# taz.de -- Parlamentswahl in Thailand: Konservative Elite versus reformwilliges Volk
       
       > Die thailändische Reformpartei versucht in einem neuen Anlauf, die
       > Mehrheit zu gewinnen. Sie wurde schon zweimal verboten.
       
 (IMG) Bild: Nuttapong „Kung“ Premphunsawad im Wahlkampf
       
       Mit einem heiteren „Sawasdeekrap na ka“ begrüßt Nuttapong „Kung“
       Premphunsawad eine Woche vor der Wahl am 8. Februar auf dem Win Nam Markt
       nahe Bangkoks internationalem Flughafen Händler und Marktbesucher. Der
       31-Jährige kandidiert für die oppositionelle Volkspartei (PP). Freudiges
       Lächeln oder auch schon mal Victory-Zeichen der Menschen zeigen, dass
       Premphunsawad und seine PP willkommen sind.
       
       2023 wurde Premphunsawad zum ersten Mal ins Parlament gewählt. Seine
       damalige Partei Move Foward ging als stärkste Kraft aus der Wahl hervor,
       wurde aber von der Elite erst an der Regierungsübernahme gehindert und dann
       [1][vom Verfassungsgericht wie ihre Vorgängerin Future Forward aufgelöst.]
       Führende Mitglieder wurden mit einem zehnjährigen Politikverbot belegt. Der
       Grund: Die vor allem unter jüngeren Thais beliebte Partei will grundlegende
       demokratische Reformen staatlicher Institutionen durchführen. Das schließt
       ausdrücklich die Monarchie und das Militär ein und damit ist die PP für die
       Elite der Leibhaftige. 
       
       Die Regierung bildeten dann die Mitte-links-gerichtete Pheu Thai Partei
       zusammen mit einer Reihe eher konservativer Parteien. Zwar steht auch Pheu
       Thai des Politclans der Thaksins auf der Hassliste der Elite, aber immerhin
       rüttelt sie nicht an der starken Stellung der Monarchie und des Militärs.
       
       Das Establishment schaffte es dann, den Pheu-Thai-Premierminister
       [2][Srettha Thavisin] 2024 nach einem knappen Jahr im Amt mithilfe des
       Verfassungsgerichts aus dem Amt zu kegeln. Wieder ein Jahr später schickte
       das [3][Verfassungsgericht] seine Nachfolgerin [4][Paetongtarn Shinawatra]
       nach einem zu vertraulichen Telefonat mit Kambodschas grauer Eminenz Hun
       Sen wegen „ethischer Vergehen“ in die Wüste.
       
       ## Premier Anutin spielt im Grenzkonflikt nationalistische Karte
       
       Seit September 2025 steht der konservative Bauunternehmer [5][Anutin
       Charnvirakul von der mächtigen Regionalpartei Bhumjaithai], Nummer drei bei
       der Wahl 2023, mit Duldung der PP als Premierminister einer
       Minderheitsregierung vor. Bedingung der PP: Parlamentsauflösung innerhalb
       von vier Monaten und ein Referendum über eine neue Verfassung.
       
       Doch dann lieferte sich Thailand im Oktober und Dezember einen
       [6][militärischen Grenzkonflikt mit Kambodscha], der fast zum veritablen
       Krieg eskalierte. Im Dezember kam Anutin dann einem Misstrauensantrag der
       PP mit der Auflösung des Parlaments zuvor.
       
       Umfragen deuten wieder auf einen Sieg der PP hin. Doch die entscheidende
       Frag wird sein, ob die PP nahe an die absolute Mehrheit der 500 Sitze
       kommen wird, um die Chancen zu erhöhen, sich gegen die konservative Elite
       durchzusetzen. „Diese wird alles dransetzen, die PP wieder durch
       juristische Tricks aufzulösen und ihre Führung durch Politikverbote zu
       enthaupten“, sagt Phil Robertson, in Bangkok lebender Berater der
       Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und ihr früherer
       Regionaldirektor. Die politisch und wirtschaftlich dominierenden feudalen
       Familienclans unterstützten Bhumjaithai und Pheu Thai, sagt er.
       
       Eigentlich sollten Thailands massive Wirtschaftsprobleme das wichtigste
       Wahlkampfthema sein. Bhumjaithai spielt aber vor dem Hintergrund des
       ungelösten Konflikts mit Kambodscha die nationalistische Karte und
       stilisierte die Wahl als Rennen zwischen „denen, die das Land lieben, und
       denen, die es nicht lieben“. Natthaphong Ruengpanyawut, Spitzenkandidat der
       PP, entgegnete bestimmt: „Für mich bedeutet Vaterlandsliebe, die Menschen
       zu lieben.“
       
       Der PP-Kandidat Nuttapong Premphunsawad stammt aus der Nähe des Win Nam
       Marktes, einem Viertel der unteren Mittelklasse mit hohem muslimischen
       Bevölkerungsanteil. „Ich habe seit jungen Jahren eine Leidenschaft zur
       Lösung von Problemen“, sagt er lachend. Er habe Stadtplanung studiert, um
       zur Bewältigung der mannigfaltigen urbanen Herausforderungen Bangkoks
       beizutragen. Deshalb sei er auch in die Politik gegangen. „Wir sind die
       Partei der kleinen Leute, nicht der Reichen und Mächtigen. Wir sind für
       jeden da.“
       
       Parallel zu den Parlamentswahlen am Sonntag entscheiden die Wähler in einem
       Referendum, ob Thailand eine neue Verfassung bekommen soll. Im Falle eines
       Ja wird ein langwieriges Verfahren zum Entwurf der 21. Verfassung seit 1932
       in Gang gesetzt.
       
       4 Feb 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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