# taz.de -- Sonniges Wetter und Zugvögel: Die Kraniche kommen
       
       > „Da sind wir wieder!“, zwitschern uns die Zugvögel vom Himmel aus zu. Sie
       > kommen zurück aus dem Süden, denn im März haben sie einen Termin.
       
 (IMG) Bild: Kraniche und andere Zugvögel sind gerade wieder auf dem Weg in ihre Brutgebiete
       
       Krru, krarr, hört man die Kraniche in diesen Tagen aus dem Himmel
       trompeten: Da sind wir wieder! Sie wirken dabei so stark und gut gelaunt,
       dass man fast ein bisschen wütend werden könnte. Schließlich ist es Ende
       Februar. Für Menschen, die den Winter in Deutschland verbracht haben, gibt
       es nicht gerade viele Gründe, stark und gut gelaunt zu sein.
       
       Die Kraniche haben da eine andere Ausgangslage: Jedes Jahr im Herbst
       fliegen sie gen Süden. Westeuropäische Kraniche haben sich die Extremadura
       in Westspanien als Hauptüberwinterungsregion ausgesucht. Laut
       Naturschutzbund bahnen sich die Vögel dort ihren Weg durch die Dehesas, die
       mediterranen Eichenwälder, und ernähren sich von den Früchten der Stein-
       und Korkeichen.
       
       Klingt fast so romantisch wie die [1][Erzählungen von digitalen
       Nomad*innen], die, bevor es zu Hause ungemütlich wird, nach Thailand
       oder Australien aufbrechen, um es sich dort so richtig gut gehen zu lassen.
       Alle paar Tage eine traditionelle Massage, Weihnachten am Strand, und dann
       geht es sonnengeküsst und wohlgenährt zum Frühlingsanfang wieder nach
       Hause. Eine wirklich gute Idee! Wenn man sich das leisten kann.
       
       Eine Realitätsflucht ist es für die Kraniche nicht, für sie geht es ums
       Überleben. Nach Afrika müssen sie dafür schon seit Langem nicht mehr
       ziehen, denn durch den Klimawandel werden die europäischen Winter für sie
       immer erträglicher. Wenig anspruchsvolle Kraniche überwintern sogar
       freiwillig im Nordosten Deutschlands, etwa in Moorgebieten in Brandenburg
       oder der Mecklenburgischen Seenplatte.
       
       Angesichts des beißenden Winters in vielen Teilen Deutschlands werden die
       Vögel ihr Bleiben mit großer Sicherheit bereut haben. Expert*innen
       beobachteten vor Weihnachten und Mitte Januar eine spontane Winterflucht
       [2][bei den Kranichen]. Während Kälte den Tieren nicht so viel ausmacht,
       sind Schnee und Eis ein größeres Problem. Die Vögel sind Allesfresser,
       ernähren sich im Winter aber besonders von Mais- und Getreideresten, die
       dann schwer zu finden sind.
       
       Also machten sich die Kraniche doch noch auf den Weg – ein Last-Minute-Flug
       sozusagen. Für die spanischen Eichenwälder waren sie deutlich zu spät dran,
       schließlich beginnen viele Kraniche schon im März mit der Brut. Zumindest
       schafften sie es aber bis nach Luxemburg oder Frankreich.
       
       Jene unter uns, die von Thailand, Australien oder Spanien nur träumen
       können, die sich an manchen Tagen dieses langen Winters wegen Glatteis oder
       Depressionen noch nicht mal trauten, einen Fuß vor ihre Wohnung zu setzen,
       sollten sich von den gut gelaunten Kranichen nun bloß nicht verunsichern
       lassen. Dass wir sie auf dem Weg zu ihren Brutrevieren in Skandinavien,
       Russland, Polen und den baltischen Staaten am Himmel beobachten und hören
       können, ist nämlich eine wirklich freudige Botschaft: Der Frühling kommt!
       
       27 Feb 2026
       
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