# taz.de -- Nach der Niederlage vorm Supreme Court: Trump im Zollibat
> Der US-Präsident wurde für seine Handelspolitik abgestraft. Ob die USA
> nun die unrechtmäßig gezahlten Abgaben zurückerstatten müssen, bleibt
> unklar, ebenso die Erfolgsaussicht der neuen Zollverordnung.
(IMG) Bild: Zwischen Bug- und Zollwelle: Während die Frachter Kurs halten, sorgt Washington für neue Turbulenzen im Welthandel
US-Präsident Donald Trump hat nach einer wegweisenden Niederlage vor dem
amerikanischen Supreme Court, die seine gesamte Zollpolitik auf den Kopf
gestellt hatte, [1][bereits neue globale Abgaben erhoben]. Gleichzeitig
attackierte er die obersten Richter, die sich am Freitag gegen die meisten
seiner im vergangenen Jahr verhängten Zölle gesprochen hatten. Viele
Unternehmen zeigen sich derweil verhalten optimistisch.
In einer ersten Stellungnahme nach der [2][Entscheidung des Obersten
Gerichtshofs] nannte Präsident Trump die Richter, die sich gegen seine
Zölle ausgesprochen hatten, „Dummköpfe“ und „Schoßhündchen“ und warf ihnen
vor, aus parteipolitischer Überzeugung gehandelt zu haben. Dabei waren drei
der Richter, die gegen die vom Weißen Haus errichteten Handelsbarrieren
votierten, von republikanischen Präsidenten ernannt worden, zwei sogar von
Trump selbst. „Ich finde das zutiefst enttäuschend und schäme mich für
einige Mitglieder des Gerichts, ich schäme mich zutiefst dafür, dass sie
nicht den Mut hatten, das Richtige für unser Land zu tun“, sagte er.
Mit sechs zu drei Stimmen entschieden die Supreme-Court-Richter, dass ein
Gesetz aus den späten 1970ern, der sogenannte International Emergency
Economic Powers Act (IEEPA), den Präsidenten nicht zur Erhebung von Zöllen
ermächtige. Das Gesetz war die Grundlage für die meisten Zölle, die die
Trump-Regierung im vergangenen Jahr erlassen hat.
Der ehemalige US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross, der zu den Architekten
[3][von Trumps Zollpolitik in seiner ersten Amtszeit] gehörte, bezeichnete
gegenüber der taz die Entscheidung des Supreme Court als verheerend, da sie
in den Wirtschaftskreisen enorme Verwirrung und Rechtsstreitigkeiten
auslösen werde. „Es ist ein echtes Chaos“, so Ross.
## Neue Zölle
Trump und seine Regierung hatten im Vorfeld der richterlichen Entscheidung
bereits angekündigt, dass sie im Falle einer Niederlage Alternativpläne
hätten, um die auf Zöllen basierende Wirtschaftspolitik fortzuführen.
Am Freitagabend unterzeichnete Präsident Trump zunächst eine Verordnung,
die Abgaben von 10 Prozent auf viele ausländische Importe vorsieht. Wenig
später kündigte er jedoch an, den Satz auf 15 Prozent anzuheben. Die neuen
Zölle treten am frühen Dienstagmorgen in Kraft und gelten für 150 Tage.
Einige Waren sind von der Regelung ausgenommen, darunter bestimmte
Lebensmittel, kritische Mineralien, Elektronikprodukte und Autos. Auch
Waren aus Kanada und Mexiko, die unter ein in Trumps erster Amtszeit
ausgehandeltes Handelsabkommen fallen, bleiben weiterhin zollfrei.
Nach dem Urteil des Supreme Court hatten viele Republikaner zunächst auf
eine gemeinsame Lösung mit dem Weißen Haus gehofft und
Gesprächsbereitschaft signalisiert. Doch innerhalb der Partei zeigen sich
deutliche Spannungen: Während vor allem jüngere Parteivertreter Trumps
protektionistischen Kurs ausdrücklich unterstützen, warnen andere vor den
wirtschaftlichen Folgen. Der frühere republikanische Mehrheitsführer im
Senat, Mitch McConnell, erklärte, umfassende Handelskriege mit Verbündeten
seien schon lange als problematisch erkennbar gewesen – Zölle trieben
Preise in die Höhe und schadeten wichtigen Branchen.
Die Demokraten sehen sich durch das Urteil bestätigt. Der demokratische
Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, erklärte, Trumps neue Zölle
würden Verbraucher genauso belasten wie die alten. Senatorin Elizabeth
Warren forderte Rückerstattungen für unrechtmäßig erhobene Abgaben. Mit
Blick auf die Zwischenwahlen im Herbst dürfte der Zollstreit damit zu einem
zentralen Wahlkampfthema werden.
Ex-US-Wirtschaftsminister Ross glaubt allerdings, dass es für die Regierung
schwer werden dürfte, das bisherige Niveau der Abgaben auf ausländische
Importe aufrechtzuerhalten. „Die anderen Maßnahmen zur Erhebung von Zöllen
sehen Prozesse vor, die Zeit in Anspruch nehmen.“ Außerdem unterlägen
einige von ihnen zeitlichen oder mengenmäßigen Beschränkungen, erklärt
Ross, daher stellten sie zwar zumindest teilweise einen Ersatz dar, aber
keinen vollständigen. „In jedem Fall gäbe es eine Lücke von möglicherweise
einigen Monaten, in der keine Zölle erhoben würden“, so der
Ex-Wirtschaftsminister im Gespräch mit taz.
Das unabhängige Steuerforschungsinstitut Tax Foundation erklärte bereits im
November, dass ein Ersetzen der IEEPA-Zölle durch 10-prozentige Zölle auf
Basis eines anderen Gesetzes, wie jetzt eben geschehen, lediglich etwas
mehr als die Hälfte der durch IEEPA generierten Einnahmen wettmachen würde.
Die tatsächlichen Einnahmen könnten sogar noch geringer ausfallen, wenn
Importeure die 150-tägige Frist abwarten, so Tax Foundation.
Im vergangenen Jahr verzeichnete das amerikanische Finanzministerium
Rekordzolleinnahmen von knapp 200 Milliarden Dollar.
## Rückzahlungen?
Eine Frage, die der Supreme Court unbeantwortet ließ, ist, ob die Regierung
den Importeuren die unrechtmäßig gezahlten Abgaben nun rückerstatten muss.
Trump kritisierte die Richter, sich mit diesem Thema nicht beschäftigt zu
haben.
„Hätte man nicht meinen können, dass da wenigstens ein Satz drinsteht, der
besagt: Geld behalten oder nicht? Ich schätze, das wird wohl die nächsten
zwei Jahre vor Gericht verhandelt werden. Wir werden die nächsten fünf
Jahre vor Gericht verbringen“ sagte er während einer Presskonferenz im
Weißen Haus.
Die Demokraten haben dagegen die Entscheidung des Supreme Court als einen
Sieg für das amerikanische Volk bejubelt. „Trumps Zölle haben unsere
Wirtschaft geschwächt, amerikanischen Arbeitnehmern geschadet und es
Familien erschwert, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. […] Die heutige
Entscheidung ist ein wichtiger Schritt zum Schutz von Familien und zur
Wiederherstellung grundlegender wirtschaftlicher Gerechtigkeit“, sagte der
Abgeordnete Brendan Boyle, der im Haushaltsausschuss des
Repräsentantenhauses sitzt.
Am Dienstag wird Trump vor dem versammelten Kongress seine alljährliche
„State of the Union“-Rede halten. Das Thema Zölle wird dabei sicherlich
eine tragende Rolle spielen, da wirtschaftliche Aspekte im Wahlkampf vor
den Kongresswahlen im November im Fokus stehen werden.
21 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Hansjürgen Mai
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