierte Laridschani ein systematisches
Massaker an Tausenden unbewaffneten Demonstranten.
23 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Aufstand-in-Iran/!6144897
(DIR) [2] https://www.nytimes.com/2026/02/22/world/middleeast/iran-larijani-khamenei-pezeshkian.html
(DIR) [3] /Iranische-Revolutionsgarde/!6150005
(DIR) [4] /Krieg-zwischen-Iran-und-Israel-/!6093110
(DIR) [5] /Repression-im-Iran/!6152537
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