# taz.de -- Die Wahrheit: Mit Spuren von Kenntnissen
> Schurken, die die Welt beherrschen wollen – heute: Karin „BMBFSFJ“ Prien,
> Bundesministerin für Bildung und anderes Gedöns.
(IMG) Bild: Von Prien lernen, heißt primig viel Wissen im Kopf zu haben
Kinder, die eins und eins zusammenzählen und elf herausbekommen.
Jugendliche, die Arme und Beine nicht auseinanderhalten können, weil der
Sportunterricht immer ausfiel. Junge Erwachsene, die Philologie studieren,
aber keinen Göte lesen, weil der alte weiße Mann nach Patriarchat und
Sexismus stinkt, die endlich verduften müssen wie Rassismus,
Male-Chauvinismus und Altersdiskriminierung: So steht es um die menschliche
Software, wie die PISA-Prüfungen 2000 und 2023 (zur Sicherheit: n. Chr.)
bewiesen haben.
Karin Prien, die noch lesen, schreiben und rechnen kann, weil sie Jahrgang
1965 ist, weiß, dass sie sich als Bildungsministerin auf versumpftes
Gelände gewagt hat. Als Mutter dreier Kinder weiß sie zudem, dass die
Hardware nicht besser schmeckt: Kitas, Schulgebäude und Hörsäle, in denen
die Wände vom Putz fallen. Firmen, die keine Lehrlinge mehr ausbilden und
keine neuen Meister heranzüchten, weil eine Pleite billiger ist. Ganz unten
die Krönung: Sozialämter, deren Beamte sich gemeinsam mit den stellenlosen
jungen Leuten die Zeit mit Killerspielen kleinmachen.
Wie kann nun Karin Prien dringend benötigtes Geld in den weichen
Bildungssektor pressen, ohne draußen die harte Hochrüstung zu gefährden?
Die naheliegende Lösung wäre: einfach auf die Zukunft setzen, in der die
dummen Jungen vom Russen oder einem friendly fire zersplittert und
zerrissen werden, wie sie es in den Computergames geübt haben. Aber als
gelernte Rechts- und Politikwissenschaftlerin und als geborene Fachanwältin
für Kriegs- … nein, Handels- und Kriegs- … ach was, Handels- und
Gesellschaftsrecht weiß Karin Prien bis hinters Komma Bescheid:
Investitionen müssen sich lohnen, und nach einem Krieg jahrzehntedicke
Ausgaben einer Gesellschaft für Krüppel und Kroppzeug einzusparen, ist
unter dem Strich gut, damit andere das Geld wie bisher für Luxusuhren,
Sportwagen mit KI und Hausangestellte ohne behalten.
## Überleben am Faden
Dummerweise hängt das Überleben der deutschen Betriebs-, Volks- und
Kriegswirtschaft aber auch am Faden von Bildung und Wissen. Spuren von
Kenntnissen sollte deshalb jeder Mensch enthalten! Und Karin Prien selbst
weiß als Jüdin, dass Deutschland – sie war vier, als ihre Eltern 1969 aus
Amsterdam zurück zu den Moffen zogen, im naiven Glauben, das Land ihrer
Vorfahren sei dank Brandt und Heinemann endlich von allen bösen Geistern
verlassen – nicht nur zu jeder Schandtat fähig ist, wenn es nur hinterher
gut aufgearbeitet wird; sondern auch stolz auf seinen Ballast aus
Forschung, Kunst und Kultur.
Karin Prien ließ sich also einfangen, trat mit 16 in die Schülerunion, mit
18 in die CDU hinein und ward als Studentin von Bundespräsident Freiherr
von Weizsäcker derart gekitzelt und bezirzt, dass sie sich in sein
Pressebüro einpflanzen ließ; dann, nach einer solide durchglühten Ehe- und
Familienpause, gefüllt mit Mann und drei Kindern, kletterte sie 2004 aus
freien Stücken in die Politik.
Sie lernte das ABC in Blankenese als stellvertretende CDU-Ortsvorsitzende,
erwarb die mittlere politische Reife 2010 im Hamburger Landesvorstand der
Christdemokraten, erntete das Reifezeugnis 2011 als Mitglied der
Bürgerschaft der Hansestadt und bildete sich ab 2017 wissenschaftlich und
kulturell fort als Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur im
nebenan befindlichen Schleswig-Holstein – bis sie 2025 die höchste Frucht
am Baum pflückte, Berlin. Und nun?
## Kraut und Rüben
Eine schwere Frage, denn plötzlich hatte sie statt Wissenschaft und Kultur,
an die sie sich gut gewöhnt hatte, neben und hinter der Bildung die Fächer
Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu betreuen, alles und jedes, Kraut
und Rüben! BMBFSFJ heißt deshalb ihr Arbeitsplatz – aber das A und O ist
von A bis Z natürlich das B, Bildung.
Was da das Wichtigste ist, weiß Karin Prien als fest eingewachsenes
CDU-Mitglied: dass die DDR kein Vorbild sein kann. Dort gab es für alle
Studenten ein nicht rückzahlbares Stipendium und schon für Schüler der 11.
und 12. Klasse, um sie den Lehrlingen gleichzustellen, jeden Monat brutal
Geld vom unmenschlichen Unterdrückerstaat. In einer freien Gesellschaft
braucht es den … äh, das nicht mehr – denn über Bildung, Karriere und
Lebensweg entscheidet nicht mehr einseitig zugunsten von Arbeiter- und
Bauernkindern die falsch gepolte DDR, sondern ganz einfach und praktisch
jedes hohe Elternpaar.
„Eltern“ ist nun das Stich- und Schlüsselwort für die Schlussrunde. Denn
die übrigen Rattenschwänze – Familie, Senioren, Frauen, Jugend – regeln
sich in der Regel ebenso regulär von alleine: Von der Mama lernt der
Nachwuchs ganz von selbst, dass sie es ist, die zu Hause die kaputte Oma
pflegt, ihre Schwiegermutter. Ein Perpetuum mobile – ohne staatliche
Eingriffe und Bevormundung!
25 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Peter Köhler
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