# taz.de -- Rechtsstreit um Mietshaus in Berlin: Linke Vermieter müssen blechen
> Mit 1,7 Millionen Euro wurden die Eigentümer der Oranienstraße 169 bei
> der Sanierung gefördert. Auflagen ignorierten sie. Nun bekommen sie die
> Rechnung.
(IMG) Bild: Die Oranienstraße 169 in Kreuzberg: Die Sanierung wurde aus einem Programm für „besondere wohnungspolitische Projekte“ gefördert
Metin Yilmaz freut sich. „Das war das erste Mal, dass das Land Berlin
Fördermittel zurückhaben wollte, weil sich die Eigentümer nicht an die
Auflagen gehalten haben“, sagt der Fotograf der taz. Seit Donnerstag steht
fest, dass das Land seine Forderung durchgesetzt hat. Mehr als 3,1
Millionen müssen die Eigentümer der Oranienstraße 169 im Stadtteil
Kreuzberg nun blechen.
Yilmaz ist Mieter in dem Haus und wollte eigentlich am Freitag zum Prozess.
Vor dem Verwaltungsgericht in der Moabiter Kirchstraße sollte um 10 Uhr in
Raum 4304 der Fall Land Berlin gegen Oranienstraße 169 GbR verhandelt
werden. Doch die Verhandlung wurde abgesagt. „Die Beteiligten haben
mittlerweile einen Prozessvergleich geschlossen“, teilte das Gericht am
Mittwoch mit. „Damit ist das Verfahren beendet und es findet keine
mündliche Verhandlung statt.“
Ein Vergleich ist es freilich nicht, den die [1][Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung] und die Gesellschaft bürgerlichen Rechts der acht
Eigentümerinnen und Eigentümer geschlossen hat. Eher ist es so, dass die
GbR den Forderungen nachgekommen ist. 3,145 Millionen Euro bekommt das Land
zurück. „Damit werden dem Land Berlin die ursprünglich ausgezahlten
Fördergelder in Höhe von 1.780.793 Euro zuzüglich etwa 1,35 Millionen Euro
Zinsen zurückgeführt“, ließ die Pressestelle der Senatsverwaltung am
Donnerstag wissen.
## Aufgeflogen nach Bericht in der taz
Aufgeflogen war der Subventionsbetrug der Eigentümerinnen, zu denen unter
anderem Brigitte Fehrle, ehemalige Chefredakteurin der Berliner Zeitung
gehört, durch [2][Presseberichte der taz] und des Spiegel Ende 2022. Damals
schlugen die Mieterinnen und Mieter Alarm, weil die Oranienstraße 169
verkauft werden sollte – und zwar nicht an einen gemeinnützigen Käufer,
sondern an einen Investor.
Einen Brief der Mieterinnen und Mieter hatte die GbR damals unbeantwortet
gelassen. „Sie schrieben uns, dass sie nicht mit uns darüber reden
brauchen“, sagte Metin Yilmaz 2022 der taz. Das Haus hatten Fehrle und Co
1991 für umgerechnet 600.000 Euro gekauft. Die Sanierung wurde schließlich
aus einem Programm für „besondere wohnungspolitische Projekte“ gefördert.
Die Fördersumme – 1,7 Millionen Euro – betrug etwa 85 Prozent der gesamten
Sanierungskosten. Allerdings kamen die Eigentümer den geforderten
Gegenleistungen – Vermietung an Bedürftige durch den Bezirk, Eigennutzung
der Wohnungen durch Selbsthelfer oder die Deckelung von Mieten – nie nach.
Offenbar haben weder der Bezirk noch die Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung die Einhaltung der Förderbedingungen kontrolliert.
Als die Verkaufspläne dann publik waren, stellte sich heraus, dass an den
Klingelschildern falsche Namen angebracht waren. Mieterinnen und Mieter
berichteten von irregulären Mietzuschlägen. [3][Im Juli 2025 machte
Bausenator Christian Gaebler (SPD) dann die Rückforderung der Fördersumme
zuzüglich der angefallenen Zinsen geltend].
## Vergleich könnte Verkaufsdruck erhöhen
So sehr sich Metin Yilmaz über das Ergebnis freut, so sehr ist er
gleichzeitig besorgt. Denn der Vergleich, meinte er, könne den
Verkaufsdruck nun für die Eigentümer erhöhen. Bislang hat die Oranienstraße
169 den Besitzer nicht gewechselt. Yilmaz fordert deshalb von
Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) einen neuen
Anlauf für eine Lösung. „Schmidt hat uns 2023 in Aussicht gestellt, dass
die GbR an eine Genossenschaft verkaufen wolle.“
Doch daraus war nichts geworden. Die [4][Genossenschaft „WirWerk“], so
bestätigte damals Mitgründer Andreas Krüger, sei an die Eigentümer
herangetreten. „Doch die GbR hat sich nicht mehr bei uns gemeldet“, sagte
Krüger der taz. Bereits 2022 hatten die Vermieter mitteilen lasen, dass man
nicht an eine Genossenschaft verkaufen könne, „ohne dass alle Eigentümer
zustimmen“.
Zufrieden dagegen zeigte sich Bausenator Gaebler. „Es ist gelungen, die
Rückführung der vollständigen Fördersumme zuzüglich eines erheblichen
Zinsbetrages dauerhaft und zeitnah zugunsten des Landes sicherzustellen“,
teilte seine Verwaltung mit. „Zudem wird mit diesem Verfahren ein klares
Zeichen gesetzt, dass das Land Berlin Verstöße gegen Förderbestimmungen
nicht toleriert und die Rückforderung der öffentlichen Mittel konsequent
durchsetzt.“
19 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.berlin.de/sen/sbw/
(DIR) [2] /Verdraengung-in-Berlin-Kreuzberg/!5889000
(DIR) [3] /Senat-fordert-Geld-in-Kreuzberg-zurueck/!6099092
(DIR) [4] https://wir-werk.org/
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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