# taz.de -- Die Wahrheit: Titan der Fantasy
       
       > Die ganze Wahrheit über den großen Grönlandisten und besten
       > US-Präsidenten aller Zeiten Don Trump, der herrliche Vorbilder im Amt
       > hat.
       
 (IMG) Bild: Zum Fressen gern hat die gesamte Welt Trump Foto: reuters
       
       Ein Jahr Trump ist über den Globus gefegt. Ein Jahr seiner zweiten
       Amtszeit, in der er wie von Furien gestochen die USA durchgerüttelt hat und
       die Erdenbewohner schlottern lässt. Zuletzt mit seinem innigsten Wunsch,
       Grönland heim zu holen und dafür alles zu tun. Längst vorbei sind jene
       Zeiten, als der eine oder andere US-Präsident sich an Maß und Mitte
       klammerte – und noch länger vorbei und ganz perdu ist die Erinnerung an
       einen ebenfalls Hochambitionierten: William Henry Harrison.
       
       Am 4. März 1841 hielt er bei klirrender Kälte und von eisigen Windböen
       umfaucht seine großartige, zwei Stunden lange Antrittsrede, in der er das
       wunderbare Programm seiner fabelhaften Präsidentschaft skizzierte. Er zog
       sich allerdings eine alles überragende Erkältung zu, starb nach vier Wochen
       und hatte damit gleich zwei Rekorde aufgestellt: für die längste
       Antrittsrede und die kürzeste Amtszeit! Eine präsidiale Meisterleistung!
       
       Trump, so gern er sich mit den besten, schönsten und höchsten Superlativen
       schmückt, wird diese komische Bestleistung nicht mehr überbieten, da kann
       er so amerikanisch denken, wie er will und womit auch immer. Klar ist aber,
       dass ihm kein Opfer zu groß ist, wenn andere es erbringen. Diese
       fantastische Tradition geht bis auf die mächtigen Gründerväter dieser
       bedeutendsten Nation der Menschheit zurück.
       
       Bis 1877 hielten zwölf von 18 anbetungswürdigen Präsidenten
       quietschvergnügt Sklaven. George Washington bescheidene 300, mehr als 600
       aber sein kapitaler Nachfolger Thomas Jefferson, der deshalb für die
       Verfassung der USA den raffiniert edelmütige Erwartungen weckenden Satz
       gebastelt hatte: „Alle Menschen sind gleich geboren“ – und die faustdicke
       Punchline war und ist bis heute: danach nicht mehr, ätsch!
       
       ## Witz Befreiung
       
       Die spätere Sklavenbefreiung war ebenfalls ein perfekt konstruierter Witz:
       War der Bürgerkrieg die Exposition, die die Nerven der Amerikaner wie ein
       Flitzebogen spannte, so platzte mit Lincolns grandiosem Nachfolger Andrew
       Johnson die überraschende Pointe: Der, selbst Sklavenbesitzer, legte sein
       Veto gegen Lincolns Civil Rights Act ein, und die Gesellschaft konnte bis
       in die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts eingefroren werden.
       
       Da liegt die Überleitung zu einem besonders stachligen Gebiet der Komik
       nahe, zum Schwarzen Humor, der am Schlimmen und Schaurigen Spaß hat; und
       damit – richtig geraten: zu George W. Bush.
       
       Der verstand es, seinen Beruf als US-Präsident mit seinem Sinn fürs
       Entsetzliche lustig zu verschmelzen, und spaßte nach dem Anschlag auf die
       New Yorker Welthandelstürme in Kennebunkport (Maine): „Ich rufe alle Länder
       auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um diese terroristischen Mörder
       zu stoppen. Und jetzt schaut euch meinen Golfschwung an!“
       
       ## Freier Einfall
       
       Mit George W. Bushs Einfällen konnte man Witzbücher abfüllen. Donald Trump
       ist anders gestrickt, er ist ein Dichter und Titan des freien Wortes. Schon
       in seiner ersten Amtszeit produzierte der kreativste je auf dem
       Präsidentenstuhl befindliche Kopf mehrere Zehntausend irrtümlich „Fake
       News“ genannte Märchen und Kurzgeschichten. In seiner zweiten Amtszeit
       erweitert dieser schöpferischste Geist unter allen lebenden und gewesenen
       Regierungschefs des Weltalls sein monumentales Oeuvre noch.
       
       Der beste, hübscheste und intelligenteste US-Präsident ever erneuert den
       Thriller, indem er ihn mit der Fantasy bombfatzinös zusammenschmiedet.
       Bisher pflegen beiderlei Autoren jenseits der schnöden Realität zu
       hantieren. Trump aber, indem er venezolanische Kleinboote samt ihren
       Besatzungen zerknallt, Tankschiffe stibitzt und Staatspräsidenten
       hopsnimmt, erschafft in Wort und Tat eine herrliche, vollkommen reale
       Wirklichkeit und trompetet sie aus!
       
       Ein Jahr ist damit abgeraspelt, in dem der herausragendste Führer der
       menschlichen Rasse sein gigantisches Werk gerade erst begonnen und freudig
       in Angriff genommen hat. Drei weitere Jahre mit mindestens 365 Tagen à 24
       Stunden leuchten am Firmament! Genug Zeit für die letzte aller Fragen: Kann
       der kolossale und allgewaltige Trump nicht auch ein bisschen Scherz, Witz,
       Komik wie die anderen Tüten?
       
       20 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Peter Köhler
       
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