# taz.de -- Drohungen gegen Grünen-Abgeordneten: Jian Omar wehrt sich gegen islamistische Hetze
> Der Berliner Grünen-Abgeordnete Jian Omar fordert lautstark
> Menschenrechte und Schutz von Minderheiten in Syrien. Jetzt wird er von
> Islamisten bedroht.
(IMG) Bild: Im Fokus von Islamisten: der Grünen-Politiker Jian Omar
Der Berliner Grünen-Abgeordnete Jian Omar hat wegen seiner Kritik an der
[1][islamistischen Übergangsregierung in Syrien] mit einer Hetzkampagne und
Drohungen von Islamisten zu kämpfen. Seit dem Sturz der Assad-Diktatur
fordert Omar in syrischen und kurdischen Fernsehsendern sowie in sozialen
Medien Demokratie, Menschen-, Frauen- und Minderheitenrechte in Syrien ein.
Doch das führt zu einer massiven Gegenwehr in deutscher und arabischer
Sprache.
Omar ist [2][flüchtlingspolitischer Sprecher] der Grünen-Fraktion und kommt
aus dem kurdisch geprägten Norden Syriens. „Die ethnische und religiöse
Vielfalt, die ich in meiner Schulzeit dort erlebt habe, hat mich geprägt“,
sagt Omar zur taz. 2005 kam er zum Studium nach Deutschland. Wegen seines
politischen Engagements in Berlin verlängerte das Assad-Regime 2011 seinen
Pass nicht, Omar bekam zuerst einen Flüchtlingsstatus und danach den
deutschen Pass. Seit 2021 sitzt der 40-Jährige im Abgeordnetenhaus.
Als deutscher Mandatsträger ist Jian Omar [3][seit dem Sturz des
Assad-Regimes] ein gefragter Interviewpartner auf Al Jazeera und in
kurdischen Fernsehsendern. Auch in sozialen Netzwerken verurteilt er
Massaker und Demokratiedefizite der syrischen Übergangsregierung. „Damit
begann eine Schmutzkampagne von Islamisten und Anhängern der islamistischen
Übergangsregierung gegen mich“, erzählt er. Die Postings stammten aus
Syrien, aber auch aus Berlin, zum Teil von Menschen, die laut eigenen
Angaben deutsche Staatsbürger sind. In den vergangenen drei Wochen habe die
Intensität zugenommen.
„Wir werden deine Stimme stumm machen“, lautet eine der Äußerungen. Eine
andere: „Jian Omar…merkt euch diesen korrupten Namen. Oder: „Wir werden
Omar so beschädigen, dass er nicht mehr gewählt wird.“ Man droht Omar, dass
er nie wieder nach Damaskus reisen könne, dass die syrische
Übergangsregierung seine Auslieferung fordern werde. Es werden auch
Sachbeschädigungen gegen grüne Parteibüros angedeutet. In Videos wird der
Politiker verächtlich gemacht.
Die Hassnachrichten gehen nicht an ihn allein. Anhänger der islamistischen
Übergangsregierung schicken Hunderte E-Mails an die Grünen und fordern, ihn
nicht erneut zu den Wahlen aufzustellen. Dem kurdischstämmigen Omar wird
darin PKK-Sympathie unterstellt. Der kann darüber nur den Kopf schütteln:
„Zur PKK habe ich keinerlei Kontakte, ich habe mich nie öffentlich dazu
geäußert. Hier übernehmen die Islamisten das Narrativ der türkischen
Regierung, eine Positionierung für die Rechte von Kurden aus PKK-Propaganda
darzustellen.“
Aus dem Bundesvorstand der Grünen heißt es gegenüber der taz: „Wir können
bestätigen, dass im E-Mail-Postfach der Partei über 200 E-Mails zu diesem
Thema eingetroffen sind.“ Auch der Landes- und Fraktionsvorstand bekamen
unzählige Mails. Die Partei stellt sich hinter Omar. „Wir sind sehr besorgt
über die Situation von Minderheiten in Syrien. Wir solidarisieren uns mit
unserem Abgeordneten Jian Omar und unterstützen sein Engagement für die
Einhaltung von Menschenrechten von Minderheiten“, erklärten die Berliner
Grünen-Vorsitzenden Nina Stahr und Philmon Ghirmai.
Sogar an die Verwaltung des Abgeordnetenhauses ging eine Mail mit der
Aufforderung, „eine offizielle Untersuchung der Aussagen“ von Omar
„einzuleiten und geeignete rechtliche Maßnahmen zu prüfen. Denn laut der
Meinung des Autors verbreite Omar „hetzerische Aussagen gegen die Regierung
in Damaskus“, die sich auch „auf das friedliche Zusammenleben in
Deutschland zwischen arabischen und kurdischen Syrern“ negativ auswirken
könnten. Die Mail liegt der taz vor. Ebenso die Antwort aus der
Abgeordnetenverwaltung, die dem Mann schrieb, dass solche Zurückweisungen
von Abgeordneten gegen das Prinzip der Freiheit des Mandates verstießen.
„Ich werde nicht schweigen“, sagt Jian Omar, und kündigt an: „Ich kämpfe
weiterhin für Demokratie, Gleichberechtigung und Menschenrechte.
Glücklicherweise erfahre ich auch viel Solidarität, nicht nur aus meiner
Partei, sondern auch von kurdisch- und arabischsprachigen BerlinerInnen.“
Sorge mache ihm allerdings, dass die Drohungen von Islamisten ausgingen,
„die bekanntlich nicht vor Attentaten zurückschrecken und dafür auch ihr
Leben im Kauf nehmen.“ Omar fürchtet, dass unter Syrern in Berlin mehr
Anhänger der Islamisten leben würden als bisher angenommen. Er habe darum
um Polizeischutz gebeten. Ein Polizeisprecher sagt der taz, dass man sich
zu Personenschutzfragen generell nicht äußere.
16 Feb 2026
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## AUTOREN
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