# taz.de -- Die Wahrheit: Bedrohlicher Schlupf
       
       > Neues von der Schratzelforschung: Der Ursprung der rund tausend Jahre
       > alten Erdlöcher bleibt im Dunkeln.
       
 (IMG) Bild: Jeglicher Schratzelforscher fährt selbst in seine Schratzelhöhle ein
       
       Schratzellöcher? So heißen rätselhafte Erdlöcher, die meist im Voralpenraum
       gefunden wurden. Diese gegrabenen Erdlöcher sind der Höhlenforschung ein
       paar Jahrhunderte komplett durchgeschlüpft, dabei gibt es immerhin 800
       verbürgte Schratzellöcher.
       
       So ein Schratzelloch leitet sich vom Schrat oder Schratzl ab, dem kleinen
       Schrat, den wir alle aus den „Mecki“-Geschichten kennen. Ein Schratzelloch
       hat meist einen Vertikalschlupf als Eingang, enge Schleißröhren und
       keinerlei Stützwerk. Zwischen 20 und 100 Meter Länge hat so ein
       Erdweibelsschlupf oder Zwergloch und ist ebenso eng wie bedrohlich, wenn es
       von Besuchern mühsam durchkrochen werden muss.
       
       Wissenschaftlich seriös werden diese Löcher im tiefen Berg „Erdställe“
       genannt, was einfach Stelle in der Erde bedeutet. Alle Erdställe wurden vor
       rund tausend Jahren angelegt und dann völlig vergessen. Mit Absicht? Das
       weiß kein Schrat. So gab es bis zur Neuzeit keinerlei schriftliche
       Erwähnung der rätselhaften Schratzellöcher. Die neuere Schlupf- und
       Schratzelforschung könnte Licht in das Dunkel der Erdgänge bringen, kommt
       bei dem Vorhaben aber auch nicht recht voran. Meist sind die
       Schratzelforscher verschrobene Einzelgänger, die wenig von ihrem Wissen
       preisgeben und von der restlichen Forschergemeinde zu recht meist
       argwöhnisch betrachtet werden.
       
       ## Untergruppe von Forschern
       
       Schratzelforscher sind eine sonderliche Untergruppe unter den
       Höhlenforschern, die ja schon sonderbar genug sind und die sich Höfos
       nennen. Die Höhlenforschung ist sonst eher der praktische Zweig einer
       verkopften Wissenschaftswelt. So sind alle Schratzelforscher höchstselbst
       in „ihre“ Schratzellöcher eingefahren, um diese akribisch zu untersuchen.
       Das ist nichts für Menschen mit Tiefenangst, Klaustrophobie und
       Beklemmungsneigung, denn die meisten Schratzelgänge sind zu schmal, um
       gemütlich durchzuschlüpfen. Frei nach dem Motto „Wo der Kopf durchpasst,
       muss auch der Rumpf durchpassen“, schlängelt sich der Forscher schimpfend
       und schauernd durch die enge Unterwelt.
       
       Die engen Gänge sind aber nicht nur beklemmend, sie sind auch zu
       unpraktisch, um Vorräte zu bunkern. Wozu, zum Teufel, waren dann einst die
       unterirdischen Schratzeln gut? Dabei sind diese Schratzelgänge durchaus
       bergmännisch versiert angelegt, und man glaubt sofort, dass sie von einem
       kleinwüchsigen Schratzelvolk gebaut worden sein könnten. Doch wurde nie
       eine Zwergenspur in den verschachtelten Gangsystemen gefunden, geschweige
       denn ein Zwerg selbst.
       
       So ein Schratzelloch ist für Durchkriecher sehr bedrohlich. Sollten die
       Schratzeln als Mutprobengänge angelegt worden sein? Gibt es deshalb keinen
       Ausgang aus dem Schratzelrinth? Oder wurden die Gänge von Bergleuten als
       Gesellenstück angelegt, mit dem sie sich für größere Grabungen
       qualifizierten? Und wie konnte all dieses unterirdische Treiben so lange
       geheim gehalten werden? Dazu befragte Schratzelforscher blicken dann meist
       beredt beiseite und murmeln unverständlich das eine oder andere. Tausend
       Jahre hat man bisher die Geheimnisse der Schratzellöcher geheim gehalten,
       da wird das wohl auch noch weitere tausend Jahre klappen!
       
       31 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
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