# taz.de -- Medienberichte über Olympiasportler: Wer schmiert unseren Assen eigentlich die Butterbrote?
       
       > „Emma und ihre Mama“, „der Papa von Finn“: Profisportler:innen
       > werden wie Teenager präsentiert, die endlich mal ihr Zimmer aufräumen
       > sollen. Dabei sind es erwachsene Menschen.
       
 (IMG) Bild: Eigentlich Profi- und Weltklasseathletin: Emma Aicher
       
       Was ist noch mitreißender als steile Abfahrten, Vierfachsprünge auf dem Eis
       oder die letzten Minuten eines noch nicht entschiedenen Eishockeymatchs?
       Ist doch klar: Boulevard.
       
       Da gibt es die tragischen Geschichten von beim Flugzeugabsturz verstorbenen
       Eltern oder tot im Zimmer aufgefundenen Teamkollegen. Aber auch süße Kinder
       wie etwa das „Curling-Baby“ des Schweizer Mixed-[1][Curling]-Duos, das laut
       NBC mit zwei Jahren „in Cortina allen die Show stiehlt“.
       
       Oder die lustige Vater-Sohn-Wette, wegen der der Vater von
       [2][Eisschnellläufer] Finn Sonnekalb über 1.000 Kilometer mit dem Fahrrad
       von Erfurt bis nach Mailand gefahren ist. Und – man stelle sich vor! – für
       Mexiko startet im Riesenslalom sogar das erste Mutter-Sohn-Duo ever bei
       Olympischen Winterspielen.
       
       Es ist eben eine große Sportfamilie, die da in Norditalien zusammengekommen
       ist. Und wenn jemand mal einen Erfolg feiert, dann sollten sich dazu nicht
       nur die Sportler:innen äußern, sondern am besten gleich noch der große
       Bruder, die Mutter und der Großvater. Und die scheinen auch überhaupt kein
       Problem damit zu haben.
       
       ## Fleischbällchen als Belohnung
       
       Ist doch klar, dass sich die boulevardverliebte Bild-Zeitung so etwas nicht
       nehmen lässt. „Jetzt spricht die Mama von Silber-Emma!“, titelte sie am
       vergangenen Dienstag. In dem exklusiven Interview ging es dann auch nur am
       Rande um Sport.
       
       Dafür erfahren wir von Mama Viktoria, dass ihre Tochter [3][Emma (Aicher)]
       schon immer meist die Ruhe weg hatte. Aber wehe man sie fragt, ob sie ihr
       Zimmer aufgeräumt habe! Und dann kündigt Emmas Mama sogar noch eine
       Belohnung für die gewonnenen Medaillen an: „Wenn sie nach Hause kommt,
       mache ich ihr vielleicht schwedische Fleischbällchen.“
       
       Wie alt ist Emma? Geht sie noch zur Schule? Ist sie einverstanden damit,
       dass so über sie geredet wird?
       
       Bei der Berichterstattung aus [4][Mailand und Cortina] könnte man wirklich
       das Gefühl bekommen, es handle sich hier nicht um die offiziellen
       Olympischen Spiele für Erwachsene, sondern um eine Nachwuchsvariante für
       angehende Wintersportler:innen, die für den Wettkampf immer noch die Brote
       von Mama geschmiert bekommen.
       
       ## Eltern auf der Trainerbank – nichts Neues
       
       Klar, viele Sportler:innen haben ihre Karriere auch der großen
       Unterstützung ihrer Eltern zu verdanken, das ist sicher. Es ist auch nichts
       Neues, dass ein Elternteil bei Olympischen Spielen mit auf der Trainerbank
       sitzt. So wie es jetzt zum Beispiel beim „Vierfachgott“ des Eiskunstlaufs
       Ilia Malinin wieder der Fall ist.
       
       Und viele Sportler:innen sehen eben auch noch verdammt jung aus.
       Trotzdem haben sie das Recht, als das wahrgenommen zu werden, was sie sind:
       erwachsene Profisportler:innen.
       
       Wobei, wenn man genauer drüber nachdenkt, ob sich jetzt die Eltern oder die
       Sportler:innen selbst äußern. Die Sätze lauten am Ende immer ähnlich:
       „Ich bin erleichtert, es war wirklich schön. Es war kalt, aber jetzt bin
       ich da, cool.“
       
       Dieser stammt zum Beispiel nicht von Finn Sonnekalb selbst, sondern von
       seinem Vater. Kurz nach seiner Ankunft in Mailand.
       
       12 Feb 2026
       
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