# taz.de -- Die Wahrheit: Dackel im Tesla
> Der versponnene Krakenzüchter. Die etwas andere Fortsetzungsgeschichte
> (Teil 5). Heute: Verwundet auf der Flucht.
(IMG) Bild: Manchmal laufen Spione ins offene Messer
Was bisher geschah: Heinz-Hermann beschäftigt sich mit seltsamen Dingen und
mit Kraken und Spinnen. Und er geht Anrufen seines Vaters aus dem Weg, der
ein Meisterspion war. Doch dann erscheinen Herbert Hermann und die Stimme
von Freddy Quinn, die Heinz-Hermann auf die Große Freiheit nach Hamburg
locken, wo ihn die Erinnerung an die Bordsteinschwalbe Gulia überkommt, er
aber seinem mörderischen Hausarzt in die Falle geht. Der irre Quacksalber
will ein „großes Blutbild“ von ihm machen – auf Leinwand und aus seinem
eigenen Blut …
Es tat einen mächtigen Schlag mit der Bratpfanne, der sich für Dr.
Quentin-Hinrich Salber als übermächtig und nachgerade überwältigend
erweisen sollte. Mit einem Gefühl unendlicher Erleichterung nahm
Heinz-Hermann gerade noch zur Kenntnis, wie sein quacksalbernder Peiniger
bewusstlos zu Boden ging. Dann schwanden ihm die Sinne.
Als er wieder zu sich kam, hatte seine Retterin bereits die Bratpfanne
beiseite gelegt, die Blutung gestillt und Heinz-Hermann die verwundete Hand
verbunden. Es war nicht Giulia, auch nicht Mathilda-Regine – sondern die
beliebte Volksschauspielerin Jutta Speidel, 71, vielleicht auch die
beliebte Volksschauspielerin Susanne Uhlen, 71. Heinz-Hermann hatte die
beiden Ex-Frauen des beliebten Volksschauspielers Herbert Hermann, 83, nie
so recht auseinanderhalten können.
„Komm nach Hause, Hermännchen! Wenn das Glück uns lächelt, dann lässt uns
die Arthrose noch ein paar unbeschwerte Jahre auf Mallorca!“, säuselte
Jutta Speidel oder Susanne Uhlen und begann, ihn in den schweren
Perserteppich einzuwickeln, auf dem er gelegen hatte. Heinz-Hermann
begriff, dass er wieder einmal mit Herbert Hermann verwechselt worden war,
mit dem er offenbar auch den Hausarzt teilte.
Für einen Augenblick betrachtete die ebenso beliebte wie liebestolle
Volksschauspielerin das Gemälde, das Dr. Quentin-Hinrich Salber mit seinem
Blut gemalt hatte. Heinz-Heinrich nutzte die Gelegenheit, nach dem rostigen
Jagdmesser zu greifen, wäre aber nicht ganz herangekommen – wenn nicht aus
dem Ärmel seines purpurgestreiften Krakenzüchterjacketts ein Tentakel zum
Vorschein gekommen wäre und nachgeholfen hätte: „Danke, meine liebe
Kleinkrake!“, flüsterte Heinz-Hermann und befreite sich mit einem kräftigen
Schnitt aus der Umarmung des Teppichs – und damit aus der Gewalt von Jutta
Speidel oder Susanne Uhlen. „Hermännchen!“, zeterte es hinter ihm, aber da
war er schon zur Praxis hinaus, polterte die Treppe herunter und stolperte
mit blutbefleckter Kleidung und wehenden Verbänden hinaus auf die Große
Freiheit: „I’m a rebel without a Labskaus!“
## Auf nach Las Vegas!
Auf der Straße aber erwartete ihn bereits ein tiefergelegter Tesla. Auf dem
Beifahrersitz saß kein Geringerer als Rupert Schulte, der ominöse „Dackel“!
Er erkannte Heinz-Hermann sofort, ließ die Scheibe herunter und rief:
„Steig ein, Baby, wir reiten nach Las Vegas, die Sonne putzen!“ Vielleicht
war es sein untrüglicher Instinkt für Gefahr, wahrscheinlicher aber sein
profunder Ekel vor den Songtexten von Udo Lindenberg, der Heinz-Hermann
sofort die Flucht ergreifen ließ.
Atemlos überquerte er die Reeperbahn und eilte die Davidstraße hinunter,
alle ortstypischen Versuchungen („Herbert Hermann? Wie wär’s mit ’nem
Nümmerchen!“) ignorierend – anders als der schnurrende Tesla, dessen
Autopilot offenbar algorithmisch darauf programmiert war, jedes einzelne
unmoralische Angebot ernsthaft zu erwägen. Aus den Augenwinkeln sah er,
dass auch der „Dackel“ dem gurrenden Werben der Weiblichkeit nicht
gewachsen war.
Mit einigem Vorsprung also erreichte Heinz-Hermann die Landungsbrücken, wo
seine lebenslange Liebe zum öffentlichen Nahverkehr der Hansestadt endlich
Früchte tragen sollte. Alle 15 Minuten, das wusste er, legte hier die
HADAG-Linie 63 in Richtung Finkenwerder ab. Um genau 23.45 Uhr sprang er
beherzt an Bord der letzten Fähre. Dort kam er endlich ein wenig zur Ruhe.
Er kaufte sich ein überteuertes Fischbrötchen und dachte nach. Was wurde
hier gespielt? Wo hinein war er da geraten? Wer zog die Fäden im
Hintergrund? Und wer nahm ihm gerade den Verband ab? Es war die emsige
Kleinkrake, stets besorgt um Hygiene und Gesundheit. Zum Vorschein kam die
frische Wunde, die ihm der irre Quackmaler und Blutsalber in seiner Praxis
zugefügt hatte. Heinz-Hermann blieb das Fischbrötchen im Halse stecken. Es
war kein schlichter Schnitt in seiner Handfläche, den ihm Dr.
Quentin-Hinrich Salber vorhin verpasst hatte. Es war vielmehr einer dieser
QR-Codes, wie Heinz-Hermann sie von überteuerten Konzertkarten kannte.
Jetzt erst bemerkte er, dass die Fähre keineswegs nach Finkenwerder fuhr,
sondern in die entgegengesetzte Richtung. Über sich sah Heinz-Hermann schon
die geschmackvollen Klippen der Elbphilharmonie aufragen – und hörte ein
irres Lachen aus der Kabine des Kapitäns: „Nächster Halt …“
Fortsetzung demnächst
17 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Arno Frank
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