# taz.de -- Kollaps unter US-Landwirten: Wie Trump die US-Landwirtschaft zugrunde richtet
> Hochrangige Repräsentanten warnen vor einem flächendeckenden Kollaps,
> immer mehr Bauernhöfe gehen bankrott. Importzölle lassen die Kosten für
> Düngemittel explodieren.
(IMG) Bild: Ernte von Sojabohnen auf einer Farm in Missouri
John Harris hat derzeit selten gute Laune. „Es ist keine gute Zeit, um
[1][Bauer in Missouri] zu sein“, sagt er mit betretener Stimme. „Ich kenne
hier niemanden mehr, der nicht im Laufe dieses Jahres darüber nachdenken
muss, aufzugeben.“
Harris heißt eigentlich anders, will aber anonym bleiben. Er ist in der
fünften Generation Bauer im Columbia County, einem von der Landwirtschaft
geprägten Bezirk im Herzen des US-Bundesstaates Missouri. Nach Texas ist
das der zweitgrößte Agrarstaat des Landes. Das Gros der Höfe hier und in
den gesamten USA sind Familienbetriebe wie der von Harris. Dieser Tage ist
die Branche existenziell bedroht.
So schrieb in der vergangenen Woche eine Gruppe hochrangiger Repräsentanten
der Landwirtschaft aus beiden Parteien einen alarmierenden Brief an den
US-amerikanischen Kongress. Unter den Autoren sind etwa die Anführer von
Branchenvereinigungen und ehemalige Vorstände der nationalen
Landwirtschaftsbehörde USDA.
In dem Schriftstück warnen sie vor einem „flächendeckenden Kollaps“ der
US-amerikanischen Landwirtschaft: „Die Zahl der Bankrotte amerikanischer
Bauernhöfe hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt. Von den übrigen
arbeiten weniger als die Hälfte noch profitabel. Die US-Landwirtschaft hat
ein historisches Außenhandelsdefizit.“ Ein scharfer Kontrast zum Zustand
der Branche vor noch wenigen Jahren, als die US-Landwirtschaft
Rekordexporte erzielte und die Bauern solide Gewinne einfuhren.
## Viele der Landwirte haben Trump gewählt
Viele der Landwirte haben US-Präsident Donald Trump gewählt. Und während
die Gründe für die Landwirtschaftskrise den Agrar-Vertretern zufolge
vielschichtig sind, sei es eindeutig klar, dass Trumps Politik die Krise
der US-amerikanischen Bauern dramatisch verschlimmert hat. [2][Importzölle
hätten Düngemittel unerschwinglich gemacht und Exporte erschwert].
Gleichzeitig habe die aggressive Einwanderungspolitik der Regierung die
Bauern von bezahlbaren Arbeitskräften abgeschnitten. Schließlich habe die
Aushöhlung der USDA die Abwicklung von Zuschüssen und Förderungen verzögert
und die überlebenswichtige Forschung lahmgelegt.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters läuft nun das dritte Jahr, in dem für
US-amerikanische Bauern die Kosten der Produktion die Erträge übersteigen.
Der Rückgang an Exporten nach China, dem einst größten Abnehmer von
US-Landwirtschaftsprodukten, und Lateinamerika hat die Preise für Produkte
wie Sojabohnen, Mais und Weizen dramatisch gesenkt. US-Bauern produzieren
Überschüsse, auf denen sie sitzen blieben.
In einigen Bundesstaaten erwägt die Regierung bereits, die Bauern dafür zu
bezahlen, ihre Ernte zu vernichten. Ehemalige Handelspartner wie China und
Europa haben sich schlicht anders orientiert. Landwirtschaftsprodukte
beziehen sie nun anderswo, insbesondere in Brasilien und Argentinien. Die
Sojaproduktion etwa ist in Brasilien in den vergangenen fünf Jahren um ein
Fünftel gestiegen, während die Produktion in den USA um die Hälfte gesunken
ist.
Die Produktionspreise sind gleichzeitig ins Astronomische gestiegen. So
berichtet das Fachportal Farm News, dass die Kosten von Saatgut in fünf
Jahren um 18 Prozent, von Düngemitteln um 37 Prozent, von Pestiziden um 25
Prozent und von Maschinen um 23 Prozent gestiegen sind.
Der Ausblick für 2026 bleibt trübe. Die USDA hat errechnet, dass die
Produktionskosten um 3 Prozent steigen, während die Erlöse für Soja und
Mais um bis zu 20 Prozent unter dem Niveau liegen, bei dem Bauern auch nur
auf ihre Kosten kommen. Wirtschaftswissenschaftler der North Dakota State
University sagen voraus, dass Bauern in diesem Jahr zwischen 35 und 45
Milliarden US-Dollar verlieren.
„Man kann einmal ein, maximal zwei schlechte Jahre durchhalten“, meint John
aus Missouri. Ab dem dritten Jahr werde es jedoch eng. Viele Bauern können
die Kredite nicht mehr bedienen, die sie im Frühjahr in der Hoffnung auf
gute Erlöse im Herbst aufnehmen, um Düngemittel und Maschinen zu
finanzieren. Ihre Kreditwürdigkeit wird dabei immer schlechter.
Die 12 Milliarden US-Dollar [3][Nothilfe, die Trump den Bauern bewilligt
hat, um die Folgen seiner eigenen Handelspolitik zu dämpfen], helfen da
kaum weiter. Die Nothilfe würde allein bei den Verlusten in diesem Jahr nur
30 Prozent abdecken. Reisfarmer in Mississippi berichteten der Zeitung New
York Times, dass die Beihilfe ihnen pro amerikanischem Acre (was 0,4 Hektar
entspricht) 132 US-Dollar bringt. Die Verluste lägen jedoch bei rund 1.000
US-Dollar.
John Harris aus Missouri glaubt derweil, dass Trumps Politik nur marginal
zur derzeitigen Krise beiträgt. Das größte Problem für die US-amerikanische
Landwirtschaft sei der Trend zur Konzentration der Branche. Mittlerweile
würden drei Konzerne den gesamten Düngemittelmarkt und somit die Preise
kontrollieren. „Früher sind die Einsatzpreise mit den Produktpreisen hoch-
und runtergegangen.“ Diese Zeiten seien nun vorbei.
Auch die Branchenexperten in ihrem Hilferuf an den Kongress attestieren
mehrere Gründe für das Höfesterben. Teils haben die Trends vor Trumps
aktueller Amtszeit begonnen. Aber seine chaotische Politik ist dabei, den
Niedergang dramatisch zu beschleunigen.
12 Feb 2026
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## AUTOREN
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