# taz.de -- Die Wahrheit: Hoher I-Kuh, tiefe Einfalt
       
       > Der Gebrauch von Werkzeugen im Tierreich lässt trotz jüngster Erfolge
       > noch immer zu wünschen übrig.
       
 (IMG) Bild: Die kratzbürstige Kuh Veronika gilt unter Rindviechern schon als hochbegabt
       
       Als kürzlich eine Kuh namens Veronika zum Schrubber griff und sich damit
       den Rücken kratzte, überschlug sich die Medienwelt: „Clevere Kuh benutzt
       Werkzeug“ oder „Kluge Kärntner Kuh verblüfft Wissenschaft“, hieß es. Von
       der „klügsten Kuh der Welt“ war die Rede und vom „Wunderrind Veronika“.
       
       So weit, so gut, immerhin konnte sich das gefeierte Wunderrind mit dem
       Schrubber unerwartet Erleichterung verschaffen. Aber wie sieht es mit
       weitergehendem Werkzeuggebrauch aus? Kann die kluge Kuh einen Nagel in die
       Stallwand schlagen oder sich selbst melken?
       
       Und wie kommt es eigentlich, dass unsere ach so hoch gelobten Tiere beim
       einfachsten Werkzeuggebrauch regelmäßig kläglich versagen? Sind sie
       wirklich so blöd oder tun sie nur so? Aktuell kommt die Wissenschaft zu dem
       ernüchternden Urteil: Tiere sind wirklich so blöd!
       
       Kann der Fuchs einen Fuchsschwanz bedienen oder der Hammerhai einen Hammer?
       Und was macht der Laubfrosch mit der Laubsäge? Peinliches Schweigen in der
       Runde. Kann eine Schnecke mit einem Schneckenbohrer auch nur ein
       klitzekleines Loch bohren? Oder, Insekten aufgepasst, welches Kerbtier kann
       einen Kerbschnitzbeitel bedienen? Lieber benutzen die Kerfe ihre Mandibeln
       wie seit Urzeiten.
       
       Und vor dem Kneifzangengebrauch kneifen Kuh und Kerbtier gleichermaßen.
       Oder Schafe, wann endlich werden sie es lernen, sich selbst zu scheren,
       womit auch immer? Mit dem Scharfrichterbeil?
       
       ## Handy für Schafe
       
       Wenn sie wenigstens ein Handy benutzen könnten, um angreifende Problemwölfe
       zu fotografieren, die dann wiederum vom Menschen „entnommen“ werden
       könnten. Mit Präzisionswerkzeug, wie es die Menschen seit jeher tun. Dann
       Hütehunde. Auch keine große Herdenhilfe. Könnten die feinen Herrschaften
       nicht einmal lernen, auf Kochtöpfe zu schlagen und die Wolfsbrut mit
       infernalischem Lärm zu vertreiben? Nur mal so als Anregung.
       
       Oder die Oberversagerinnen, die Katzen – erwähnt sei hier nur der
       Dosenöffner. Oktopoden sind da geschickter, sie können sogar Einmachgläser
       öffnen, aber mit dem eingemachten Inhalt nix anfangen und bringen so die
       Tierwelt auch nicht viel weiter. Und was ist mit Gevatter Biber? Die Biber
       sind ja ganz manierliche Dammbauer. Aber nach getaner Arbeit könnte man ja
       auch einmal die überall herumliegenden Blätter und Äste zusammenfegen. Mit
       Besen und Handfeger. Das wäre ja auch keine große Sache.
       
       Die Bohrmuschel wollen wir von der Werkzeugkritik einmal ausnehmen, sie
       braucht eben keinen Bohrer, um Schiffe zu versenken. Geht ja auch so. Aber
       die vermeintlich „klugen“ Hunde, was können die eigentlich, außer Stöckchen
       zu apportieren? Wann baut sich endlich der erste Golden Retriever seine
       eigene Hundehütte? Das wäre ein fälliger Schritt zur Selbstdomestizierung.
       Schöner Hundeleben.
       
       Und wann lernt endlich der erste Orang-Utan unfallfrei eine Kettensäge zu
       bedienen und den Regenwald selbsttätig zu dezimieren? Solange der Mensch
       noch immer alles selber machen muss, sollten wir uns zurückhalten mit
       übertriebenen Ovationen zum Werkzeuggebrauch von klugen Kühen. Und was
       würde überhaupt Veronika dazu sagen? Vermutlich nichts, aber sie würde sich
       ausgiebig am Kopf kratzen.
       
       13 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kriki
       
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