# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Angespannte Friedensgespräche in Genf
       
       > Der US-Unterhändler Steve Witkoff sieht schon Fortschritte am ersten Tag,
       > offenbar aus Zweckopitimismus. Alle anderen vermissen greifbare
       > Ergebnisse.
       
 (IMG) Bild: Journalisten warten in Genf bisher vergeblich auf Ergebnisse der Friedensgespräche
       
       ## Erster Verhandlungstag in Genf ohne greifbare Ergebnisse
       
       Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland über ein Ende des
       vierjährigen Krieges scheinen auf der Stelle zu treten. Der erste von zwei
       Verhandlungstagen in Genf endete am Abend ohne greifbare Ergebnisse. Die
       Gespräche fanden unter Vermittlung des US-Sondergesandten Steve Witkoff
       statt und sollen an diesem Mittwoch fortgesetzt werden.
       
       Witkoff sprach jedoch von „bedeutenden Fortschritten“. Er sei „stolz“,
       unter der Führung von US-Präsident Donald Trump „daran zu arbeiten, das
       Töten in diesem schrecklichen Konflikt zu beenden“, erklärte Witkoff am
       Mittwoch im Onlinedienst X. Beide Seiten einigten sich Witkoff zufolge
       darauf, ihre jeweiligen Staatschefs auf den neuesten Stand zu bringen und
       weiter auf eine Einigung hinzuarbeiten. Russische Staatsmedien beschrieben
       die Atmosphäre unter Berufung auf Verhandlungskreise als „sehr angespannt“.
       
       Unangekündigt waren diesmal laut Presseberichten auch Vertreter der
       europäischen Bündnispartner der Ukraine einbezogen. Zugegen waren demnach
       die nationalen Sicherheitsberater aus Deutschland, Großbritannien,
       Frankreich und Italien. Dem ukrainischen öffentlich-rechtlichen Sender
       Suspilne zufolge waren sie für Rücksprachen am Verhandlungsort. Später
       bestätigte Ukraines Chefunterhändler Rustem Umjerow gesonderte Treffen mit
       den Vertretern der USA, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens,
       Italiens und der gastgebenden Schweiz. „Wir haben die Bilanz der heutigen
       Gesprächsrunde besprochen und die weiteren Schritte abgestimmt. Es ist
       wichtig, eine gemeinsame Sicht und eine Koordination des Vorgehens zwischen
       der Ukraine, den USA und Europa zu wahren“, schrieb Umjerow bei Telegram.
       Man wisse, dass alle gemeinsam Verantwortung für das Ergebnis tragen.
       (dpa/afp)
       
       ## Politische Gespräche in Sackgasse?
       
       Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj sprach Russland in seiner
       abendlichen Videobotschaft weiterhin jede echte Verhandlungsbereitschaft ab
       – die neuerlichen Luftangriffe auf ukrainische Städte belegten dies.
       Bezogen auf den russischen Verhandlungsführer Wladimir Medinski sagte er:
       „Fantasieplaudereien zu historischen Themen haben für sie (die Russen)
       größere Bedeutung.“ Dem aus der Zentralukraine stammenden russischen
       [1][Ex-Kulturminister Medinski] wird nachgesagt, in vorherigen
       Verhandlungsrunden historische Vorträge zur Geschichte der Ukraine aus
       russischer Sicht gehalten zu haben.
       
       Der als politische Beobachter des US-Nachrichtenportals Axios gewöhnlich
       gut informierte Journalist Barak Ravid schrieb unter Berufung auf eigene
       Quellen bei X, die Verhandlungen zum politischen Teil der Friedensgespräche
       seien in einer „Sackgasse“. Ursache dafür seien Medinskis Positionen. Nach
       Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass dauerten die Unterredungen
       etwa sechs Stunden. Im Anschluss informierten demnach beide Delegationen
       ihre Hauptstädte. Details wurden nicht bekannt. (dpa)
       
       ## Selenskyj hält Gebietsaufgabe für unmöglich
       
       Einen von Russland geforderten Abzug der ukrainischen Truppen aus den noch
       von ihnen gehaltenen Teilen der östlichen Gebiete Luhansk und Donezk lehnt
       Selenskyj weiter ab. „Emotional werden die Menschen das niemals verzeihen.
       Niemals“, sagte der Staatschef Axios. Seine Landsleute würden nicht
       verstehen, warum sie zusätzliche Gebiete abgeben sollen. Selenskyj zufolge
       haben seine Regierung und die in Washington vereinbart, dass jedes Abkommen
       eine Zustimmung der ukrainischen Bevölkerung per Referendum erfordert.
       
       Der ukrainische Staatschef will die strittigen Gebietsfragen bevorzugt bei
       einem direkten Gipfeltreffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin
       lösen. Er habe der ukrainischen Delegation Anweisung gegeben, diese Frage
       in Genf anzusprechen. Der Kreml lehnt einen solchen Gipfel zwar nicht
       direkt ab, sprach aber mehrfach davon, dass ein derartiges Treffen
       entsprechend vorbereitet werden müsse, und zeigt kein Interesse an
       konkreten Vorbereitungen. (dpa)
       
       ## Selenskyj offen für Referendum über Frontlinie
       
       Einem Einfrieren des Konflikts entlang der aktuellen Frontlinie könnten die
       Ukrainer in einer Volksbefragung womöglich zustimmen, sagte Selenskyj. „Ich
       denke, dass die Menschen das in einem Referendum akzeptieren würden. Das
       ist meine Meinung.“ Ein solcher Volksentscheid könnte parallel zu
       Präsidentschaftswahlen abgehalten werden.
       
       Die reguläre Amtszeit des ukrainischen Präsidenten lief 2024 ab. Das seit
       dem russischen Einmarsch geltende Kriegsrecht verbietet in der aktuellen
       Fassung Wahlen und Volksabstimmungen. Russlands Präsident Putin spricht
       Selenskyj die demokratische Legitimität ab und dringt auf Neuwahlen in der
       Ukraine. Es gibt Befürchtungen, dass Moskau versuchen dürfte, durch
       Manipulation der Wahl eine dem Kreml genehme Marionettenregierung an die
       Macht zu bringen. (dpa)
       
       ## 2000 verschleppte Kinder zurück in der Ukraine
       
       Von den seit Kriegsbeginn von Russland verschleppten ukrainischen Kindern
       sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj bislang
       2000 wieder in ihre Heimat zurückgebracht worden. „Heute haben wir ein
       bedeutendes Ergebnis erreicht – 2000 ukrainische Kinder sind aus russischer
       Kontrolle nach Hause zurückgebracht worden“, erklärte Selenskyj am Dienstag
       in Onlinediensten.
       
       Zugleich betonte der Präsident: „Der Weg vor uns ist noch lang und
       schwierig. Tausende ukrainische Kinder werden nach wie vor von Russland
       gefangen gehalten und werden jeden Tag Opfer seiner Verbrechen.“ Moskau
       wird vorgeworfen, rund 20.000 Kinder aus besetzten Teilen der Ukraine
       gewaltsam verschleppt zu haben, nachdem Russland vor rund vier Jahren in
       die Ukraine einmarschiert war.
       
       Der Internationale Strafgerichtshof erließ 2023 einen Haftbefehl gegen den
       russischen Präsidenten Wladimir Putin und seine Kinderrechtsbeauftragte
       wegen „unrechtmäßiger Deportationen“ ukrainischer Kinder nach Russland.
       Nach Angaben Kyjiws hat Russland viele der verschleppten Kinder
       indoktriniert und sie gezwungen, die russische Staatsbürgerschaft
       anzunehmen und die ukrainische Identität aufzugeben. Moskau streitet nicht
       ab, ukrainische Kinder unter seine Kontrolle gebracht zu haben, begründet
       dies jedoch mit der Sicherheit der Kinder. Russland habe sie aus der
       Gefahrenzone der Front entfernt. (afp)
       
       ## Weinende Russin trug Ukraine-Schild bei Olympia-Eröffnung
       
       Ausgerechnet eine in Mailand lebende Russin hat bei der Eröffnungsfeier der
       Olympischen Winterspiele die ukrainische Auswahl ins San-Siro-Stadion
       geführt. Die Architektin Anastasia Kutscherowa trug bei der Nationenparade
       während der Zeremonie in der legendären Fußball-Arena das Plakat mit dem
       Ländernamen Ukraine, wie AP berichtete. Hinter der Russin liefen die
       ukrainische Fahnenträgerin Jelysaweta Sydorko mit [2][Teamgefährten] ins
       Stadion.
       
       Kutscherowa trug wie die anderen Plakatträger einen silbernen Mantel mit
       Kapuze und eine schwarze Brille, war daher praktisch nicht zu erkennen.
       Erst mehr als eine Woche nach dem Geschehen offenbarte sie sich. „Ich habe
       mich umgedreht, ich wusste nicht, was ich zu ihnen sagen soll. Ich habe
       dann gesagt, dass ihnen das gesamte Stadion stehende Ovationen geben wird“,
       so Kutscherowa laut AP. Sie lebt seit 14 Jahren in Mailand lebt und hatte
       sich als Freiwillige für die Winterspiele gemeldet. Als der Choreograf der
       Eröffnungsfeier fragte, ob einer der Plakatträger eine der Nationen
       besonders gern begleiten wolle, wählte Kutscherowa nach eigenen Angaben die
       Ukraine.
       
       Bei der Zeremonie hätten die ukrainischen Sportlerinnen und Sportler sie
       sofort als Russin erkannt und mit ihr auf Russisch gesprochen. „Wenn man
       Seite an Seite mit diesen Menschen geht, dann erkennt man, dass sie jedes
       Recht haben, Hass gegenüber jedem Russen zu fühlen“, sagte Kutscherowa. Es
       sei ihr wichtig gewesen zu zeigen, dass nicht alle so denken würden.
       
       Beim großen Applaus für die ukrainische Delegation habe sie hinter ihrer
       schwarzen Brille einige Tränen vergossen. Sie fürchte nun, ihr Auftritt und
       ihre öffentlichen Aussagen könnten ihren Bekannten in Russland schaden.
       „Aber wenn ich in einem demokratischen Land lebe und alle Freiheiten
       genieße und dann Angst habe, dann heißt das, dass das Regime gewonnen hat“,
       sagte Kutscherowa. Sie trug bei der Eröffnungsfeier auch das Plakat der
       dänischen Delegation. Auch diese erhielt vor dem Hintergrund des
       politischen Streits mit der US-Regierung um Grönland viel Beifall. (dpa)
       
       18 Feb 2026
       
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