# taz.de -- Europa der zwei Geschwindigkeiten: Sechs Länder wollen schneller eine Kapitalmarktunion
       
       > Deutschland, Frankreich, Polen, Italien, Niederlande und Spanien wollen
       > gemeinsame Regeln für die Börsen und Finanzmärkte der gesamten EU
       > entwickeln.
       
 (IMG) Bild: Müde gehandelt: Trader in der Madrider Börse, 2015
       
       Das „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ nimmt Gestalt an. Eine kleine,
       schnelle Ländergruppe, die andere mitzieht, soll jetzt bei der
       Kapitalmarktunion ausprobiert werden. Dies sagte Bundesfinanzminister Lars
       Klingbeil (SPD) nach einer Ratstagung mit seinen EU-Amtskollegen in
       Brüssel.
       
       „Wir wollen die Tempomacher sein“, erklärte Klingbeil zu einem Treffen im
       sogenannten E6-Format. Darin arbeiten Deutschland, Frankreich, Polen,
       Italien, Niederlande und Spanien an gemeinsamen Lösungen. „Wir wollen am
       Ende Lösungen für ganz Europa, immer mit dem Ziel, Europas Souveränität zu
       stärken“, betonte Klingbeil.
       
       Die neue Vorreitergruppe ist umstritten, denn EU-Gründerstaaten wie Belgien
       sind nicht dabei. Dafür darf Polen mitmachen, obwohl es nicht einmal den
       Euro eingeführt hat. Allerdings ist auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula
       von der Leyen der Idee einer „Avantgarde“ nicht abgeneigt.
       
       Gehe es beim Binnenmarkt und der Kapitalmarktunion nicht endlich voran,
       müsse man über die Zusammenarbeit in kleineren Gruppen Gleichgesinnter
       nachdenken, kündigte sie nach dem EU-Sondergipfel zur Wettbewerbsfähigkeit
       vergangene Woche im limburgischen Alden Biesen an.
       
       Klingbeil ist schon weiter. Zunächst gehe es um die Kapitalmarktunion.
       [1][Europa solle „ein sicherer Hafen“ für Kapitalanlagen aus der ganzen
       Welt werden.] Es gehe unter anderem um eine Reform der privaten
       Altersversorgung und um eine Stärkung der finanziellen Bildung – etwa,
       damit die Bürger mehr Aktien kaufen.
       
       ## Mit USA und China mithalten
       
       [2][Die EU arbeitet seit Jahren daran, die national geprägten
       Kapitalmärkte, Börsen und Banken zusammenzuführen.] Sie verspricht sich
       davon, europaweit mehr Geld einzusammeln, um bessere
       Finanzierungsbedingungen für europäische Unternehmen zu schaffen. Nur so
       könne man mit großen „Playern“ wie den USA oder China mithalten. Allerdings
       hatte die EU bisher kaum Erfolg.
       
       Fraglich, ob es mit den „E6“ nun schneller vorangeht. Nach seinem zweiten
       Treffen im neuen Tempomacher-Klub konnte Klingbeil noch keinen Durchbruch
       verkünden. Trotzdem ist das nächste Treffen schon geplant und soll Anfang
       März stattfinden.
       
       Ein Thema steht offenbar auch schon fest. „Dort wird der Fokus ‌darauf
       liegen, wie die internationale Rolle ‌des Euro gestärkt und die
       Investitionen in Verteidigung effizienter gestaltet werden können“,
       kündigte Klingbeil an.
       
       17 Feb 2026
       
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