# taz.de -- Kosovo: Nach der Wahl ist vor der Wahl
       
       > Die Menschen in dem Balkanstaat müssen erneut an die Urne treten. Mit dem
       > Rücktritt der Präsidentin wurde auch die Regierung gestürzt.
       
 (IMG) Bild: Albin Kurti gilt als Reformer
       
       Eigentlich schwelte der Konflikt zwischen der Präsidentin Kosovos, Vjosa
       Osmani, und dem Ministerpräsidenten Albin Kurti, schon länger. Doch erst
       jetzt ist er offen ausgebrochen. Mit ihrem Rücktritt als Präsidentin hat
       sie auch die Regierung des amtierenden Ministerpräsidenten Albin Kurti und
       seines Kabinetts gestürzt. Und das nach dem überzeugenden Wahlsieg des
       Bündnisses aus Kurtis Partei Vetevendosje und verschiedenen politischen
       Strömungen. Das [1][Bündnis hatte mehr als 50 Prozent der Stimmen erreicht
       und mit den Stimmen von ethnischen Minderheiten fast eine
       Zwei-Drittel-Mehrheit].
       
       Osmani hat das Parlament aufgelöst, nachdem es keine Einigung über einen
       neuen Präsidenten gab. Dazu wären mehr als zwei Drittel der Stimmen im
       Parlament notwendig gewesen. Wenn das Parlament innerhalb der Frist kein
       Staatsoberhaupt wählt, müssen Neuwahlen stattfinden. Das wusste sie, aber
       sie wollte noch ein weiteres Zeichen setzen. Die Popularität von Kurtis
       Reformpolitik war zu übermächtig geworden. Osmani wollte als eigenständige
       und verantwortungsbewusste Präsidentin in Erinnerung bleiben.
       
       [2][Seit dem Unabhängigkeitskrieg ist Kosovo eng an die USA gebunden.] Ohne
       die Hilfe der USA wäre Kosovo immer noch ein Teil Serbiens und seines
       Unterdrückungsapparats. Gelänge es ihr, den wankelmütigen Trump
       längerfristig auf ihre Seite zu ziehen, wäre sie eine kosovarische Heldin.
       Denn der Linke Albin Kurti würde wohl kaum einen Draht zu Trump finden. Und
       das nicht nur, weil er in seiner Diplomatie linkisch ist, sondern weil ihm
       das Gehabe des Amerikaners sichtlich zuwider ist.
       
       Immerhin kam ihr entgegen, dass sie auf der Gründungsversammlung von
       [3][Trumps „Friedensrat“] als einziger Lichtblick unter all den grauen
       Anzügen hervorstach. Aber hat das der machtbewussten Kosovarin die erhoffte
       Rückendeckung gebracht? Jetzt, nach dem Angriff Trumps auf Iran, ist ein
       Schuh daraus geworden.
       
       7 Mar 2026
       
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