# taz.de -- Russischer Angriffskrieg auf die Ukraine: Mindestens eine Tote und mehrere Verletzte
       
       > Trotz Friedensverhandlungen führt Russland seine Angriffe auf die Ukraine
       > weiter fort. Der mögliche Attentäter eines russischen Generals wurde
       > gefasst.
       
 (IMG) Bild: Nach einer Bombennacht: Anwohnerin vor zerstörtem Wohnblock in Kramatorsk, Ukraine, 8. Februar
       
       Bogdan öffnet die Tür. Wieder einmal bekommt er Besuch. Es hat sich unter
       seinen Bekannten in Kyjiw herumgesprochen, dass er fast immer Strom hat,
       eine warme Heizung sowie fließendes kaltes und warmes Wasser. Dieses Mal
       sind es Ira, eine entfernte Bekannte, und ihre Mutter, die seine Hilfe
       suchen. In der Hand hält Ira eine große Sporttasche. „Wir sind nicht nur
       zum Teetrinken gekommen“, sagt Ira, „wir wollen uns hier endlich mal
       richtig duschen.“ Seit Tagen haben die beiden Frauen, die zwei
       U-Bahnstationen weiter entfernt wohnt, schon kein fließendes Wasser mehr.
       Und: „Heute hatte ich zwei Stunden Strom, gestern gar keinen“, erzählt Ira.
       
       Die russische Führung zielt mit seinen Angriffen in diesem Winter verstärkt
       auf das nach fast vier Jahren Krieg ohnehin schon angeschlagene
       Energiesystem der Ukraine. Die Folge sind immer wieder lange Ausfälle der
       Strom-, Wasser und Wärmeversorgung – und das zuletzt bei teilweise
       zweistelligen Minusgraden.
       
       In den frühen Morgenstunden des 8. Februar hat Russland seine Angriffe auf
       die Ukraine weiter intensiviert. Die ukrainische Luftwaffe hat nach der
       Nacht zum 8. Februar an 13 Orten Einschläge registriert. Auch im
       westukrainischen Lwiw kam es zu Explosionen. In der vergangenen Woche
       hatten zwei groß angelegte Raketen- und Drohnenangriffe Kraftwerke,
       Umspannwerke und Hochspannungsleitungen getroffen. Besonders betroffen sind
       westliche Regionen sowie die Energieversorgung von Atomkraftwerken. Mehrere
       AKW-Blöcke mussten ihre Leistung reduzieren, ein Block schaltete sich
       automatisch ab.
       
       Auch im russischen Belgorod gibt es Opfer durch Drohnenangriffe. Nach
       Angaben des Gouverneurs Wjatscheslaw Gladkow wurden am Wochenende zwei
       Personen verletzt. Auch dort wurden wegen der schwierigen Lage des
       Energiesystems Punkte eingerichtet, an denen man sich wärmen kann.
       
       ## Russische Bombe schlägt in Wohnviertel ein
       
       Besonders schwer traf es die ostukrainische Stadt Kramatorsk. Dort schlug
       eine russische Bombe in ein Wohnviertel ein. Dabei gerieten mehrere
       Wohnungen im dritten Stock eines neunstöckigen Wohnhauses in Brand. Der
       regionalen Staatsanwaltschaft zufolge wurde eine 77-jährige Rentnerin
       getötet. Drei Männer zwischen 40 und 48 Jahren seien bei der Attacke im
       ostukrainischen Gebiet Donezk verletzt worden, teilte die regionale
       Staatsanwaltschaft mit.
       
       Bei einem Drohnenangriff auf die Anlagen des ukrainischen Energiekonzerns
       Naftogaz in der Region Poltawa wurden Ausrüstung und Infrastruktur
       erheblich beschädigt. Vorstandschef Serhij Korezkyj erklärte, dass immerhin
       niemand verletzt worden sei. Der Angriff sei mittlerweile der 19. russische
       Angriff auf Naftogaz-Einrichtungen seit Anfang 2026.
       
       Laut dem ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russland in der
       vergangenen Woche mehr als 2.000 Drohnen, 1.200 gelenkte Fliegerbomben und
       über 100 Raketen gegen die Ukraine eingesetzt. „Fast jeden Tag greifen sie
       Energieanlagen, logistische Infrastruktur und Wohnhäuser an“, schrieb
       Selenskyj in sozialen Medien. Das passiere selbst während diplomatischer
       Friedensbemühungen.
       
       „Es sind vor allem die armen Menschen, die in der Folge der russischen
       Luftangriffe leiden“, sagt Ivan Kukurudziak. Er ist Mitarbeiter der
       katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio in Kyjiw und kümmert sich in deren
       Auftrag um Menschen ohne festen Wohnsitz. Viele von ihnen leben in den
       Unterführungen der Stadt. Dorthin macht sich Kukurudziak jeden Abend auf
       den Weg und bringt den Obdachlosen warme Kleidung, Decken und Essen.
       
       ## In Kyjiw können sich Menschen in Zelten aufwärmen
       
       Doch auch in den Wohnungen wird es bei diesen Temperaturen ohne Heizung
       eisig kalt. „Derzeit müssen viele hundert Menschen in Wohnungen ausharren,
       wo es kaum Strom und keine Heizung gibt. Und mit jedem russischen
       Luftangriff sind es wieder einige hundert Wohnungen mehr, die ohne Strom
       sind“, sagt Kukurudziak. Zwar habe die Stadt Zelte eingerichtet, wo man
       sich aufwärmen und seine Telefone aufladen könne. Doch die seien bei Weitem
       nicht ausreichend. „Und wer unangenehm riecht oder betrunken ist, kommt da
       gar nicht erst rein.“
       
       Bei Bogdan zu Hause erzählt Ira von ihrem Vater. Der traue sich seit drei
       Jahren nicht mehr aus der Wohnung, aus Angst vor der Wehrbehörde TZK, die
       auf der Straße nach Männern Ausschau hält, um sie an die Front zu schicken.
       „Er trinkt wieder, ich habe es bei meinem letzten Telefonat mit ihm
       deutlich gemerkt.“ Verstehen könne sie das, er sei völlig vereinsamt. Ihre
       Mutter, die getrennt von ihrem Vater lebt, rufe sie fast jede Nacht an, aus
       Angst vor russischen Angriffen. „Ich will aber nicht mitten in der Nacht
       angerufen werden.“ Um sich abzulenken, höre sie viel Musik.
       
       Die russischen Angriffe gehen trotz diplomatischer Bemühungen um ein Ende
       des Krieges weiter. So ging am Donnerstag in Abu Dhabi am Persischen Golf
       eine Verhandlungsrunde zu Ende. Die Verhandlungen, die im Januar begonnen
       haben und nach monatelanger Funkstille auch erstmals wieder beide
       Kriegsparteien an einen Tisch brachten, wuden von allen Beteiligten als
       produktiv bezeichnet. Als greifbares Ergebnis gibt es bislang einen
       Gefangenenaustausch. Als schwierigstes Thema gilt weiterhin die russische
       Forderung an die Ukraine nach der Abtretung weiterer Gebiete.
       
       Einen Tag nach der Gesprächsrunde wurde am Freitag in Moskau ein
       hochrangiger Militär angeschossen. Russland sprach von einem ukrainischen
       Attentat auf Wladimir Alexejew, den stellvertretenden Chef des russischen
       Armeegeheimdienstes. Am Sonntag meldeten die russischen Behörden zwei
       Festnahmen in dem Zusammenhang. Nach Angaben des russischen
       Inlandsgeheimdienstes FSB wurde der mutmaßliche Täter in Dubai in den
       Vereinigten Arabischen Emiraten festgenommen und nach Russland überstellt.
       Ein Komplize sei in Moskau festgenommen worden, eine weitere Komplizin sei
       in die Ukraine geflohen. Alexejew, der nach dem Attentat ins Krankenhaus
       gebracht worden war, soll mittlerweile wieder bei Bewusstsein sein. Eine
       Stellungnahme von ukrainischer Seite gab es bisher nicht.
       
       Die US-Regierung will nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr
       Selenskyj den Krieg in der Ukraine bis zum Sommer beenden und lädt in den
       nächsten Tagen zu einer neuen Gesprächsrunde mit Russland ein – dieses Mal
       in den Vereinigten Staaten. Washington habe „erstmals vorgeschlagen“, dass
       sich die ukrainischen und russischen Unterhändler in den USA treffen,
       teilte Selenskyj am Samstag mit.
       
       8 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
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