# taz.de -- Merz in Abu Dhabi: Des Kanzlers neue Freunde
> Friedrich Merz will engere Wirtschaftsbeziehungen zu den Golfstaaten. RWE
> vereinbart LNG-Kauf in den Emiraten. Friedensgruppen kritisieren
> Rüstungsexporte.
(IMG) Bild: Gute Freunde kann niemand trennen, gute Freunde sind nie allein
afp/dpa/epd | Bundeskanzler Friedrich Merz setzt auf eine wachsende
wirtschaftliche Verflechtung mit den Golfstaaten. Das sagte der
CDU-Politiker in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, Abu
Dhabi, der dritten Station seiner Reise in die Golfregion. Zuvor hatte Merz
auch schon Katar und [1][Saudi-Arabien] besucht.
„Deutschland hat hier ein sehr hohes Ansehen, auch weil wir ein guter
Investitionsstandort sind“, sagte Merz. Das schlage sich inzwischen auch in
Zahlen nieder. Er sei überrascht über „die stark ansteigenden
Investitionszahlen, aber auch eine so deutlich steigende Auftragslage in
sehr vielen Unternehmen“, so der Kanzler weiter. Die Entwicklung ermutige
ihn, Reformen für die Investitionsbedingungen und Bedingungen für
Arbeitsplätze in Deutschland voranzutreiben.
Von Deutschland werde erwartet, ein gehöriges Maß an Führung in der
Europäischen Union zu übernehmen, sagte Merz. Er habe bei seinen Gesprächen
gesagt, dass er diese Erwartung gemeinsam mit den EU-Partnern erfüllen
wolle. Er fügte hinzu: „Und was vor allem gesucht wird in einer Welt großer
Unsicherheiten, ist Verlässlichkeit, Stetigkeit auch in den bilateralen
Beziehungen.“ Das könne er anbieten. „Wir sind ein Land, das verlässlich
ist. Wir sind ein Land, das bereit ist, auch außenwirtschaftspolitisch
enger zusammenzuarbeiten, bis hin zu einem möglichen Handelsabkommen mit
den Vereinigten Arabischen Emiraten.“ Dazu fänden in diesen Tagen Gespräche
statt.
## RWE vereinbart künftige LNG-Lieferungen aus Emiraten
Der Essener Energiekonzern RWE hat unterdessen mit der staatlichen Öl-Firma
Adnoc aus den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Vereinbarung für die
mögliche Lieferung von Flüssigerdgas (LNG) geschlossen. Anvisiert werde
eine Liefermenge von bis zu einer Million Tonnen LNG pro Jahr über einen
Zeitraum von bis zu zehn Jahren, erklärte RWE am Freitag. Die Vereinbarung
wurde im Rahmen des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in Abu
Dhabi unterzeichnet.
„Ich freue mich sehr über unsere strategische Zusammenarbeit mit Adnoc, die
unser gemeinsames Engagement für die Sicherung der Energieversorgung
Europas unterstreicht“, erklärte RWE-Chef Markus Krebber. „Durch den
Abschluss neuer LNG-Lieferverträge stärken wir die Versorgungssicherheit
für Deutschland.“ In der katarischen Hauptstadt Doha sagte der Kanzler am
Donnerstag, die bisherige LNG-Menge von zwei Millionen Tonnen im Jahr, die
Deutschland aus Katar bezieht, solle weiter gesteigert werden. In Abu Dhabi
besuchte der Kanzler am Freitag einen Unternehmensstandort von Adnoc. Vor
Ort sprach er von „ermutigenden Signalen“ für die deutsche Wirtschaft.
[2][Neben Energielieferungen] gehe es auch um Aufträge aus der Golfregion
für deutsche Unternehmen und Investitionen der zahlungsstarken Öl-Länder in
Deutschland.
RWE unterzeichnete in Abu Dhabi nach Angaben des Konzerns eine
Absichtsvereinbarung mit dem staatlichen Unternehmen Masdar, das auf
erneuerbare Energien spezialisiert ist, über mögliche Investitionen in
RWE-Großbatteriespeicher in Deutschland. Masdar ist auch an Großprojekten
im Bereich Wind- und Solarenergie beteiligt, die Emirate suchen auf diese
Weise Ausgleich zu ihrem massiven Output an fossiler Energie.
## Friedensgruppen kritisieren Rüstungskooperation mit Golfstaaten
Ein Aktionsbündnis aus Friedensgruppen, Hilfsorganisationen und kirchlichen
Verbänden hat die von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei seiner Reise
nach Saudi-Arabien, Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate
angekündigten Rüstungskooperationen kritisiert. Waffenexporte in solche
Länder zu erleichtern, sei „ein folgenschwerer Fehler“, erklärte Jürgen
Grässlin, Sprecher der „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!“ nach
Angaben des Netzwerks Friedenskooperative am Freitag in Bonn. Er verwies
auf schwerste Menschenrechtsverletzungen, bewaffnete Konflikte mit
Nachbarländern und die Weiterverbreitung von Waffen in andere
Konfliktregionen.
„Das von dieser Kanzlerreise ausgehende Signal ist das falsche“, ergänzte
Vincenzo Petracca, Mitglied der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden
(AGDF). „Es weist nicht in die Richtung von Frieden, Stabilität und
Sicherheit, sondern in die Richtung militärischer Eskalation und Wegschauen
gegenüber schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen.“ Angesichts einer
zunehmend auf Konfrontation angelegten weltpolitischen Lage sei eine
restriktive Rüstungsexportpolitik mehr als vonnöten.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte wichtigen Partnern in der Golfregion
eine engere Rüstungszusammenarbeit zugesagt. „Das ist im gegenseitigen
Interesse, denn wir wollen dafür sorgen, dass die Welt sicherer wird. Und
die wird nur sicherer, wenn wir uns auch verteidigen“, sagte Merz während
seines Besuches in Katar.
Wenn die Bundesregierung „zuverlässige Kooperationspartner“ wie in Katar
oder am Vortag in Saudi-Arabien sehe, dann könnten sich diese Länder auf
[3][eine intensivere Rüstungszusammenarbeit] als in den vergangenen Jahren
verlassen. „Das heißt aber nicht, dass wir jetzt völlig unkontrolliert alle
Rüstungsgüter in alle Länder liefern. Es bleibt bei einer
Einzelfallprüfung.“ Es habe bereits im vergangenen Sommer eine Lockerung
gegeben, sagte Merz. Er wies darauf hin, dass die Bundesregierung den Weg
für den Export weiterer Eurofighter an Saudi-Arabien frei gemacht habe.
6 Feb 2026
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