# taz.de -- Der Hype um den Taxiteller: Das bockt halt
> Einst war der Teller mit Gyros, Currywurst, Pommes und Tsatsiki ein
> beliebtes Imbissessen für Taxifahrer im Ruhrpott. Jetzt geht er viral.
> Wieso?
(IMG) Bild: Mit Zwiebeln und Tzatziki bitte!
In der Styroporbox, die vorn auf der [1][Imbisstheke liegt], badet schon
ein Klecks Tsatsiki, als erster Teil des bestellten Taxitellers. Von den
drei kreisenden Gyros-Spießen, hinten im Raum, schabt ein schweißglänzender
Mann Fleischlappen. Dann zangt er eine Rostbratwurst vom Grill und schiebt
sie durch eine Zerteilmaschine. In der Box platziert, lässt er eine Kelle
dampfender Currysoße auf den Wurststücken zerlaufen und rappelt eine
Portion Pommes dazu. Das Behältnis schiebt er die Theke entlang, zu einer
Kollegin, die einen großen Schluck Mayo auf die Mischung kleckst; ein paar
feingeschnittene Zwiebeln drapiert sie noch obendrauf, dann ist die Box
voll und der Taxiteller fertig.
„Dreimal für Patrick“, ruft sie.
„Jo, hier“, antwortet Patrick.
Der Taxiteller erlebt einen Hype. In den sozialen Netzwerken feiern
Meme-Seiten und Influencer den Ruhrpott-Klassiker, in den nach Fett
riechenden Imbissen steht das Gericht auf immer mehr Speisekarten. Zuletzt
erweiterte sogar ein Lokal in Zürich sein Angebot um den Taxiteller. Genau
wie vor ein paar Wochen der Fleischermeister Grill in Porta Westfalica.
## Wenn der Bürgermeister kommt
In Porta Westfalica – dem Tor Westfalens, an der Grenze von
Nordrhein-Westfalen zu Niedersachsen – ist der Fleischermeister Grill eine
Institution. Hier gibt es Ćevapčići, Pita, Pommes und neuerdings eben auch
Taxiteller.
Es ist Montagmittag, der Himmel blau, die Luft klar, und im seichten Wind
baumelt am unterstelzten Imbiss-Vordach ein Ankündigungsplakat: Der
Bürgermeister und der Internationale Außenminister vom Ruhrpott kommen
heute zu Besuch.
Der Bürgermeister heißt Ryko. Er ist Comedian und das Gesicht des
Taxiteller-Hypes. Die Haare trägt Ryko vorne kurz und hinten lang, dazu
eine blauglasige Brille und ein Feinrippunterhemd, darüber eine
Trainingsjacke.
Der Internationale Außenminister heißt Jan Schlappen, ist Parkour-Athlet
und trägt ebenfalls Vokuhila, dazu an diesem Tag ein Sportshirt mit
Currywurst-Aufdruck. Den beiden Ruhrpott-Botschaftern folgen auf Instagram
zusammen rund 600.000 Menschen.
Seit einigen Monaten zeigen die beiden ihren Followern, wie sie Taxiteller
essen und bewerten. Nun sind sie zum Testessen nach Porta Westfalica
gekommen – und damit so weit wie nie über den Taxiteller-Äquator, also die
Grenzen des Ruhrgebiets, hinaus.
## Das Testessen
Der Hype um den Taxiteller, das aufwändige Testessen: „Grundsätzlich ist
das im Kern ja total bescheuert“, sagt Ryko, als er und Schlappen den
Imbissinhaber begrüßen. „Aber das bockt halt.“
Mit dieser Einstellung ist er offensichtlich nicht allein, rund 100
Menschen sind für das Testessen zum Fleischermeister Grill gekommen.
Altersdurchmischt besetzen sie die eigens für das Event aufgestellten
Bierzeltgarnituren und essen Taxiteller, trinken meistens Cola dazu,
manchmal Bier. Es ist immerhin ein Wochentag.
Drei Jungs lehnen kauend um einen Stehtisch. Zwei Monate haben sie gesucht,
erzählen sie, sich extra freigenommen und jetzt ist er vor ihnen: ihr
erster Taxiteller.
„Nicht schlecht“, urteilt der Kleinste nach den ersten Bissen.
„Ahnt ihr die Zwiebeln?“, fragt der Mittelgroße, was der Kleine bejaht und
der Große verneint.
„Aber ich habe bisher auch nur Pommes gegessen“, sagt der Große.
Darauf der Mittelgroße: „Die Zwiebel liegt ein bisschen im Weg im Maul,
finde ich.“
## „Erhebliches Wachstumspotenzial“
Der Lieferdienst Lieferando hat in Nordrhein-Westfalen, der Hochburg des
Taxitellers, von 2024 auf 2025 einen 200-prozentigen Anstieg an
Bestellungen verzeichnet. Den zweitdeutlichsten Anstieg misst er in
Niedersachsen, mit 167 Prozent. Außerdem sieht Lieferando ein „erhebliches
Wachstumspotenzial“ für den Taxiteller, wegen seiner Variabilität. Es gibt
ihn klassisch mit Gyros und Currywurst, aber auch mit Schaschlik, Schnitzel
oder immer häufiger vegetarischen und veganen Zutaten.
„Ich hab nich gefrühstückt extra“, sagt Ryko, als der Imbisschef zwei volle
Teller vor den Comedian und den Parkour-Athleten stellt. „Dat sieht auch
einfach schön aus“, ergänzt Schlappen. „Könnteste auffe Fashionweek
schicken.“
14:08 Uhr, der erste Biss. Fachkundig gabeln sie ein Stück Wurst auf, dann
Gyros, obendrauf Pommes und Zwiebeln, ehe die Mischung einen großzügigen
Wisch durch die Soßenvielfalt später in ihren Mündern landet. „Porta, ihr
könnt es!“, ruft Schlappen, kaum hat er runtergeschluckt. Beim Thekenteam
bricht Jubel aus.
Um 14:25 Uhr haben Ryko und Schlappen aufgegessen. Zur Punktevergabe treten
sie vor die Imbiss-Tür. Beide geben neun von zehn Punkten – Luft nach oben
ist ja immer.
## Keine Feier des toten Tieres
Es bleibt die Frage: Wieso ist ausgerechnet ein Teller voll Fleisch und
Kalorien in einer Zeit zunehmend vegan-vegetarischer Angebote [2][und
Longevity-Ratgebern im Trend?]
Eine Feier toten Tiers ist es wohl nicht, denn auch Videos veganer Rezepte
des Taxitellers drehen in den sozialen Netzen weite Kreise.
Ryko hat drei andere Ideen. Erstens, dass es eine Rückbesinnung auf die
gute alte Imbisskultur ist, auf einfache Gerichte, keine Bowls mit zig
Topping-Entscheidungen. Der Taxiteller: ein simples „Ja“. Zweitens sieht er
auch sich selbst als Beschleuniger, als Influencer, der seinen Followern
etwas zeigt, was diese nachmachen. Und drittens ist der Teller witzig.
Der Legende nach ist der Taxiteller das Produkt einer Notlage. Einst
[3][sei ein Taxifahrer kurz vor Ladenschluss in einen Imbiss getreten,] um
einen anständigen Gyrosteller zu verspeisen. Weil der Gyrosspieß aber schon
fast niedergeschabt war, musste der Imbissbetreiber improvisieren – und
legte eine Portion Currywurst dazu.
Ryko kennt das Gericht seit seiner Kindheit. Zum einen sei es „der Himmel
auf Erden“ und nicht weniger als ein „kulinarisches Wunder“, zum anderen
ein „Wegbegleiter“, den es nach dem Fußballtraining als Belohnung gab. Für
die Leute aus seiner Gegend sei der Taxiteller ohnehin eine „natürliche
Sache“.
Auch an anderen Orten, wie zum Beispiel in Porta Westfalica, könnte der
Taxiteller bald zur natürlichen Sache werden, vermutet Ryko, und der Hype
damit enden. „So ein, zwei Monate gebe ich dem aber noch.“ Um einen veganen
Taxiteller zu probieren, sollte die Zeit noch reichen – das hat Ryko
nämlich auch bald vor.
19 Feb 2026
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## AUTOREN
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