# taz.de -- Die Wahrheit: Arm, aber great
       
       > Die Zufriedensten der Zufriedenen einer zufriedenen Nation: Trumpisten
       > vom Feinsten auf dem Weg ins vollendete Glück.
       
 (IMG) Bild: Seine Jünger verehren den heiligen Donald inbrünstig
       
       „Make America great again!“ Unter dieser wunderbaren Parole, dem schönsten
       und schlagkräftigsten Claim heute und morgen, haben sich Millionen und
       Abermillionen Amerikaner speziell in den USA versammelt, um ihr
       wunderschönes Land, die wundervollen „States“, wieder und wieder nach vorn
       und nach oben zu bringen, wo sie selbstverständlich sowieso schon sind und
       immer waren und sein werden.
       
       Ja, es sind nicht nur die Reichen, Großen und Mächtigen, die oberen
       Zehntausend, nicht einmal nur die Reichsten, Größten und Mächtigsten, die
       obersten zehn, die sich unter dieser Losung versammeln, die der Wundertäter
       Donald Trump als größter Wundermann dieser an Wundern überquellenden Zeiten
       ausgegeben und mit gewaltiger Stimme ausgerufen und geschaffen, ja
       vollbracht, bewirkt und vollendet hat.
       
       Und nein, auch die kleinen Leute, wie man sie im alten, rückständigen und
       verrunzelten Europa nennt, tituliert und beleidigt, sie, die wahrhaft
       großen und echten American People, sie fühlen und erkennen das Neue und
       Herrliche der herrlichen Ära, die so neu und herrlich angebrochen ist.
       
       Da ist zum Beispiel Gus Skinky, der an einer Interstate für die
       unübertreffliche Sauberkeit der Toilette neben seiner Tankstelle sorgt. Das
       reinlichste und weißeste Papier und das klarste und durchsichtigste Wasser
       inmitten der glänzendsten Kacheln haben hier ihren Platz, den besten Platz
       in diesem hübschesten Raum im Umkreis von vielen Kilometern. Nur Menschen
       könnten noch durch unhygienisches Verhalten mit ihren riesigsten Kötteln
       weit und breit die reine Atmosphäre des kleinen, piekfeinen Studios infrage
       stellen und gefährden, das Gus Skinky deshalb für immer verschlossen hat.
       
       Oder nehmen wir Amanda Dumpton. Böse, europäische Zungen würden sie als
       durchschnittliche Amerikanerin beschreiben, aber sie selbst sieht das
       hundertprozentig anders – und hat total recht wie Millionen und
       Abermillionen: „Ich bin die durchschnittlichste Amerikanerin überhaupt!“,
       betont sie und hat total recht.
       
       ## Totaler Durchschnitt
       
       Als mittelstes Kind mit zwei Geschwistern aufgewachsen, hatte Amanda die
       mittelsten Noten auf ihrer Schule im Mittleren Westen und ist jetzt in den
       mittleren, also besten Jahren; durchschnittlich groß, hat sie eine
       durchschnittliche Haarfarbe – straßenköterfarben – und arbeitet
       durchschnittlich viel, hat zwei Jobs und am Wochenende einen dritten und
       verbringt die Nächte gemütlich in ihrem Pick-up wie Millionen andere.
       
       Was Amanda, die die Highschool besuchte, nicht weiß, ihr aber besser passt
       als ihre gebrauchte Brille von der Fürsorge: Die USA sind das einzige Land
       zwischen Kanada und Mexiko und befinden sich damit genau in der Mitte
       zwischen ihnen – wie sie als Frau im Mittleren Westen in der Mitte zwischen
       Ostküste und Westküste. Ein Tusch für Amanda! Und alle anderen!
       
       Zu ihnen gehört auch Bill Zadman, der unter Tage in einem tief unten
       gelegenen Bergwerk in Virginia gern arbeitet. Bevor unter Donald Trump als
       dem wichtigsten und kostbarsten Präsidenten des Universums die fabelhaften
       tiefschwarzen Schächte endlich wieder geöffnet wurden, hatte die Arbeit
       jahrelang geruht aufgrund der dünkelhaften woken Gouverneure der elitären
       und recht eigentlich weibischen Demokratischen Partei, die selbst nie mit
       maskulinem Hammer und Bohrer die Kohle aus dem Gestein meißelten und nie
       wie einige von Zadmans besten Kumpels in den stockdunklen Stollen erstickt
       oder in der überalterten Mine von einstürzenden Steinen erschlagen worden
       waren.
       
       Nun ist Zadman endlich wieder in Arbeit, träumt wie Millionen Amerikaner
       den Traum, eines Tages als Millionär aufzuwachen, und teuft in den
       niedrigsten Stollen der Welt auf dem Bauch liegend 60 Stunden die Woche das
       Gestein ab. Er ist stolz, Amerikaner zu sein und persönlich die USA wieder
       great zu machen, worauf er stolz sein kann.
       
       Für diese Gunst bewundert er seinen Präsidenten, der wahrlich der
       geschäftstüchtigste Präsident der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ist
       und nicht nur diamantenbesetzte Uhren, die 40.000 Dollar wert sind, mit
       seinem eingravierten Namen für 100.000 Dollar verkauft, sondern bald auch
       seine ausgeatmete Luft einschweißen lassen und für 100 Dollar den Beutel
       verkaufen wird, damit auch die ärmeren Mitbürger sich das leisten können,
       nicht nur die Reichen, Großen und Mächtigen.
       
       Es sind eben nicht nur sie, die in den höchsten Tönen das Hohelied auf
       Amerika singen, das als einziges Land der Welt das wahre Amerika ist und
       God’s wie nun auch Trumps own country. Darauf kann, darf und muss Amerika
       stolz sein wie Donald Trump – und auf Donald Trump, den einzigen Donald
       Trump der Welt, womit alles bewiesen ist!
       
       10 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Köhler
       
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