# taz.de -- Häusliche Gewalt: Verdächtige kommen selten vor Gericht
> Obwohl mehr Fälle von häuslicher Gewalt bei den Staatsanwaltschaften
> landen, kommt es kaum zu Verurteilungen. Das zeigt eine Medienrecherche.
(IMG) Bild: Obwohl Fälle häuslicher Gewalt mehr Öffentlichkeit bekommen, kommen viele Täter:innen weiter davon
dpa | Die Staatsanwaltschaften in Berlin und Brandenburg bekommen zunehmend
Verfahren [1][zu häuslicher Gewalt] auf den Tisch. Die meisten Ermittlungen
wegen familiärer Gewalt und Partnerschaftsgewalt werden in der Folge jedoch
eingestellt, [2][wie der RBB unter Berufung auf Daten der
Staatsanwaltschaft Berlin und der Generalstaatsanwaltschaft Brandenburg
berichtet].
Demnach ist die Zahl der Verfahren in der Hauptstadt seit 2021 stetig
gestiegen: von etwa 11.000 auf rund 15.000 Fälle 2024. In Brandenburg
bewegt sich die Zahl der Verfahren demnach im selben Zeitraum auf einem
Niveau zwischen 2.500 und 3.000 jährlich.
Für die meisten der Beschuldigten hat das aber offenbar keine Konsequenzen.
So wurde die Mehrzahl der Fälle in beiden Bundesländern eingestellt. In
Brandenburg lag die Einstellungsquote im Jahr 2024 bei 86 Prozent, in
Berlin bei 76 Prozent.
## Zur Anklage kommt es selten
Noch seltener kommt es zu einer Anklage: In der Hauptstadt in lediglich 3
Prozent der Fälle, in Brandenburg waren es 6 Prozent. Ein Teil der
Verfahren endet mit Strafbefehlen, die auf Antrag der Staatsanwaltschaft
auch ohne mündliche Verhandlung erlassen werden können. Von 2021 bis 2024
wurden in Berlin 5 Prozent und in Brandenburg 3 Prozent der Verfahren auf
diese Art beendet – in den meisten Fällen mit einer Geldstrafe.
Nach Zahlen der Polizei wurden in Berlin im Jahr 2024 mehr Fälle von Gewalt
in Partnerschaft und Familie bekannt. Insgesamt wurden laut Statistik
19.213 Opfer registriert, 429 mehr als im Jahr zuvor.
In Brandenburg erreichten die registrierten Fälle häuslicher Gewalt im Jahr
2024 den Angaben zufolge mit 6.790 den höchsten Stand seit fünf Jahren.
Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.
## Schwierige Ermittlungen
Die Ermittlungen sind nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft
häufig schwierig – unter anderem, weil Aussage gegen Aussage steht. In
vielen Fällen ziehen Opfer auch ihre Aussagen zurück oder machen von ihrem
Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.
Nach Einschätzung von Hilfseinrichtungen geschieht das oft aus [3][Angst
vor einem langen und zermürbenden Gerichtsverfahren], wie der RBB schreibt.
Auch finanzielle Abhängigkeit vom gewalttätigen Partner oder Sorge um die
Sicherheit der gemeinsamen Kinder seien Gründe.
9 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /haeusliche-Gewalt/!t5014590
(DIR) [2] https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2026/02/berlin-brandenburg-haeusliche-gewalt-strafverfahren-wenige-anzeigen.html
(DIR) [3] /Streit-um-das-Sorgerecht/!6129933
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