# taz.de -- Rücktritt von WEF-Chef Børge Brende: Noch einer fällt über die Epstein Files
> Sein Name war in den Epstein Files aufgetaucht – jetzt nimmt der WEF-Chef
> den Hut. Eine Kommission soll die Verstrickungen der norwegischen Elite
> untersuchen.
(IMG) Bild: Epstein-Skandal: Der Norweger Børge Brende, Präsident und CEO des Weltwirtschaftsforums (WEF), tritt zurück
Das Weltwirtschaftsforum braucht einen neuen Präsidenten: Børge Brende
tritt nach achteinhalb Jahren zurück von dem internationalen Topposten. Die
Entscheidung sei nach „sorgfältiger Überlegung“ gefallen, sagte der
Norweger laut einer Pressemitteilung vom Donnerstag. Es sei der richtige
Zeitpunkt für das Forum, die Arbeit „ohne Ablenkungen“ fortzusetzen.
Den Namen Jeffrey Epstein erwähnt Brende dabei nicht. Ebenso wenig wie der
WEF-Vorstand, der in derselben Mitteilung die Verdienste seines nun
ehemaligen Präsidenten hervorhebt. Man respektiere seine Entscheidung. Am
Ende wird kurz angemerkt, dass eine in unabhängige Untersuchung zur Sache
inzwischen abgeschlossen sei. Die habe über das bereits Bekannte hinaus
nichts ergeben.
Børge Brende zählt zu der Gruppe von norwegischen Diplomaten und
Ex-Politikern in internationalen Topjobs, die mit der Veröffentlichung von
Epstein-Ermittlungsakten Ende Januar in große Erklärungsnot gekommen waren.
Auch Brende, unter anderem einst norwegischer Außenminister, hatte seine
Epstein-Kontakte verschwiegen, solange es ging.
Seit Ende Januar war er um Schadenbegrenzung bemüht. Er äußerte sich
reumütig, sagte er hätte sich besser informieren müssen über diesen
„amerikanischen Geschäftsmann“, der ihm von Terje Rød-Larsen vorgestellt
worden sei – einem der anderen großen Namen in Norwegens Epstein-Skandal.
## Abendessen und Mailverkehr
Die Rede ist bei Brende von mehreren Abendessen und anschließendem SMS- und
Mail-Austausch mit Epstein. Der norwegische Rundfunk NRK berichtete von
einem solchen Austausch, bei dem Epstein dem Norweger vorgeschlagen habe,
das Weltwirtschaftsforum könne die UN ersetzen. „Genau – wir brauchen eine
neue globale Architektur“, zitiert NRK aus Brendes Antwort. „Das
Weltwirtschaftsforum (Davos) ist in einer einzigartigen Position –
öffentlich und privat. Alles Gute, Børge.“
In den vergangenen Wochen hatte Brende betont, dass er nichts von Epsteins
kriminellen Taten und Vergangenheit gewusst habe. „Sonst hätte ich ihn
selbstverständlich nie getroffen.“ Epstein sei ein Monster gewesen, sagte
Brende laut NRK in einer schriftlichen Äußerung an den Sender. Von
möglichem Rücktritt war zunächst überhaupt nicht die Rede gewesen.
Anders im Fall Mona Juul. Die im Land bis dahin sehr beliebte Topdiplomatin
wurde Anfang Februar zunächst beurlaubt, bevor sie selbst ihre Ämter als
Botschafterin niederlegte. Wie eng und über wie lange Zeit sie und ihr Mann
Terje Rød-Larsen mit Epstein verbunden waren, gehörte zu den schockierenden
Erkenntnissen aus den veröffentlichten Akten. Die beiden Kinder des Paares
standen demnach in Epsteins Testament, sollten je fünf Millionen Dollar
erben.
Gegen Juul wird nun wegen schwerer Korruption ermittelt, gegen ihren Mann
wegen Beihilfe. Sie und er, ehemaliger norwegischer Politiker und Diplomat,
waren nicht zuletzt für ihre Rolle im sogenannten Oslo-Friedensprozess in
den 1990er-Jahren bekannt. Rød-Larsen hatte sich schon 2020 aus der Leitung
des New Yorker Thinktanks International Peace Institute (IPI)
zurückgezogen, nachdem [1][Verbindungen zu Epstein] und dessen finanzielle
Unterstützung für IPI bekannt geworden waren.
## Der Elite auf den Grund gehen
Wegen des Verdachts auf schwere Korruption wird auch gegen den ehemaligen
Ministerpräsidenten und späteren langjährigen Generalsekretär des
Europarats Thorbjørn Jagland ermittelt. Dessen Familie soll etwa mehrfach
Epsteins Wohnungen in Paris und New York genutzt haben sowie sich
Reisekosten bezahlen lassen haben.
Die Einblicke in ungeahnte Abgründe sorgten in Norwegen nachhaltig für
Empörung. Durch das nun bekannt gewordene, befremdlich vertrauliche
Verhältnis von Kronprinzessin Mette-Marit zu Epstein [2][steht auch das
Königshaus unter Druck]. Das Land ist stolz auf seine starke und
korruptionsarme Demokratie.
Nun soll unter anderem eine unabhängige Untersuchungskommission den
[3][Epstein-Verbindungen aus der Elite des Landes auf den Grund gehen]. Im
norwegischen Parlament findet sich zudem seit Kurzem erstmals eine Mehrheit
für die Einführung eines Lobbyregisters.
Und nicht nur in Norwegen sorgen die veröffentlichten Epstein-Files
weiterhin für Aufregung. Gerade erst räumte Microsoft-Gründer Bill Gates
Affären mit zwei russischen Frauen ein, die er zuvor vehement geleugnet
hatte. Am Donnerstag und Freitag werden Ex-Präsident Bill Clinton und seine
Frau Hillary in der Causa Epstein vor einem Ausschuss des
Repräsentantenhauses aussagen.
26 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anne Diekhoff
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