# taz.de -- Die Wahrheit: Die Heilemacherin mit Gongschlag
       
       > Wahre Schurken, die die Welt beherrschen wollen – heute: Nina „Wehweh“
       > Warken, Gesundheitslatschenministerin.
       
 (IMG) Bild: Gesundheitsministerin Warken hat schon mal einen Arzt und eine Apotheke besucht
       
       Die Logik ist sogar ohne Gummihandschuhe zu greifen: Nicht jeder Mediziner
       kann Bundesgesundheitsminister sein! Folglich gilt skalpellgenau auch das
       Gegenteil: Nicht jede Gesundheitsministerin muss etwas von Medizin
       verstehen! Was innen wie außen auf Dr. Karl Lauterbach zutraf, muss deshalb
       nicht für Nina Warken gelten. Es reicht, dass sie in ihrem bis auf den
       heutigen Punkt 46-jährigen Leben schon einen Arzt besuchte und mal in eine
       dieser Apotheken guckte. Und so purzelte sie ähnlich wie Friedrich Merz
       einfach von draußen in ihr Amt hinein.
       
       Eingefädelt hatte sie es ähnlich geschickt wie ihr nunmehriger Vormund. Der
       hatte sein liebes langes Leben kein Amt ausgefüllt und sich weder als
       Bürgermeister wenigstens eines Popeldorfes noch als Dezernent einer
       halbreifen Großstadt oder als Minister irgendeines gut abgehangenen
       Ressorts ein paar Klunker verdient. Sie selbst hatte zwar in ihrer
       Heimatstadt Tauberbischofsheim seit 2004 einen Sitzplatz als
       christdemokratisch getaufte Stadträtin angewärmt, aber das war schnell
       verziehen und abgeschüttelt, als sich Merz den Kanzlerhut oben auf seine
       umgedrehte Birne stülpte und Leute zum Mitmachen suchte.
       
       Gleich und gleich gesellt sich gern, Hahn geht zu Henne, Jurist zu
       Juristin: nur dass sich Merz nach dem Studium als Syndikus bei der
       Chemieindustrie die Finger sauber machte, während sie sich gut fraulich als
       Anwältin ums niedliche Sozial-, Zivil- und Verwaltungsgedöns sorgte und
       kümmerte. Das ging, bis es ernst wurde und sie 2012 in die Kanzlei ihres
       Schwiegervaters einzurücken hatte, noch dazu in Püttlingen im Saarland.
       
       Doch sollte sie sich wirklich für den Rest ihrer Tage beruflich und
       familiär einpütteln lassen? Nina Warken zog die Notbremse und 2013 von der
       Saar in den Bundestag nach Berlin, dazwischen ein Graben von 600
       Kilometern. Hier packte sie nun ihre wahren Talente aus und schlängelte
       sich durch Ausschüsse und Parteigremien jeden Geschmacks:
       
       ## Warken parkte hier, parkte dort
       
       Sie parkte im Bundestagsausschuss für den Verteidigungs- und bald auch
       Kriegsfall, heuerte in der Wahlrechtskommission an, durchwanderte den
       Innenausschuss und den Rechtsausschuss, machte ein Häkchen bei den
       Ausschüssen für Integration, für Sicherheit, für Heimat und schraubte sich
       in den Untersuchungsausschuss von wegen Ausspähung durch ausländische
       Lieferdiens… Quatsch!, durch inländische Geheimdien… nein!!, natürlich
       durch ausländische Geheimdienste. Damit nicht ausgelastet, ward sie in
       ihrer Freizeit mit Gongschlag 2025 noch Vorsitzende der Frauen-Union, damit
       das frisch an Land gezogene Ministeramt einem Universalgenie die Zeit nicht
       lang werden lässt.
       
       Neider grollen, dass die neue Gesundheitsministerin nicht mit Fachwissen
       gepolstert sei. Diese Dummbatzen vergessen: Um so mehr ist in ihr Platz für
       Neues drin! Bestimmt hat sie nach der Ernennung gleich auf dem Nachhauseweg
       auf einem der Berliner Flohmärkte eine alte Schwarte aufgespießt und
       staunte Fragezeichen über die Rezepte und Wunderkuren:
       
       Aderlass hilft bei Blutverlust! Eine Mixtur aus altem Harn und verbrannten
       Muschelschalen heilt schwärende Wunden! Destillierter Pferdekot ist gut
       gegen Rippenfellentzündung!
       
       Und als Gegengeschenk kann sie dem Friedrich das hier stecken: Getrocknete
       Ratte gemischt mit Zwiebeln und Honig auf die Kopfhaut aufgetragen schützt
       vor Haarausfall! Ein Rezept aber fixt sie selbst an: Gegen Mumps – sie ist
       Mutter dreier Söhne – einfach ein Eselhalfter um den Kopf legen und den
       Patienten daran dreimal um einen Schweinestall ziehen! Doch welches
       Pharmaunternehmen stellt noch Eselhalfter her? Warken erkennt den
       Reformbedarf im modernen Gesundheitswesen.
       
       Da sie selber gesetzlich versichert ist und nicht ungesetzlich bei den
       Privaten, muss sie vorsichtig operieren. Die Beiträge steil hochziehen? Die
       Leistungen eindampfen? Damit schnitte sie sich ins eigene Bein, und
       womöglich fällt dann genau dieses Malheur – kaputtes oder abbes Bein – aus
       dem Leistungskatalog der Krankenkassen!
       
       ## Familie muss jetzt blechen
       
       Oder die mitgeschleiften Ehepartner und Kinder zur Kasse bitten? Aber sie
       hat selber von beidem! Und nebenbei und überhaupt, wie inmitten der
       laufenden Kriegsvorbereitungen die Militärärzte päppeln und pampern, die
       bereits ihren Bedarf an Feldlazaretten und Sägen anmelden?
       
       Ja, am Ende gibt es nur eine Lösung. Und vor dem Ende heißt es: Jeder lege
       selbst Hand an sich! Niemand muss gleich zum Arzt hopsen, nur weil sich ein
       Arm um 180 Grad gedreht hat und der Hintern über Nacht auf die Brust
       gewandert ist oder weil das Blut langsam verholzt und die Augen taub sind,
       weil die Nase porös ist und das Gehirn ohne alles!
       
       Noch besser, also billiger: Nina Warken erklärt einfach alle Kranken zu
       Simulanten, wie es die Arbeitgeber vorschlagen. Die wissen nämlich Bescheid
       – nur dass sie Gesundheit simulieren.
       
       7 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Köhler
       
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       2033.