# taz.de -- Frankreichs Ex-Kulturminister Jack Lang: Mitgegangen, mitgehangen?
       
       > Der ehemalige französische Kulturminister Jack Lang gibt wegen
       > Epstein-Beziehungen sein Kulturamt auf. Schon vorher wurde ihm Pädophilie
       > nachgesagt.
       
 (IMG) Bild: Woody Allen habe ihm Epstein vorgestellt: Jack Lang am 15. Februar 2022 in Paris
       
       Wie von einer „Dampfwalze“ sei der 86-jährige Jack Lang überrollt worden,
       sagte ein Bekannter des ehemaligen französischen Kulturministers der
       Zeitung Tribune du Dimanche. Andere werden meinen, Lang sei bloß von seiner
       Vergangenheit eingeholt worden. Am Wochenende hat er [1][seinen Rücktritt]
       als Präsident des Pariser Institut du Monde arabe (IMA) eingereicht. Der
       Grund: Langs Name, und ebenso der seiner Tochter Caroline, tauchten mehrere
       Hundert Mal in den [2][jüngsten Epstein-Files] auf. Da es mutmaßlich um
       verheimlichte Offshore-Investitionen und Immobiliengeschäfte geht, hat die
       Justiz eine Voruntersuchung eingeleitet.
       
       Lang ist nicht der Einzige in Frankreich, der in den kompromittierenden
       Archivdokumenten vorkommt, aber wahrscheinlich der Prominenteste. Dabei ist
       es schon eine Weile her, dass Jack Lang allen in Frankreich ein Begriff
       war. Als Kultur- und Erziehungsminister in den 1980ern und 1990ern war er
       ein Eckpfeiler der Mitterrand-Ära. Unter anderem verdanken ihm die
       jährliche „Fête de la musique“ am 21. Juni viele private Rundfunksender.
       
       Auch sonst hat er wesentlich die Kulturpolitik des sozialistischen
       Staatschefs François Mitterrand samt dessen pharaonischen Bauprojekten
       (Pyramide des Louvre, Opéra Bastille) ins Rollen gebracht. Wenn Frankreich
       bis heute in Film, Musik oder Mode noch eine große Strahlkraft besitzt,
       geht dies zumindest teilweise auf das Konto von Lang.
       
       Einige der engen Kontakte, die er pflegte, erscheinen heute jedoch höchst
       problematisch – in erster Linie seine Freundschaft mit Jeffrey Epstein, den
       er laut eigenen Angaben 2012 durch die Vermittlung von Woody Allen
       kennenlernte. Dass Epstein bereits 2008 wegen Prostitution von
       Minderjährigen verurteilt was, will Lang heute nicht gewusst haben.
       
       ## Pädophilie-Gerücht steht lange im Raum
       
       Wahrscheinlich wäre die Nennung des Namens Jack Lang in den neuen
       Epstein-Files keine Schlagzeile, wenn nicht schon lange und wiederholt
       Gerüchte wegen Pädophilie gegen ihn im Umlauf wären. Ohne stichhaltige
       Beweise wurde kolportiert, er habe an Orgien mit Minderjährigen im
       marokkanischen Marrakesch teilgenommen. Wenn in Paris hinter vorgehaltener
       Hand über pädokriminelle Skandale in der politischen Elite getuschelt wird,
       fällt unweigerlich sein Name.
       
       1977 hatte Lang zusammen mit anderen politisch links engagierten
       Intellektuellen (unter ihnen Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, Louis
       Aragon und Michel Foucault) eine Petition in Le Monde unterzeichnet, die
       Nachsicht für Menschen verlangte, die des sexuellen Missbrauchs von
       Minderjährigen ohne Gewaltanwendung angeklagt werden. Auch später äußerte
       er öffentlich ein gewisses Verständnis für wegen Pädophilie angeprangerte
       Schriftsteller wie Gabriel Matzneff.
       
       In der Gerüchteküche und für die öffentliche Moral gibt es keine
       Unschuldsvermutung. Gegner aus dem eigenen und feindlichen Lager spielten
       die Vorwürfe oft gegen Lang aus, als er von 2002 bis 2012 Abgeordneter in
       der Opposition war, aber auch später noch. Trotzdem war sein
       internationaler Ruf als Kulturförderer intakt genug, um ihm 2012 die
       Leitung des IMA zu übertragen.
       
       „Er bezahlt heute die Rechnung für 40 Jahre Gerüchte über ihn“, zitiert die
       Tribune du Dimanche den anonymen Vertrauten des gefallenen Kulturstars.
       Kommen jetzt die Beweise, die man vorher vergeblich suchte? Solange nichts
       Handfestes zu Langs Verwicklung in [3][Epsteins kriminelle Machenschaften]
       vorliegt, kann der Ex-Kulturminister jammern, er sei Opfer der Devise:
       Mitgegangen, mitgehangen.
       
       8 Feb 2026
       
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