# taz.de -- Wahlergebnisse in Kosovo: Klare Mehrheit für den Linken
       
       > Er war schon als Student im Widerstand gegen die serbische Besatzung.
       > Jetzt wurde Albin Kurti als Ministerpräsident wiedergewählt.
       
 (IMG) Bild: Umjubelt: der alte und neue Ministerpräsident Kosovos Albin Kurti
       
       Es sind kaum ein paar Monate vergangen, da besuchte [1][Albin Kurti]
       Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Der Premierminister
       Kosovos erhielt von den Politikern und Publizisten, den Antifaschisten und
       den Bauarbeitern, von Frauen und Männern, die zufällig in dem Gebäude zu
       tun hatten, tosenden Beifall. Kurti hat Charisma und ist glaubwürdig. Das
       spürten damals die Menschen im Saal, und das zeigten sie am Sonntag, als
       das Kosovo Kurti wiederwählte, mit 50 Prozent der Stimmen.
       
       Jeder im Raum in Sarajevo wusste, dass Albin Kurti schon als Student in
       Prishtina, der Hauptstadt des Kosovo, mit friedlichen Mitteln im
       [2][Widerstand gegen die serbische Besatzung] stand, dass er seit 1998 in
       serbischen Gefängnissen saß, dass er schließlich im Jahr 2000 nach dem
       Kosovokrieg in seine Heimat zurückkehren konnte. Die Serben wollten bis vor
       Kurzem jeglichen Kontakt zwischen der bosnischen und der kosovarischen
       Gesellschaft unterbinden. Beide Gesellschaften litten während der
       [3][Jugoslawienkriege 1991 bis 2001] am meisten unter den Angriffen der
       serbischen Soldateska, Millionen wurden damals vertrieben und Zehntausende
       umgebracht. Dieses Schicksal verbindet.
       
       Ebenso die Erkenntnis, dass ethnisch definierte Gesellschaften nur zu
       weiteren Konflikten führen. Bosnien wurde vor 30 Jahren mithilfe der
       Russen, der USA und auch Europas in ethnisch definierte Gebiete aufgeteilt,
       das will Kurti in Kosovo um jeden Preis vermeiden. Er tritt für eine
       multiethnische Gesellschaft ein, steht somit hinter der von der UN
       durchgesetzten Verfassung. Die Rechte der Minderheiten sind gewahrt, wie
       die Enklave Gračanica und andere zeigen. Serbien aber will die ethnische
       Aufteilung in Kosovo erzwingen und provoziert so ständig Konflikte, die
       Kurti angelastet werden.
       
       Aber die Menschen in Kosovo vertrauen ihm und seiner Regierung, Kurti ist
       kein „linker Nationalist“. Wen wundert es, dass viele Menschen in ganz
       Südosteuropa sich Persönlichkeiten wie Kurti als Politiker in ihren eigenen
       Ländern wünschen.
       
       29 Dec 2025
       
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