# taz.de -- Klimakrise und Energiewende: Irland wird Emissionsziel verfehlen
       
       > Das Land setzt auf Windenergie – in der Zukunft. Das Potenzial ist
       > riesig. Doch bis dahin sieht es schlecht aus in Sachen Klimaschutz.
       
 (IMG) Bild: Offshore-Anlage in der Nordsee – im Atlantik wäre das Potenzial noch größer
       
       Ab 2030 wird alles gut. Wenn Irland dann [1][Windenergie] nutzt,
       verflüchtigen sich die Treibhausgase. Bis es so weit ist, werden aber
       erstmal Strafzahlungen von bis zu 28 Milliarden Euro fällig.
       
       Der irische Klimaminister Darragh O’Brien hat eingeräumt, dass die Insel
       höchstens die Hälfte des für 2030 gesetzten Ziels erreichen wird.
       Eigentlich sollten die Treibhausgase bis dahin um 51 Prozent im Vergleich
       zu 2018 gesenkt werden. Damals beliefen sich die gesamten Emissionen
       Irlands auf 61 Millionen Tonnen. Die damalige Regierung verpflichtete sich,
       sie bis 2030 auf 30 Millionen Tonnen zu reduzieren.
       
       Es sei richtig, dass man sich „anspruchsvolle Ziele“ gesetzt habe, sagte
       O’Brien. Er fügte hinzu, dass man diese Ziele zwar nicht erreichen werde,
       aber alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die Sache in die richtige
       Richtung bewege. „Die Emissionen sind derzeit auf dem niedrigsten Stand
       seit 35 Jahren, obwohl unsere Bevölkerung um 1,5 Millionen Menschen
       gewachsen ist“, sagte er. Sobald die Offshore-Windenergie Anfang der 2030er
       Jahre in das nationale Stromnetz eingespeist werde, erwarte man erhebliche
       und rasche Reduzierungen der Emissionen, fügte O'Brien hinzu. Vorerst aber
       werde Gas weiterhin als Komponente und als Reserve benötigt.
       
       Laut des im Mai 2024 veröffentlichten Zukunftsrahmens der damaligen
       Regierung soll die Offshore-Windenergie bis 2030 fünf Gigawatt, bis 2040 20
       Gigawatt und bis 2050 schließlich 27 Gigawatt Strom liefern. Das wäre
       genug, um den Strombedarf Irlands zu übertreffen und größere Exporte zu
       ermöglichen.
       
       Der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist David McWilliams hält das für
       wenig ambitioniert. Schließlich sei die Meeresfläche Irlands mit 490.000
       Quadratkilometern siebenmal so groß wie die Landfläche, argumentiert er.
       Außerdem profitiere Irland von der höchsten Windgeschwindigkeit in Europa,
       sie sei 25 Prozent höher als an allen anderen Küsten Europas, was bedeute,
       dass dieselbe Windkraftanlage im irischen Atlantik etwa 25 Prozent mehr
       Strom produzieren könnte als an einem Standort in der Nordsee.
       
       Studien schätzen das technische Windenergiepotenzial in den irischen
       Atlantikgewässern auf etwa 600 Gigawatt. Das entspricht dem gesamten
       jährlichen Stromverbrauch der Europäischen Union. Bei maximaler Ausnutzung
       könnte die kleine Insel mit fünf Millionen Einwohnern Strom für 500
       Millionen Menschen produzieren.
       
       Natürlich kostet das alles zunächst eine Menge Geld. Die Gewässer vor der
       Westküste Irlands sind tief – oft über 60 Meter. Fest installierte
       Meeresbodenturbinen kommen deshalb für die meisten Standorte nicht infrage.
       Stattdessen sind schwimmende Offshore-Windplattformen erforderlich, bei
       denen riesige Windturbinen auf schwimmende Strukturen montiert werden, die
       mit Ankern am Meeresboden festgemacht sind. Aber von solch innovativen
       Gedanken ist Irlands Regierung noch weit entfernt.
       
       23 Feb 2026
       
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