# taz.de -- Kommunale Verpackungsteuer in Osnabrück: „Ex und hopp“ und seine Freunde
> Osnabrück hat eine kommunale Steuer auf Einwegverpackungen beschlossen.
> Teile der Politik und der Wirtschaft attackieren das Vorhaben.
(IMG) Bild: Eine Plage, der schwer Herr zu werden ist: Verpackungsmüll
Jeder kennt das: Man kauft sich ein Getränk oder einen Snack, isst und
trinkt im Weitergehen, danach ist die Verpackung ein Fall für die
Stadtreinigung. Das verschwendet Ressourcen. Das verursacht
Entsorgungskosten.
Ein Mittel dagegen ist eine Kommunalsteuer auf Einwegverpackungen.
Osnabrück hat sie Ende 2025 beschlossen, initiiert durch Robert Alferink,
Vizechef der SPD-Ratsfraktion. Auch die Grünen und Volt waren dafür, Die
Linke, der Parteilose Kalla Wefel – kurz: die „Progressivkräfte der Stadt“,
wie Alferink sagt. Derzeit arbeitet die Verwaltung an einem
Satzungsentwurf. Ab Januar 2027 soll die Steuer greifen und der Stadt pro
Jahr rund 1 Million Euro einbringen.
Osnabrück ist damit einer der Vorreiter in Deutschland, nach Tübinger
Vorbild. Die Stadt hat sich für das entschieden, was die Deutsche
Umwelthilfe (DUH) als „eine der wirksamsten Maßnahmen gegen unnötigen
Abfall und zur Förderung klimafreundlicher Mehrwegalternativen“ bezeichnet.
Der Deutsche Städtetag sieht das ähnlich.
Die Steuer, sagt Alferink, sei „ein Mittel, die Stadt attraktiver zu
machen“. Doch wie die [1][jüngst mit derselben Mehrheit beschlossene
Osnabrücker Baumschutzsatzung] könnte auch die Verpackungsteuer nur
kurzlebig sein. Geht die im Herbst anstehende Kommunalwahl gegen Grüne und
SPD aus, steht die neue Steuer womöglich auf der Kippe.
## Bürgermeisterin fürchtet Aufwand
Die örtliche CDU lehnt sie ab, ebenso die AfD und die Ratsgruppe FDP/UWG.
Auch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) ist dagegen: Sie halte die
lokale Steuer „für nicht zielführend“, schreibt sie der taz. „Sie
verursacht einen erheblichen bürokratischen Aufwand für Verwaltung und
Betriebe und geht mit zusätzlichen Kosten für die Stadt einher – bei
ungewissem ökologischem Effekt.“
Zu erwarten sei, „dass die Mehrbelastungen weitgehend an die Kundinnen und
Kunden weitergegeben werden müssen“. Das könne „die Attraktivität unserer
Innenstadt schwächen und bestehende wirtschaftliche Herausforderungen für
Gastronomie und Handel weiter verschärfen“. Eine [2][Verpackungsteuer führe
„nicht automatisch] zu mehr Mehrweg oder zu einer messbaren Reduzierung von
Abfällen“. Pötter setzt auf eine „bundesweit einheitliche Regelung“. Bis
die kommt, wenn überhaupt, kann es dauern.
Ende 2025 hatte der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) die
Osnabrücker Planungen zum Anlass genommen, zu prophezeien, durch die neue
Steuer würden „neue Probleme geschaffen, darunter erheblicher
Bürokratiemehraufwand, finanzielle Belastungen für Bürgerinnen und Bürger
sowie Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten der lokalen Betriebe“. Jüngst hat
er in Osnabrück einen runden Tisch gegen die Steuer abgehalten. Das zeigt,
wie sehr die Stadt derzeit im Fokus der Debatte steht.
„Seit Jahren diskutieren wir über Müllvermeidung, seit 2023 gibt es eine
Pflicht zum Mehrwegangebot“, schreibt Jurek Milde der taz, Geschäftsführer
der Ratsfraktion der Grünen. „Geholfen hat das nicht.“ Noch immer liege
viel [3][zu viel Verpackungsmüll] herum. Die Kosten der Müllentsorgung
trage die Allgemeinheit. Das sei nicht gerecht. „Deshalb wollen wir
gegensteuern“, schreibt Milde. „Wer Mehrweg nutzt, hat den Vorteil, wer
Müll verursacht, zahlt dafür künftig etwas.“
Mehreinnahmen? Weniger Müll? Die Stadt Osnabrück sehe darin potenzielle
Vorteile, sagt ihr Sprecher Constantin Binder. Zu den Nachteilen zähle,
dass Steuergerechtigkeit „nur schwer gewährleistet“ werden könne, es seien
„kaum wirksame Kontrollmöglichkeiten“ gegeben.
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) reiht sich bei den Gegnern der neuen
Steuer ein. Sie bringe „mehr Bürokratie und höhere Kostenbelastungen“,
schreibt Marco Graf, Hauptgeschäftsführer der [4][IHK Osnabrück – Emsland –
Grafschaft Bentheim], in einer Erklärung. „Die Vermeidung von Abfall oder
gar Impulse, die Gastronomie und Handel voranbringen und zu attraktiven
Innenstädten führen, sind dagegen kaum zu erwarten.“
Eine IHK-Umfrage habe ergeben: Über 80 Prozent der potenziell betroffenen
Unternehmen lehnen die Einführung einer Verpackungsteuer ab.
Eine Erklärung von Grünen, SPD und Volt wirft der IHK Dramatisierung vor.
Man lade sie ein, „konstruktiv mitzugestalten“, statt „eigene Vorschläge
schlechtzureden“.
12 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Baumschutz-in-Osnabrueck/!6149138
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(DIR) [3] /Blauer-Engel-vergeben/!6152594
(DIR) [4] https://www.ihk.de/osnabrueck/
## AUTOREN
(DIR) Harff-Peter Schönherr
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