# taz.de -- Deutsche Ski-Halfpiperin Cakmakli: Die Exotin
       
       > Sabrina Cakmakli ist die einzige deutsche Ski-Halfpiperin bei Olympia. Es
       > gibt aus Kostengründen keine großen Halfpipes in deutschen Skigebieten.
       
 (IMG) Bild: Schöner fliegen: Sabrina Cakmakli, hier bei den Winterspielen in Beijing
       
       Begonnen hat die erstaunliche Geschichte [1][der Halfpiperin Sabrina
       Cakmakli] im Pizza Hut von Garmisch-Partenkirchen. „Ich habe viele Jahre im
       Pizza Hut als Minijobberin gearbeitet und mir damit irgendwie meine Reisen
       finanziert“, erzählt die 31 Jahre alte Frau mit einem Grinsen.
       
       2013 war das zum Beispiel so, als Cakmakli noch eine Teenagerin war. „Da
       habe ich mir gerade so das Geld zusammenkratzen können, dass ich nach
       Neuseeland kam und dort waren die ersten Qualifikationen für Olympia“, so
       die Freestyle-Skifahrerin weiter: „Und dann ging es vom Pizza Hut quasi zu
       Olympia 2014.“
       
       Es war der Beginn einer außergewöhnlichen Karriere. Sabrina Cakmakli ist
       nämlich noch heute die einzige deutsche Halfpiperin auf Ski, die
       international konkurrenzfähig ist. Im italienischen Livigno wird sie ihre
       inzwischen vierten Olympischen Winterspiele erleben. Donnerstagabend in der
       Qualifikation und am Samstag hoffentlich im Finale.
       
       Bei ihren bisherigen drei Olympia-Starts in Sotschi 2014 (14. Platz),
       Pyeongchang 2018 (8.) und Peking 2022 (12.) kam Cakmakli nie so richtig in
       Medaillennähe. Realistisch betrachtet wird das auch in Livigno so bleiben.
       Trotzdem ist die Frau aus der Halfpipe bei ihrem vierten Olympia-Auftritt
       mindestens genauso nervös wie beim ersten.
       
       „Also man denkt ja immer, dass man irgendwie weniger nervös wird, aber es
       ist eigentlich genau das Gegenteil. Das Feuer ist trotzdem noch da, man ist
       trotzdem angespannt und will sein Bestes zeigen. Aber natürlich versuche
       ich vor allem, alles aufzusaugen und das einfach zu genießen“, so Cakmakli.
       Vor allem auch deshalb, weil ihre Eltern zum ersten Mal live bei Olympia
       zuschauen werden.
       
       ## „Etwas ganz Besonderes“
       
       „Es ist etwas ganz Besonderes, meine Mama dazuhaben. Ich freue mich
       einfach, dass Olympia so vor der Haustür ist“, schwärmt Cakmakli. Mit dem
       eigenen Auto bei so einem Highlight anzureisen, sei einfach „krass“. Der
       andere Grund für ihre Vorfreude ist, dass sie mit eindrucksvollen
       Flugtricks auf der größtmöglichen Bühne Werbung für ihre spektakuläre
       Sportart in Deutschland machen kann.
       
       Dort ist sie nämlich immer noch eine Exotin. „Es gibt schon ein paar
       Nachwuchskandidaten im Freestyle-Bereich, die dann Funpark fahren, aber
       Halfpipe ist in Deutschland einfach immer noch ein schwieriges Thema“, sagt
       sie. Es gibt schlichtweg keine großen [2][Halfpipes] in deutschen
       Skigebieten, weil der Bau zu teuer ist. Die nächstgelegene Halfpipe gibt es
       in der Schweiz.
       
       Cakmakli versucht immer wieder, „die kleinen Kiddies“ daheim zu überreden,
       doch mal ihren spektakulären Sport auszuprobieren: „Wir müssen Camps für
       den Nachwuchs anbieten. Das Schöne an unserem Sport ist, dass wir alles
       frei gestalten dürfen. Wir sind eine richtig coole Community mit vielen
       guten Freunden, und Adrenalin ist natürlich auch jede Menge im Spiel. Wir
       Freestyler sind alle ein bisschen lockerer, als das in anderen Sportarten
       der Fall ist.“
       
       Trotzdem kann Freestyle im Deutschen Skiverband (DSV) nicht mit den
       etablierten Disziplinen wie Alpin, Biathlon, Skilanglauf oder Skispringen
       mithalten: Neben Halfpipe-Spezialistin Cakmakli haben es nur Muriel Mohr
       (Slopestyle, Big Air) und Emma Weiß (Aerials) aus der „Flugabteilung“
       überhaupt zu den Winterspielen geschafft. Echte Medaillenchancen haben in
       Livigno nur die deutschen Skicrosser um Daniela Maier.
       
       ## „Viel professioneller geworden“
       
       An den Strukturen liegt das laut Cakmakli nicht. Alles sei viel
       professioneller seit dem Start ihrer Karriere geworden. „Damals hatten wir
       keinen Coach und wussten auch nicht, was ein Fitnessstudio ist“, erzählt
       sie und muss bei der Geschichte selbst lachen: „Irgendwann kamen wir zum
       DSV, mussten einen Krafttest machen. Da habe ich erfahren müssen, was ein
       Klimmzug ist. Es hat sich schon alles sehr verändert.“
       
       Das gilt auch für Sabrina Cakmaklis sonstige Rahmenbedingungen. Sie ist
       inzwischen in der [3][Sportfördergruppe der Bundeswehr] finanziell
       abgesichert und hat eigene Sponsoren. Als Minijobberin zum Pizza Hut muss
       Deutschlands einzige olympische Ski-Halfpipern also nicht mehr gehen. Aber
       diese unglaubliche Geschichte wäre heute ohnehin nicht mehr möglich:
       Cakmaklis Pizza Hut am Marienplatz von Garmisch-Partenkirchen hat seine
       Tore seit 2024 für immer geschlossen.
       
       19 Feb 2026
       
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