# taz.de -- Wahl in Thailand: Der Durchmarsch des konservativen Establishments
       
       > Die reformorientierte Volkspartei, deren Vorgängerin die letzte Wahl
       > gewonnen hatte, verliert nach Einmischung der Antikorruptionsbehörde
       > deutlich.
       
 (IMG) Bild: Der seit September amtierende Premierminister Anutin Charnvirakal am Sonntagabend vor Bekanntgabe des Wahlsieges seiner Partei
       
       Bei Auszählung der Stimmen der vorgezogenen Neuwahl liegt die konservative
       Bhumjaithai Partei [1][des amtierenden Premierministers Anutin
       Charnvirakul] vorn. Mit großem Abstand folgt die reformistische Volkspartei
       auf Platz zwei vor der Partei Pheu Thai des Thaksin-Clans.
       
       Offenbar als Vorgriff auf ein mögliches starkes Abschneiden der Volkspartei
       hatte die Anti-Korruptionsbehörde noch am Wahltag angekündigt,
       möglicherweise schon am Montag die seit Längerem anhängigen Verfahren gegen
       44 führende Politiker der Partei wegen einer Petition zur Reform des
       Majestätsbeleidigungsparagrafens 112 eröffnen zu wollen. Bei einer
       Verurteilung droht den Angeklagten ein lebenslanges Politikverbot und der
       Partei wie ihren beiden Vorgängerinnen die Auflösung.
       
       Gegen 22 Uhr thailändischer Zeit waren erst knapp 30 Prozent der Stimmen
       ausgezählt. Am Abschneiden der royalistisch-nationalistischen Bumjaithai
       als stärkste Kraft im Parlament gibt es aber keine Zweifel. Für eine
       stabile Mehrheit der 500 Sitze braucht sie allerdings Koalitionspartner.
       Aufgrund massiver ideologischer Differenzen und den drohenden Verfahren
       gegen ihre Spitzenleute kommt die Volkspartei dafür aber nicht infrage.
       Königsmacher könnte die rechts-nationalistische Klatham Partei unter ihrem
       Spitzenkandidaten Thamanat Prompow werden.
       
       Er war 1994 in Australien wegen Heroinschmuggels zu sechs Jahren Haft
       verurteilt worden, von denen er vier Jahre absitzen musste. Den
       Heroinschmuggel leugnet Thamanat bis heute. Das Ganze sei ein
       Missverständnis, das angebliche Heroin nur Mehl und er nur ein
       unbeteiligter Zeuge gewesen. In den Regierungen von Putschgeneral
       [2][Prayut Chan-o-cha] war er Minister gewesen.
       
       ## „Die siegreiche Partei vereinigt die politischen Dynastien“
       
       Der sichere Sieg von Bumjaithai war von einigen Analysten erwartet worden.
       „Die politischen Dynastien habe sich unter der Flagge von Bhumjaithai
       zusammengeschlossen und ihre Wähler (von Pheu Thai und Volkspartei)
       zurückgewonnen“, sagt Phil Robertson, Berater der
       Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). „Die Volkspartei
       dominierte weiter bei den anspruchsvolleren, reformorientierten Wählern in
       Bangkok, doch in vielen Teilen des Landes blieben ihre Kandidaten weit
       hinter den Erwartungen zurück. Das verdeutlicht ihre Schwierigkeiten, sich
       gegen die festgefahrenen politischen Interessen in den Provinzen
       durchzusetzen.“
       
       Thailand leidet derzeit unter einer stagnierenden Wirtschaft und ist nach
       Ansicht von Burin Adulwattana, Chefökonom der Kasikornbank, der „kranke
       Mann Südostasiens“. Kurz vor der Wahl sagte er, wer auch immer die
       Regierung stelle, müsse durch Reformen die Wirtschaft wieder in Schwung
       bringen. Die Prognose des Wirtschaftsexperten: „Wer nicht liefert, ist bald
       weg.“
       
       Immerhin einen Erfolg konnte die Volkspartei verbuchen. Mit großer Mehrheit
       stimmten die Thais in dem von ihr durchgesetzten und zeitgleich mit der
       Wahl stattfindenden Referendum für die Ausarbeitung einer neuen Verfassung.
       Das wird dann die 21. seit Abschaffung der absoluten Monarchie Anfang 1932
       sein.
       
       8 Feb 2026
       
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