# taz.de -- Kosovos Unabhängigkeit: Auf Trump-Kurs
       
       > Kosovo wird seit der Loslösung von Serbien dem Westen zugerechnet. Jetzt
       > orientiert sich das kleine Land neu – und könnte sich vom Westen
       > abwenden.
       
 (IMG) Bild: Pristina, Kosovo, am Unabhängigkeitstag 2026: Ahänger des ehemaligen Präsidenten Hashim Thaci demonstrieren ihre Unterstützung
       
       Am 17. Februar 2008 war so eiskalt wie heute überall im östlichen Europa,
       als damals die Unabhängigkeit Kosovo ausgerufen wurde. Die Leute strömten
       trotz der beißenden Kälte ins Zentrum der Stadt Pristina, um dem damals
       amtierenden Premierminister Hashim Thaci zuzujubeln – unter dem Bild des
       kurz zuvor verstorbenen Staatsgründers Ibrahim Rugova. Beide Männer haben
       Kosovo von Serbien unabhängig gemacht.
       
       Doch die beiden gehören zur Vergangenheit. Die heutige Präsidentin Vjosa
       Osmani wurde 1982 geboren, ist eine Liberale und kennt jene Zeit vor 20
       Jahren noch gut, als Wirtschaft und Gesellschaft nach dem Krieg total am
       Boden lagen. Heute hat sich das Land weitgehend erholt. In der vergangenen
       Woche wurde der [1][51-jährige Albin Kurti zum Premierminister
       wiedergewählt] – und mit ihm die seit 2021 regierende Koalition, die als
       modern, sozial und demokratisch gilt. Dagegen muss sich Kurtis
       [2][Vorgänger Thaci vor dem UN-Tribunal in Den Haag] verantworten.
       
       Kosovo wird nicht nur wegen der demokratischen Entwicklung dem Westen
       zugerechnet, sondern auch wegen der bisherigen strategischen Interessen
       insbesondere der USA und der EU. Kosovo ist nach wie vor
       Kristallisationspunkt von Konflikten. Zwar haben 100 Staaten Kosovo
       diplomatisch anerkannt. Aus unterschiedlichen Gründen haben fünf
       EU-Mitglieder Kosovo nicht anerkannt: Spanien, Griechenland, Zypern,
       Slowakei, Rumänien. Serbien natürlich ebenfalls nicht, für das Land ist die
       ehemalige autonome Provinz Kosovo nach wie vor Teil ihres Staatsgebietes.
       Und so nimmt sich [3][Belgrad heraus, Kosovo sogar militärisch zu
       bedrängen] – und kann mit politischer und militärischer Hilfe durch
       Russland und China rechnen. Bislang aber konnte sich Kosovo auf die
       Unterstützung durch USA und die Nato verlassen.
       
       Heute sind angesichts der Politik Trumps und Putins bisherige Gewissheiten
       unwägbar geworden. Weil Kosovo sich auf das Europa der EU nicht völlig
       verlassen kann, ist es verständlich, dass Kosovos Präsidentin Osmani das
       Land in die neue Trump-Internationale führen will – gegen Widerstände in
       ihrer eigenen Regierung.
       
       17 Feb 2026
       
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