# taz.de -- Grüne beschließen Wahlprogramm: Auf Prima-Klima-Kurs
       
       > Die Berliner Grünen stellen für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September
       > Klimaschutz ganz nach vorne – und steuern eine linke Koalition an.
       
 (IMG) Bild: Er will den CDUler Kai Wegner nach der Abgeordnetenhauswahl im Roten Rathaus ablösen: Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf
       
       „Das ist Euer Wahlprogramm“, ruft der Berlin Grünen-Vorsitzende Philmon
       Ghirmai Vollzug am Sonntagvormittag aus, nachdem der Landesparteitag den
       Entwurf dafür einstimmig beschlossen hat. Und verspricht dann, rund sieben
       Monate vor der Abgeordnetenhauswahl: „Das wir unser Regierungsprogramm.“
       Eineinhalb Tage haben die Delegierten in einem Neuköllner Hotel diskutiert.
       Dabei haben sie in der Mehrheit wenig Zweifel daran gelassen, dass dieses
       Regieren nach der Abgeordnetenhauswahl am 20. September in einer linken
       Koalition geschehen soll.
       
       Wobei sich das „Diskutieren“ in engen Bahnen hielt. Trotz der rund 1.200
       Änderungsanträge für das Programm sind strittige Debatten und Abstimmungen
       weitgehend ausgeblieben. Stattdessen war man merklich darum bemüht,
       geschlossen aufzutreten, jenseits aller früheren Flügelkämpfe oder auch der
       Konflikte mit dem Parteinachwuchs, der Grünen Jugend. Erkennbar ist darüber
       hinaus, dass die Partei im Wahlkampf auf eine große Mobilisierung des
       eigenen Lagers setzen wird – und nicht ausdrücklich auf breitere
       Wählerschichten zielt.
       
       Denn an die Spitze ihres Programms stellen die Grünen den Klimaschutz: ein
       Thema, das bei der Bundestagswahl zwar [1][für eine große Mehrheit der
       Grünen-Anhängerschaft das Top Thema], ansonsten aber nachrangig war. Für
       den großen Rest der Wählerschaft waren innere und soziale Sicherheit,
       Migration und Wirtschaftswachstum wichtiger.
       
       ## Pfleglicher Umgang mit der SPD
       
       Auffällig zurückhaltend kritisieren die Grünen auch die aktuell
       mitregierende SPD. Die stellt zwar genauso viele Senatorinnen und Senatoren
       wie die CDU, kommt aber in vielen Redebeiträgen nur am Rande vor. Klar im
       Fokus ist dafür der Regierende Bürgermeister Kai Wegner von der CDU. Der
       habe keinen Plan, der könne Krise nicht, hält ihm Grünen-Spitzenkandidat
       Werner Graf vor, der ihn nach der Wahl am 20. September als Regierungschef
       ablösen soll. „Dann heißt es für Kai Wegner: Ausziehen aus dem Roten
       Rathaus“, sagt Graf unter dem Applaus der Delegierten, „denn dann meldet
       Berlin dort Eigenbedarf an.“
       
       Vertreterinnen der Grünen Jugend verstärken das mit der Forderung, eine
       Koalition mit der CDU auszuschließen. Dem stellt sich am Rednerpult allein
       der langjährige Landesparlamentarier Andreas Otto entgegen, der 2023 für
       das mit Abstand berlinweit-beste Grünen-Wahlkreisergebnis sorgte. „Leute,
       kommt ein bisschen runter, seid realistisch“, sagt Otto, „wir sollten uns
       nicht einseitig ideologisch festlegen“. Dafür gibt es zwar auch Applaus,
       aber weniger als für die Grünen Jugend. Der 63-jährige Otto tritt nach 20
       Jahren im Abgeordnetenhaus im September nicht erneut an.
       
       Die Warnung davor, nichts außer einem Bündnis mit der AfD auszuschließen,
       hat einen realistischen Hintergrund. [2][Nach der jüngsten Wahlumfrage von
       Mitte Januar] könnten die Grünen zwar Teil einer rot-grün-roten Regierung
       werden, unter Führung der Linkspartei. Die kam auf 18 Prozent, 16 gab es
       für Grünen und 14 für die SPD. Das würde zwar nicht für eine Mehrheit der
       Wähler, aber der Sitze im Parlament reichen, weil ein gewisser
       Stimmenanteil wegen der 5-Prozent-Hürde unter den Tisch fällt.
       
       Doch haben Graf und seine Co-Spitzenkandidatin Bettina Jarasch in der
       Vergangenheit wiederholt klar gemacht, dass die Linkspartei vor
       Koalitionsgesprächen nicht länger jene Black Box sein darf, als die sie
       nach ihrem immensen Mitgliederwachstum derzeit vielen noch gilt. Und vor
       allem, so waren die beiden dabei zu verstehen, müsse die Linkspartei
       Antisemitismus auch in den eigenen Reihen klar entgegen treten. Was würden
       die Grünen also machen, wenn sie gegenüber ihren Wählern vorab eine
       Koalition mit der CDU auschließen, aber im Herbst bei genauer Betrachtung
       ein Bündnis mit der Linkspartei für nicht tragbar halten?
       
       ## Gesetzentwurf für bezahlbare Wohnungen
       
       Inhaltliche Nähe zur Linkspartei ist allerdings durchaus da, was sich im
       Wahlprogramm vor allem beim Thema Mieten und Wohnen als weiterem
       Schwerpunkt zeigt. Da werben die Grünen mit einem Gesetzentwurf ihrer
       Abgeordnetenhausfraktion für sich, der privaten Eigentümern von mehr als 50
       Wohnungen vorschreibt, einen bestimmten Teil davon „zu bezahlbaren Preisen“
       zu vermieten. Bislang gibt es solch Vorgaben nur für die landeseigenen
       Wohnungsgesellschaften.
       
       Einen ähnlichen Gesetzentwurf [3][hat auch die Linksfraktion bereits
       vorgestellt], und in dieselbe Richtung ging zudem die SPD jüngst bei ihrer
       Fraktionsklausur. Wie die Linkspartei – und [4][anders als
       SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach] - wollen die Grünen außerdem Eigentümer
       großer Wohnungsbestände enteignen. „Wir werden den Volksentscheid Deutsche
       Wohnen & Co. enteignen umsetzen“, verspricht Spitzenkandidat Graf beim
       Parteitag.
       
       ## Kandidatenliste folgt im April
       
       Als Klima- wie als Sozialinitiative betrachten die Grünen ihre Ankündigung,
       den Preis des Sozialtickets wieder auf 9 Euro abzusenken und es deutschland
       weit gelten zu lassen. Die schwarz-rote Koalition hat es zum 1. Januar auf
       27,50 Euro verteuert. Dieser Preis galt bereits von 2016 bis Ende 2022 zur
       Zeit der rot-grün-roten Koalition, bis diese das Ticket ab 2023 auf 9 Euro
       verbilligte: Das sollte einen Abstand zum kurz zuvor eingeführten
       29-Euro-Ticket herstellen. Ebenfalls bundesweit und nicht wie bisher nur in
       Berlin sollen mit einem solchen „Klimaticket“ die rund 400.000 Schüler des
       Landes unterwegs sein können, und zwar ohne jegliche eigene Zuzahlung.
       
       Noch nicht beschlossen ist die Landesliste für die Abgeordnetenhauswahl.
       Über die besetzen Parteien Parlamentssitze, die ihr über gewonnene
       Wahlkreise hinaus zustehen. Über diese Liste soll am 18. und 19. April eine
       Mitgliedervollversammlung entscheiden, wegen Corona zum ersten Mal seit
       2016. [5][Damit dieses Treffen beschlussfähig ist], müssten rund 2.700 der
       18.000 Mitglieder des Landesverbands zusammen kommen. Von führenden Köpfen
       der Partei war jüngst zu hören, das könnte das bislang größte Treffen einer
       grünen Partei weltweit werden.
       
       15 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2025-02-23-BT-DE/umfrage-wahlentscheidend.shtml
 (DIR) [2] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/berlin.htm
 (DIR) [3] /Abgeordnetenhaus/!6109322
 (DIR) [4] /SPD-stellt-Wahlprogramm-vor/!6153316
 (DIR) [5] https://gruene.berlin/fileadmin/BE/lv_berlin/LV_Berlin_Dokumente/zentrale_Dokumente_Landesverband/GO-Wahlordnung_LMV.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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