# taz.de -- Neubewertung der Kernfusion: Die Hype-Technologie soll besser untersucht werden
       
       > Die Kernfusion verspricht viel, leistet aber keinen Beitrag zur
       > Energiewende. Deshalb sollte die Förderung neu ausgerichtet werden,
       > fordert das DIW.
       
 (IMG) Bild: Der Forschungsreaktor in Garching
       
       Erneuerbare als „Übergangstechnologie“, dann macht die Kernfusion alle
       anderen Stromerzeugungsmethoden überflüssig: [1][So sieht es zumindest
       Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)]. Laut Koalitionsvertrag soll der erste
       Fusionsreaktor der Welt in Deutschland stehen. Dafür macht die
       Bundesregierung in den kommenden drei Jahren 2,7 Milliarden Euro
       Forschungsförderung locker.
       
       Allerdings witzelt die Fachwelt über die „[2][Fusionskonstante]“, laut der
       der Durchbruch in der Fusionsforschung stets etwa 30 Jahre in der Zukunft
       liegt. Weil die ewig gehypte Technologie auf absehbare Zeit keinen Beitrag
       zur Energiewende leistet, sollte ihre Förderung einem jährlichen Monitoring
       unterzogen werden. Das ist das Ergebnis einer [3][Untersuchung] des
       Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
       
       „Die Kernfusion wird seit Jahrzehnten für ‚in einigen Jahren‘ angekündigt,
       liefert aber absehbar keinen Beitrag zur Energieversorgung oder zur
       Energiewende“, sagte Mitautorin Claudia Kemfert, die die Energieabteilung
       am DIW leitet, bei einer Veranstaltung des Instituts am Dienstag in Berlin.
       Inzwischen gibt es sogar einen Wettlauf der Bundesländer, wo der Reaktor
       stehen soll. Ganz vorne wähnt sich Bayern.
       
       Angesichts begrenzter Mittel sollte die Forschungsförderung „andere
       Prioritäten setzen, etwa bei Energiespeichern, die für die Energiewende
       jetzt entscheidend sind“, betonte Kemfert. Die Kernfusion erhalte seit
       Jahrzehnten die höchste Bundesförderung innerhalb des Energiesektors, mit
       großem Abstand vor fossilen Energieträgern, Erneuerbaren oder
       Energieeffizienzmaßnahmen. Viel zu viel im Vergleich zum mageren Ergebnis,
       findet Kemfert offensichtlich – formulierte dies bei der DIW-Veranstaltung
       aber natürlich nicht.
       
       Trotz der Kritik: Weil sie quasi unbegrenzt und weitgehend ungefährlich
       Energie zum Beispiel für Rechenzentren und künstliche Intelligenz zu
       günstigen Preisen verspricht, sind zuletzt verstärkt private Investoren in
       die Fusionstechnologie eingestiegen. Besonders interessant macht der
       Bereich für sie auch die neue Geopolitik: Die Kernfusion verspricht nämlich
       außerdem eine weitgehende Energiesicherheit auch in turbulenten Zeiten.
       
       ## Trump-Firma will erstes Fusionskraftwerk bauen
       
       Höhepunkt des Hypes ist bis jetzt der im Dezember angekündigte
       Zusammenschluss des von US-Präsident Donald Trump gegründeten
       Medienunternehmens TMTG mit der Kernfusionsfirma TAE aus Kalifornien. Der
       „Deal“ wird mit sechs Milliarden US-Dollar bewertet. Die Trump-Firma
       kündigte ebenfalls an, das erste Fusionskraftwerk der Welt bauen zu wollen.
       
       Falscher Ansatz, falsches Ziel meint das DIW. Zwar gebe es inzwischen
       weltweit 80 „New Ventures“ genannte Firmen, die in dem Bereich forschen.
       Diese entwickelten aber inzwischen vor allem relativ marktnahe
       Nischenlösungen abseits eines Fusionskraftwerks. Projekte wie der
       französische Versuchsreaktor Iter oder die Experimentieranlage Wendelstein
       7-X in Greifswald bewegten sich dagegen noch im Bereich der
       Grundlagenforschung – und haben noch keinen Strom erzeugt. Viele Fragen wie
       die Gewinnung des für den Betrieb der Fusionskraftwerke unabdingbaren
       „Treibstoffs“ Tritium seien zudem ungeklärt. „Die Kernfusion kann zu spät
       kommen: 2040 oder 2050“, meint Kemfert. „Dann sind wir schon so weit mit
       der Energiewende, dass sie keine Rolle mehr spielt.“
       
       Dann will Deutschland bereits seinen Strom komplett aus Erneuerbaren
       gewinnen. Dennoch, so das DIW, solle man die Fusions-Start-ups weiter mit
       Forschungsförderung päppeln. Viele hätten bereits Produkte abseits der
       Energiegewinnung in der Pipeline, „etwa in den Bereichen Magnet-, Laser-
       oder Materialtechnologien“.
       
       Diese wiesen „bereits heute höhere technologische Reifegrade sowie klar
       identifizierbare industrielle Anwendungsfelder auf“, heißt es in der
       DIW-Studie. Die öffentliche Förderung dieser Bereiche sollte deshalb
       künftig „unabhängig von energetischen Nutzungspotenzialen erfolgen“. Oder
       aber abhängig davon, wie viel ihr Forschungsgegenstand zur Energiegewinnung
       beitrage.
       
       17 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nordsee-Gipfel-in-Hamburg/!6148631
 (DIR) [2] https://www.energiezukunft.eu/politik/der-traum-von-der-sauberen-atomenergie
 (DIR) [3] https://www.diw.de/de/diw_01.c.999925.de/publikationen/wochenberichte/2026_08_1/kernfusionsforschung_verschiebt_schwerpunkt__kommerzielle_nischenprodukte_statt_energieversprechen.html
       
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 (DIR) Kai Schöneberg
       
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