# taz.de -- Mahnwache nach Femizid in Hamburg: Netzwerk protestiert gegen Verharmlosung als Ausnahmefall
       
       > Das Anti-Feminizid-Netzwerk gedenkt Asal Z., die von einem Mann in den
       > Tod gerissen wurde. Sie protestieren gegen die Verharmlosung als
       > Ausnahmefall.
       
 (IMG) Bild: An Femizide erinnern: Etwa 30 Menschen kommen zur Mahnwache am U-Bahnhof Hamburg-Wandsbek, wo Asal Z. getötet wurde
       
       Orangefarbene Zettel liegen auf dem Boden im Schnee. Sie sind umringt von
       Kerzen, Schuhen und Blumen. Auf jedem Zettel ein [1][Feminizid]. „Wir
       stehen heute hier, weil zwei Menschen tot sind“, beginnt eine der drei
       Sprecher*innen des Anti-Feminizid-Netzwerks, das zu einer Kundgebung
       aufgerufen hat, ihre Rede. „[2][Was hier in Wandsbek am 29. Januar
       geschehen ist], war kein Zufall. Ein Akt tödlicher Gewalt gegen eine Frau,
       begangen von einem Mann, der sich das Recht nahm, über ihr Leben zu
       verfügen.“
       
       Die 18-jährige Asal Z. wartete gegen 22 Uhr an der Hamburger U-Bahn-Station
       Wandsbeker Markt, als Ariop A. sie mit auf die Gleise vor einen
       einfahrenden Zug zog. Beide starben am Tatort.
       
       An diesem Mittwochabend sind etwa 30 Menschen zu der Kundgebung gekommen
       und haben sich vor dem Eingang der U-Bahn-Station Wandsbeker Markt
       versammelt. Es ist kalt und dunkel. Eigentlich ist hier um die
       Feierabendzeit viel Getümmel, doch heute ist es ruhiger. Die U-Bahnen
       werden bestreikt.
       
       „Es ist einfach traurig und gleichzeitig so frustrierend. Es gibt eine
       ganze Menge an Emotionen, die da so in mir sind“, sagt eine Hamburger
       Studentin. Eine andere Frau hat ein selbstgemaltes Schild dabei. „Fuck Your
       Patriarchy“ hat sie draufgeschrieben. Sie erzählt, dass vor zwei Jahren
       eine Bekannte von ihrem Ex-Freund erstochen wurde. Seitdem sei es ihr umso
       mehr ein Anliegen, auf die [3][Häufigkeit von Feminiziden] aufmerksam zu
       machen. Darum ist sie heute zur Kundgebung gekommen.
       
       Das Anti-Feminizid-Netzwerk trifft sich nach jedem Feminizid, in
       Hamburg-Altona am Alma-Wartenberg-Platz, den das Netzwerk ihren
       Widerstandsplatz gegen Feminizide nennt. Sie protestieren gegen die
       Verharmlosung als Ausnahmefall und fordern Aufarbeitung. Dieses Mal haben
       sie sich entschieden, in Wandsbek, in unmittelbarer Nähe zum Tatort,
       zusammenzukommen.
       
       Asal Z. war nicht sicher 
       
       Asal war mit ihrer Familie vor drei Jahren aus dem Iran geflohen und nach
       Deutschland gekommen. Hier angekommen, musste sie erneut fliehen, aber
       diesmal vor einem gewalttätigen Familienmitglied. Ihre Mutter, ihr kleiner
       Bruder und sie kamen in einem Frauenhaus unter. Asal hatte mit ihrer
       Familie also endlich ein sichereres Umfeld gefunden. Aber am U-Bahn-Gleis
       war sie nicht sicher.
       
       Während die drei Sprecher*innen des Netzwerkes nacheinander ans Mikro
       treten, bleiben immer wieder Menschen stehen, hören zu oder schauen sich
       die orangefarbenen Zettel auf dem Boden an. Es sind fast ausschließlich
       Frauen. „Ich freu’ mich dann über jeden einzelnen, was ja auch schon wieder
       merkwürdig ist“, sagt eine junge Frau, die mit ihrer Freundin stehen bleibt
       und zuhört.
       
       Resultat von patriarchalen Strukturen 
       
       Die Sprecher*innen des Anti-Feminizid-Netzwerks betonen: Asals Mord sei
       kein Resultat von Herkunft gewesen. Er sei das Resultat von patriarchalen
       Strukturen, in denen Männer mit dem Anspruch aufwachsen, über das Leben und
       den Körper von Frauen verfügen zu können. „Der Täter wollte Suizid begehen
       und hat dann, als letzten Akt der Kontrolle, eine Frau mit sich gezogen,
       die ihm vermutlich körperlich unterlegen war“, beendet die erste Sprecherin
       ihre Rede. Zustimmendes Klatschen.
       
       „Es ist doch egal, woher der Täter kam, wichtig ist festzustellen, dass es
       mal wieder ein Mann war, der eine Frau getötet hat“, sagt eine Frau. Für
       das Anti-Feminizid-Netzwerk und die Teilnehmenden der Kundgebung ist klar:
       Der Mord an Asal Z. war kein Zufall. [4][Aber nicht, weil der Täter
       Geflüchteter war], sondern weil er ein Mann war.
       
       Nach 20 Minuten sind die drei Reden beendet und unter lautem Applaus lädt
       die letzte Rednerin noch alle dazu ein, zu bleiben und miteinander ins
       Gespräch zu kommen. Leise Musik läuft. Aber es ist kalt, die Menschen sind
       durchgefroren und schnell leert sich der Bahnhofsplatz.
       
       19 Feb 2026
       
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