# taz.de -- Parlamentswahlen im Kosovo: Regierungspartei von Albin Kurti erzielt deutlichen Wahlsieg
       
       > Die Menschen im Kosovo vertrauen der Regierung Albin Kurti. Endet in dem
       > kleinen Balkanstaat jetzt nach fast einem Jahr die politische
       > Pattsituation?
       
 (IMG) Bild: Der amtierende Premierminister des Kosovo und Vorsitzende der Partei LVV, Albin Kurti (Mitte), begrüßt Anhänger in Pristina, Kosovo, am 28. 12. 2025
       
       Zwar hatten Umfragen schon eine klare Tendenz gezeigt, doch das Ergebnis
       der Wahlen im Kosovo überrascht dann doch. Die Regierungskoalition unter
       Führung der Partei Vetëvendosje (Selbstbestimmung, VV) hat mit deutlichem
       Vorsprung die Parlamentswahl am Sonntag gewonnen. Wie die staatliche
       Wahlbehörde in der Nacht zu Montag bekanntgab, holte die Regierung von
       Ministerpräsident Albin Kurti nach vorläufigem Ergebnis fast 50 Prozent der
       Stimmen. Aber der Stimmenanteil der Koalition könnte noch höher liegen.
       
       Noch sind nämlich nicht alle Stimme ausgezählt, denn vor allem die der im
       Ausland lebenden Kosovar*innen fehlen noch. Da Albin Kurti und seine
       Koalition mit der Außenministerin und Vorsitzenden der Guxo-Partei, Donika
       Gërvalla-Schwarz, gerade bei diesen Menschen große Sympathien genießen, ist
       mit einem noch deutlicheren Stimmenzuwachs zu rechnen.
       
       Damit wächst die Hoffnung, dass das Land der politischen Pattsituation
       entkommt, in der es seit fast einem Jahr festhängt. Die Regierung braucht
       für die absolute Mehrheit 61 Sitze im 120-köpfigen Parlament. 20 der Sitze
       sind den Minderheiten vorbehalten, je 10 für die Serben und 10 für Roma,
       Bosniaken und andere. So ist sie wahrscheinlich auf die Mithilfe der
       Minderheiten angewiesen.
       
       ## Zweite Wahl in diesem Jahr
       
       Bereits im Februar waren an die zwei Millionen Kosovar*innen
       aufgerufen, eine neue Regierung zu wählen. [1][Zwar hatte Kurtis Koalition
       mit 42 Prozent der Stimmen damals ebenfalls gesiegt], konnte jedoch in den
       Monaten danach keine Koalition bilden, hätte er doch entweder die
       Demokratische Liga LDK oder die Demokratische Partei Kosova PDK gewinnen
       müssen.
       
       Nach dem Wahlsieg der Koalition werden wohl auch endlich die EU und die USA
       beeindruckt sein. Denn die Regierung hat auch wirtschaftlich Erfolg. Sie
       kann mit Zuwachsraten von 4 bis 6 Prozent in den letzten Jahren
       auftrumpfen. Mit Investitionen in das Schulsystem, das Gesundheitswesen und
       mit Rentenerhöhungen stärkte sie zudem eine Sozialpolitik, die sich in der
       Region sehen lassen kann.
       
       Kurti zeigte auf, dass eine soziale Politik nicht Investitionen und
       wirtschaftlichen Fortschritt bremsen muss, sondern im Gegenteil zu mehr
       Stabilität und Prosperität führen kann. So ist es kein Wunder, dass die
       ehemaligen Regierungsparteien PDK jetzt nur 21 Prozent und die LDK nur 14
       Prozent der Stimmen erringen konnten. Die ohnehin im Abseits befindliche
       Partei AAK von Ramush Haradinaj hat nur im Westkosovo noch einige Anhänger.
       
       ## Kritik aus Europäischer Union und den USA
       
       Kritiker aus der EU werfen dem Regierungschef Albin Kurti gleichwohl
       fehlende Kompromissbereitschaft vor. Sie beziehen sich dabei auf den
       Umstand, dass Kurti die weitere ethnische Teilung des Landes verhindert und
       den Forderungen Belgrads nach einem serbischen Teilstaat im Kosovo
       entgegentritt. Die EU und die USA haben in den vergangenen Monaten immer
       wieder versucht, die Regierung in dieser Frage unter Druck zu setzen.
       Kosovo solle klein beigeben. Beide Seiten glauben, ein Nachgeben gegenüber
       Serbien würde zu mehr Stabilität in der gesamten Region führen.
       
       Das sieht Kurti anders. Er wolle aber künftig stärker mit der Opposition
       zusammenarbeiten, da etliche Entscheidungen über die Justiz oder die
       Wirtschaft eine Zweidrittelmehrheit erforderten. Die bisherige Blockade der
       Oppositionsparteien müsse für die Zukunft des Landes aufgelöst werden.
       
       Mit der politischen Blockade der Opposition und [2][dem Druck der EU und
       USA] sind dem Land wichtige Entwicklungsgelder entgangen. Dazu zählen 880
       Millionen Euro aus dem EU-Wachstumsplan für den Westbalkan und 120
       Millionen Euro von der Weltbank. Kurti betonte in dem Zusammenhang: „Vor
       uns liegt viel Arbeit. Wir müssen ohne Verzögerung voranschreiten.“
       
       29 Dec 2025
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Erich Rathfelder
       
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