# taz.de -- Die Wahrheit: Wie aus dem Kuhei gepellt
> Das verblüffende Phänomen kugeliger Erscheinungen und verfilzter Globuli
> im Inneren von Tieren – und das nicht nur zur Osterzeit.
(IMG) Bild: Recht kugelig schaut die Kuh auf der Alm Foto: ap
„Nichts machte uns Buben mehr Freude, als wenn wir dem Metzger unseres
Städtchens beim Schlachten zusehen durften“, eröffnet Georg Stehli 1929
seinen Bericht über ein seltsames Filz-Phänomen. Aufgeregt berichtet er
über die „wunderbaren, kugeligen, apfelgroßen Bälle“, die der Metzger aus
dem Magen der Kühe schnitt. Diese überließ der Fleischer dann gern seiner
jugendlichen Zuschauerschar zum anschließenden Ballspiel.
Die ballspielenden Buben untersuchten die sonderbaren Filzkugeln als Erstes
genau und schnitten sie im jugendlichen Forscherdrang entzwei. Dabei
stellte sich heraus, dass der vermeintliche Ball aus Haar und
Pflanzenteilen bestand, die sich aus einem grauweißen Filz zusammensetzten.
Der jugendfreundliche Metzger nannte die Filzbälle kurz „Kuheier“, der
örtliche Bezirkstierarzt bezeichnete sie prosaisch als „Kotsteine“.
Doch dieser Begriff täuscht, denn die Filzkugeln haben keinen Kotanteil und
entstehen beim freundschaftlichen Belecken der Kühe untereinander. Dabei
reißen sie mit ihrer kräftigen Zunge ihrem Gegenüber ganze Haarbüschel aus
und schlucken sie herunter. Durch die ständige Magentätigkeit werden diese
dann immer wieder durcheinander gewalkt und so zu rauhaarigen Filzkugeln
geformt. In den Magenruhephasen überziehen sich die Filzkugeln mit einer
härteren, trockenen Kruste und bilden so einen perfekten Spielball.
Leider sind diese Bälle zur Verwendung als Fußball zu klein und zu groß für
den Gebrauch als Tennisball, weshalb das anfängliche Interesse der Jugend
an den Kuheiern nachließ. Die Besuche beim Ortsmetzger kamen aus der Mode,
und so gerieten die erstaunlichen Kuheier in Vergessenheit und teilen das
Schicksal mit den sogenannten Seebällen.
## Bälle aus der Brandung
Das sind Kugeln aus dem Laichkraut Posidonia, die im Mittelmeer in der
Brandung zu ähnlichen Filzbällen geformt werden. Getrocknet werden diese
von Fachleuten als „natürliche Gebäudedämmung“ angepriesen, das Problem ist
nur, dass es mehr Gebäude als Seebälle gibt.
Wenn man jedoch die Kuheier zu den Seebällen dazuzählt, sieht das
Verhältnis gleich freundlicher aus. Und wenn man dazu auch noch weiß, dass
Schafe und Ziegen ebenfalls Filzbälle im Magen tragen, ergibt sich durchaus
eine energetische Alternative zur herkömmlichen Wärmedämmung.
Wir sollten mehr jugendliche Forschernaturen in die Metzgereien der
Umgebung schicken, denn Stallhasen, Pferde, Esel und Schweine wurden ja
noch nicht einmal auf kugelige Verfilzungen untersucht. Da könnte doch noch
etwas gehen.
Oder wie wäre es mit einer Tierhandlungsbesuchsoffensive der engagierten
Jugendforscher? Kleinvieh macht schließlich auch Mist! Und viele kleine
Filzeier. Wie wäre es zudem mit intensiven Zoobesuchen, gerade im
Streichelzoo werden ja bündelweise Haarbüschel ausgestreichelt. Irgendwo
müssen die ja auch bleiben. Aus den Fellhaaren manches Katzentiers wurden
schon Pullover gestrickt.
Und was ist mit den riesigen Rentierherden im hohen Norden, ist das nicht
ein gigantisches ungenutztes Rentier-Ei-Potenzial? Ein ungehobener
Filzfundgrubenschatz? Und wie sieht es eigentlich mit der AfD aus, hat die
schon mal jemand auf Filzeier untersucht? Zeit wäre es dringend.
1 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Kriki
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