# taz.de -- Bildung einer nationalen Gasreserve: Nicht genug Kapazitäten in Deutschland
       
       > Für eine echte Gasreserve reichen die Speicher hierzulande nicht.
       > Ex-Staatssekretär Patrick Graichen fordert, Lagerstätten in der Ukraine
       > zu nutzen.
       
 (IMG) Bild: Größter deutscher Erdgasspeicher Rehden in Niedersachsen: laut Initiative Energien Speichern aktuell nur noch zu 6,4 Prozent gefüllt
       
       Angesichts der sich leerenden deutschen Gasspeicher nimmt die Diskussion
       [1][um eine nationale Gasreserve Fahrt auf.] Allerdings gibt es in
       Deutschland nicht genug Lagerkapazitäten, um Vorräte nach dem Vorbild der
       nationalen Ölreserve zu bilden. Darauf weist der Energieexperte und
       ehemalige Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Graichen hin. Das Problem ist
       seiner Auffassung nach lösbar: durch die Lagerung von deutschem Gas in der
       Ukraine.
       
       Die Füllstände in den deutschen Gasspeichern sind sehr niedrig und sinken
       angesichts des anhaltend kalten Wetters weiter. [2][Am Dienstag lagen sie
       bundesweit bei 23,5 Prozent, in einigen Regionen deutlich darunter]. Zwar
       beteuert das Bundeswirtschaftsministerium, dass es keinen Grund zur Sorge
       gebe – auch weil zusätzliche Lieferungen über die deutschen LNG-Terminals
       und Speicher aus den Nachbarländern möglich seien.
       
       Trotzdem gibt es in der Öffentlichkeit und der Energiebranche Sorge, dass
       aufgrund einer möglichen Knappheit die Preise stark steigen. Am späten
       Dienstagnachmittag wird der Bundestagsausschuss für Wirtschaft und Energie
       auf Initiative der Grünen bei einer Sondersitzung darüber beraten.
       [3][Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) muss in der nicht
       öffentlichen Sitzung erklären], wie sie die Versorgungssicherheit
       gewährleisten will.
       
       Vor diesem Hintergrund werden Rufe lauter, eine Gasreserve nach dem Vorbild
       der bestehenden Ölreserve zu schaffen. Unter anderem die Spitzen der
       Bundesnetzagentur und des Branchenverbandes der Energie- und
       Wasserwirtschaft haben sich dafür ausgesprochen. Die staatliche Ölreserve
       reicht für eine Dauer von 90 Tagen.
       
       „Eine staatliche Gasreserve für den nächsten Winter anzulegen, ist
       sinnvoll“, sagt Graichen der taz. Der frühere Direktor der Denkfabrik Agora
       Energiewende war von 2021 bis 2023 Staatssekretär von Wirtschaftsminister
       Robert Habeck (Grüne) und ist heute Mitglied im Aufsichtsrat des
       ukrainischen Stromnetzbetreibers Ukrenergo.
       
       Eine Reserve könnte den deutschen Gasmarkt vor Preisschocks wie 2022
       schützen. Diese könnten eintreten, wenn die deutschen Speicher relativ leer
       sind und die USA ihre LNG-Lieferungen einschränken oder mit Exportzöllen
       enorm verteuern. Nach alternativen Gaslieferanten zu suchen, hält Graichen
       nicht für erfolgversprechend. „Das ist weitgehend ausgereizt“, sagt er.
       
       ## Preiszyklus funktioniert nicht mehr
       
       Falls eine Gasreserve eingerichtet würde, müsste geklärt werden, ob sie ein
       Teil der bisherigen privaten Vorräte wäre oder zusätzlich geschaffen würde,
       so Graichen. Die insgesamt 48 Gasspeicherstandorte in Deutschland haben
       eine Kapazität von rund 250 Terawattstunden. Denkbar wäre, dass der Staat
       davon 10 bis 15 Prozent als Reserve vorhalten würde. Bislang nutzten
       Händler die Speicher, um im Frühling und Sommer bei billigen Preisen
       Vorräte aufzubauen und das Gas im Herbst und Winter mit Gewinn zu
       verkaufen. [4][Weil mittlerweile die Preise auch im Sommer hoch sind,
       funktioniert dieser Zyklus nicht mehr – weshalb die Speicher jetzt nur
       mäßig gefüllt sind].
       
       Eine Reserve von 10 bis 15 Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität
       entspräche 25 bis 37,5 Terawattstunden. „Das ist nicht im Ansatz das, was
       die Ölreserve leisten kann“, sagt Graichen. Im Winter liegt der
       Gasverbrauch an kalten Tagen bei 2 bis 3 Terawattstunden. Deutschland würde
       mit dieser Reserve bei sehr niedrigen Temperaturen nicht einmal über zwei
       Wochen kommen. Soll die Gasreserve wie die Ölreserve für 90 Tage reichen,
       wären sehr viel größere Vorräte erforderlich – mindestens 180
       Terawattstunden. „Deutschland hat nicht annähernd genug Kapazitäten, um
       diese Mengen Gas zusätzlich zu lagern“, sagt er.
       
       Graichen schlägt deshalb vor, für den Aufbau der Gasreserve Lagerstätten in
       der Ukraine nutzen. „Dort gibt es genug Kapazitäten“, sagt er. Ihm sei
       bewusst, dass das heikel ist. „Aber es wäre ein klares Signal an Russland
       und an die USA“, betont er.
       
       17 Feb 2026
       
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 (DIR) Anja Krüger
       
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