# taz.de -- Güterverkehr der Deutschen Bahn: Radikalumbau für DB-Sparte
> DB Cargo muss in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben, sonst
> droht das Aus. Nun wird fast die Hälfte aller Stellen gestrichen.
(IMG) Bild: Die Gütersparte der Bahn schreibt rote Zahlen
Die Zeit drängt. In diesem Jahr muss die bislang verlustreiche Gütersparte
der [1][Bahn], DB Cargo, wieder die Gewinnzone erreichen. Das ist eine
Vorgabe der EU-Kommission, die den Verlustausgleich durch den Bahnkonzern
nicht mehr erlaubt. Gelingt die Wende nicht, droht DB Cargo mit derzeit
noch 27.000 Beschäftigten in Europa, davon 14.000 in Deutschland, das Aus.
Bisherige Sanierungsversuche sind fehlgeschlagen. Nun nimmt der neue
Vorstandsvorsitzende der DB Cargo, Bernhard Osburg, einen neuen Anlauf.
„Das wird 2026 eine große Kraftanstrengung werden“, sagt der Manager. An
diesem Mittwoch hat er das Sanierungskonzept im Bahnaufsichtsrat und bei
den Arbeitnehmervertretern vorgestellt. Ende Februar soll ein externes
Gutachten den weiteren Kurs bestätigen.
Ein Kernelement des Konzepts ist ein weiterer starker Abbau von
Arbeitsplätzen bei DB Cargo. 6.200 Stellen will Osburg streichen. Betroffen
sind nahezu alle Bereiche des Unternehmens. Ziel ist eine deutliche
Produktivitätssteigerung auf das branchenübliche Maß. Denn hier hängt die
Bahn den Wettbewerbern hinterher. Ein Grund: In den angeschlagenen
Industriesparten Stahl, Automobile oder Chemie sind die Transportmengen
massiv zurückgegangen. Die Beschäftigung bei der Bahn blieb jedoch auf dem
gleichen Niveau.
Osburg setzt im Gegensatz zu seiner erfolglosen Vorgängerin Sigrid Nikutta
auf einen mittelfristigen Wachstumskurs. Nikutta hat vor allem durch
einmalige Maßnahmen wie den Verkauf von Lokomotiven die Bilanz verbessern
wollen. Ihr Sanierungskonzept ist bei externen Gutachtern durchgefallen.
[2][Sie musste daraufhin ihren Vorstandsposten räumen]. Künftig soll das
Geschäft von DB Cargo wieder auf Wachstum getrimmt werden. Das Ziel ist,
europaweit im Güterverkehr führend zu sein.
## DB Cargo derzeit noch in 17 Ländern vertreten
Denn stark ist das Transportgeschäft woanders, wie Osburg erklärt. Die
Automobilindustrie wird in Osteuropa immer stärker. In Deutschland wird
weniger Stahl hergestellt und mehr davon über die Häfen in den Niederlanden
oder Belgien importiert. Auch chemische Produkte müssen in größerem Umfang
als Importe zu den jeweiligen Käufern gebracht werden. Derzeit ist DB Cargo
in 17 Ländern vertreten, meist als zweitgrößter Schienentransporteur.
Mit dieser Strategie will Osburg wieder auf einen Wachstumskurs
zurückkehren. Die vergangenen Jahre waren durch eine sinkende
Verkehrsleistung und hohe Verluste gekennzeichnet. Noch im ersten Halbjahr
2025 lag das Minus im operativen Geschäft bei fast 100 Millionen Euro. Das
zweite Halbjahr lief deutlich besser. Unter dem Strich stand am Jahresende
ein kleiner zweistelliger Millionenbetrag.
Der Personalabbau soll nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern sich über
die kommenden Jahre erstrecken. Betriebsbedingte Kündigungen will die Bahn
vermeiden. Da fast jeder zweite Beschäftigte bei DB Cargo über 50 ist, wird
wohl auch die normale Fluktuation für den Abbau von Stellen genutzt. Das
tatsächliche Ausmaß muss Osburg nun mit den Gewerkschaften aushandeln.
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kündigt schon harte
Verhandlungen darüber an. „Niemand bestreitet, dass DB Cargo produktiver
werden muss“, sagt EVG-Sprecher Benjamin Köster, „aber 6.000 ist zu hoch“.
Zweifel gibt es auf Gewerkschaftsseite etwa an Stellenkürzungen in der
Planung und Disposition. Der Vorstand erhofft sich dagegen durch eine
vereinheitlichte Abwicklung von Aufträgen und einen stärkeren IT-Einsatz
Spareffekte. Allerdings ist auch der Gewerkschaft bewusst, dass ein
weiterer Personalabbau unvermeidlich ist. Schließlich drängt die Zeit.
Neben der europäischen Ausrichtung ist eine Konzentration des defizitären
Einzelwagenverkehrs auf vier große Standorte ein Kernelement des
Sanierungsplans. Dabei werden einzelne Waggons bei den Kunden abgeholt und
auf Rangierbahnhöfen dann zu ganzen Zügen zusammengesetzt. Am Zielort
werden die Züge wieder getrennt und die einzelnen Waggons zu den
Endabnehmern gebracht. Zurzeit werden die Züge noch auf 31 Rangierbahnhöfen
zusammengesetzt. Künftig findet die sogenannte Zugbildung vor allem in
Mannheim, Nürnberg, Köln-Gremberg und dem niedersächsischen Seelze statt.
Fünf weitere Rangierbahnhöfe bleiben als nachgelagerte Standorte erhalten
und werden zusammen mit weiteren Standorten nach Kapazitätsbedarf
betrieben. Deutlich gespart wird auch bei den Instandhaltungswerken. Von
noch 27 Werken werden 12 geschlossen oder verkauft. Trotzdem und obwohl
allein im Einzelwagenverkehr 2.000 von 7.000 Stellen fortfallen, bleibt das
Geschäft defizitär. Daran ändert auch die Förderung des Bundes nichts. 150
Millionen Euro schießt der Staat in diesem Jahr zu.
19 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Wolfgang Mulke
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(DIR) Deutsche Bahn (DB)
(DIR) Sicherheit
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