# taz.de -- Eindrücke aus Odessa: Wo es noch Strom gibt, muss man suchen
       
       > Gemütlichkeit sieht anders aus, aber Geld hilft: Leben in einer
       > ukrainischen Stadt, wo Russlands Angriffe Strom und Wasser zu Luxusgütern
       > machen.
       
 (IMG) Bild: In Odessa am vergangenen Donnerstag, nach der Zerstörung eines Stadtmarktes durch einen russischen Angriff
       
       „Ich muss Ihnen den Kaffee leider im Einwegbecher geben“, sagt die nette
       Dame an der Theke im Café. „Wir haben heute kein Wasser.“ Kein Problem –
       wenn man nicht gerade auf die Toilette will, die „vorübergehend nicht
       funktionsfähig“ ist, wie ein eilig gemalter Zettel an der Tür mitteilt.
       Aber Strom haben sie auch nicht, sonst wäre nicht der laut ratternde
       Generator vor der Türe.
       
       „Sie haben bestimmt deswegen kein Wasser und keinen Strom, weil Sie ihre
       Rechnungen nicht bezahlt haben“, scherzt ein Mann zur Verkäuferin rüber.
       Die tut so, als habe sie das nicht gehört, ihr ist nicht nach Scherzen
       zumute.
       
       In solchen Situationen ist in Odessa ein Café einer der wenigen Orte, wo es
       sich aushalten lässt. Hier hat man dank Generator vor der Tür Licht,
       Heizung, Strom, Mobilfunkverbindung und Internet. Trotzdem ist das Café
       leer. 1,50 Euro für einen Cappuccino ist nicht jedermanns Sache bei der
       riesigen Arbeitslosigkeit in der Stadt. Schon gar nicht jeden Tag. Und
       gemütlich ist das Kaffeetrinken auch nicht, wenn nur paar Meter weiter ein
       Generator rattert.
       
       Diese Probleme kennt man im Restaurant Kumanez in der Havannastraße 7
       nicht. Da steht der Generator nicht direkt am Eingang. An mehreren Abenden
       pro Woche treten KünstlerInnen in ukrainischer Nationaltracht auf. Und wer
       meint, er könne im Kumanez einfach zu Abend speisen, ohne sich angemeldet
       zu haben, hat Pech gehabt. Mit einem „Auch bei bestem Willen können wir
       Ihnen ohne Vorbestellung keinen Platz anbieten“ wird der Möchtegernbesucher
       hinauskomplimentiert. Bei aller Arbeitslosigkeit: In Odessa gibt es viele
       Menschen, die ohne Probleme 20 Euro für ein Abendessen ausgeben können.
       
       ## Drohnenangriffe auf die zivile Infrastruktur
       
       Wieder griff Russland Odessa und andere ukrainische Städte in der Nacht zum
       Sonntag mit Drohnen an. Bisher gibt es keine Angaben zu Opfern. In der
       Nacht zu Samstag starb nach Angaben von Regionalgouverneur Oleh Kiper eine
       Frau, nachdem ihr Wohngebäude durch eine russische Drohne in Brand gesetzt
       worden war. [1][In der Nacht zum Freitag] verursachte ein russischer
       Angriff „extrem starke“ Schäden an den Energieanlagen im Hafen. „Es wird
       lange dauern, die Anlage zu reparieren und sie wieder in Gang zu bringen“,
       teilte das private Energieunternehmen DTEK mit. In der Nacht zu Donnerstag
       wurde ein Markt zerstört.
       
       Der Leiter der Militärverwaltung der Stadt, Serhij Lyssak, teilte mit, dass
       die Angriffe gezielt auf die zivile Infrastruktur abzielten. Nach Angaben
       des Leiters der Militärverwaltung des Gebietes Odessa, Oleh Kiper, kam es
       zu Schäden an ziviler und Verkehrsinfrastruktur. Am Bahnhof wurde ein
       Verwaltungsgebäude beschädigt. Nach einem Einschlag auf einen
       Eisenbahnkesselwagen kam es durch austretenden Treibstoff zu einem Brand.
       
       Insgesamt [2][beschoss Russland die Ukraine] in der vergangenen Woche laut
       Präsident Wolodymyr Selenskyj mit 1.300 Drohnen, über 1.200 Gleitbomben und
       50 ballistischen Raketen. Aus dem russischen Gebiet Belgorod wird derweil
       erneut [3][ukrainischer Beschuss] vermeldet, ein Heizkraftwerk wurde
       getroffen. Nach Angaben des Gouverneurs Gladkow fallen Heizung und warmes
       Wasser voraussichtlich bis Ende April aus.
       
       Ljudmilla (Name geändert) in Odessa hat noch ein anderes Problem. Ein
       Nachbar ist von der Front zurückgekehrt. Wegen einer leichten Verletzung
       hat er zwei Wochen Urlaub. „Die ganze Nacht war er betrunken und hat
       randaliert. Eigentlich hätte ich die Polizei rufen müssen.“
       
       Das machte sie dann aber doch nicht. „Wenn ich die Polizei angerufen hätte,
       hätten die meinen Pass sehen wollen, und dann wäre herausgekommen, dass ich
       russische Staatsbürgerin bin.“ Auch ihr Nachbar rief nicht die Polizei. Er
       versteckt sich vor der Wehrbehörde, weil er nicht an die Front will.
       
       15 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Naechtlicher-Luftangriff-auf-Odessa/!6154290
 (DIR) [2] https://x.com/ZelenskyyUa/status/2022953935141576770
 (DIR) [3] https://x.com/NOELreports/status/2022718038391558430
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
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