# taz.de -- Alkoholverbot im Nahverkehr: So einfach ist das nicht
> Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach schlägt ein
> Alkoholverbot im Nahverkehr vor. Sicherlich sinnvoll, aber ist es
> realistisch?
(IMG) Bild: In Brandenburg wird über ein Alkoholverbot in der Bahn diskutiert
Geht es nach Robert Crumbach, ist die Sache einfach: Mit einem
Alkoholverbot will er für mehr Sicherheit im Nahverkehr sorgen. Der
SPD-Infrastrukturminister in Brandenburg sagt im [1][Interview mit dem
Tagesspiegel], dass er den Hauptgrund für Sicherheitsprobleme im
Alkoholkonsum sehe und dass man darüber nachdenken müsse, ob man
Alkoholkonsum in Zügen, auf Bahnhöfen und Bahnsteigen künftig weiter
tolerieren wolle.
Insbesondere Frauen dürften dem Vorschlag positiv gegenüberstehen. Alkohol
senkt die Hemmschwelle für physische und verbale Übergriffe, was
insbesondere in Zügen bedrohlich wirken kann. Im Falle eines physischen
Übergriffs sind Frauen Männern oft unterlegen, empfinden also eher ein
Gefühl der Bedrohung und würden deswegen von einem Alkoholverbot durch ein
erhöhtes Sicherheitsgefühl profitieren.
Außerdem ist das Thema überaus aktuell. Nach einem tödlichen [2][Angriff
auf einen 36-jährigen Zugbegleiter] im Januar bekam die schlechte
Sicherheitslage für Bahnmitarbeiter*innen viel öffentliche
Aufmerksamkeit.
Im Februar veranstaltete die Deutsche Bahn deswegen einen
[3][Sicherheitsgipfel] und beschloss unter anderem, Bahn-Mitarbeitenden mit
Kundenkontakt Bodycams zur Verfügung zu stellen. Außerdem soll die
verpflichtende Ausweiskontrolle entfallen. Das Bahnpersonal soll bessere
Schutzausrüstung bekommen. Das von Brandenburg ins Spiel gebrachte
Alkoholverbot im Nahverkehr wäre eine weitere Maßnahme, die für mehr
Sicherheit sorgen soll. In Niedersachsen ist ein Alkoholverbot in
Regionalzügen bereits in Kraft.
Aber ist das auch sinnvoll und realistisch? Mit einem Alkoholverbot würden
auch Personen, die sich an einem Bahnhofskiosk bloß „ein Bier für
unterwegs“ kaufen, in Sippenhaft genommen. Bei vielen Menschen gibt es
darüber hinaus eine Abwehrhaltung gegen eine als erzieherisch empfundene
Verbotskultur.
Auf der anderen Seite ist es Bahnangestellten sicherlich angenehmer, wenn
Betrunkene im Zug nicht noch weiter Alkohol konsumieren oder wenn sie daran
gehindert werden können, alkoholisiert in den Zug zu steigen.
## Das Problem ist die Umsetzung
Das eigentliche Problem dürfte die Umsetzung sein. Für Bahn-Beschäftigte,
die allein im letzten Jahr rund 3.000 körperliche Übergriffe erlebt haben,
könnte die Durchsetzung eines Alkoholverbots eine zusätzliche Gefährdung
bedeuten.
Beim Sicherheitsgipfel scheiterte schon die Forderung der Gewerkschaften,
Kontrollen in Zweierteams durchzuführen, an fehlenden finanziellen Mitteln.
Mehr Personal für die Umsetzung eines Alkoholverbots dürfte also
unrealistisch sein.
Ein Alkoholverbot im Nahverkehr ist, so sinnvoll es sein mag, ein
realitätsferner Vorschlag.
Die Autorin (18) ist Schülerpraktikantin bei der taz.
10 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/potsdam/brandenburg/nach-angriffen-auf-zugbegleiter-brandenburgs-verkehrsminister-erwagt-alkoholverbot-in-zugen-15438662.html
(DIR) [2] /Nach-Angriff-auf-Zugbegleiter/!6153632
(DIR) [3] /Sicherheitsgipfel-Wie-die-Bahn-Zugbegleiter-schuetzen-will/!6154322
## AUTOREN
(DIR) Mila Kassem
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