# taz.de -- Voigt bleibt Ministerpräsident: Höcke scheitert mit Manöver in Thüringen
       
       > Ministerpräsident Voigt verliert vielleicht seinen Doktortitel, weil er
       > plagiiert haben soll. Die AfD möchte ihn ersetzen – kommt aber nicht
       > weiter.
       
 (IMG) Bild: Versuchte Mario Voigt per Misstrauensvotum aus dem Amt zu verdrängen: Björn Höcke
       
       Als Landtagspräsident Thadäus König das Ergebnis vorliest, bleibt es im
       Thüringer Parlament auffällig ruhig. Kein Beifall, kein Ärger, keine
       Überraschung. Die AfD-Fraktion hat für den Mittwoch ein konstruktives
       Misstrauensvotum beantragt. Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) solle nicht
       länger „Landesvater“ bleiben, hieß es vorab. Stattdessen solle AfD-Chef
       Björn Höcke ins Amt.
       
       Um zu gewinnen, bräuchte Höcke 45 Stimmen. Seiner AfD-Fraktion gehören 32
       Abgeordnete an. Mit monotoner Stimmlage verkündet der CDU-Politiker und
       Landtagspräsident König: 33 Stimmen hat Höcke bekommen, 51 haben gegen ihn
       gestimmt. Voigt bleibt Ministerpräsident. Höcke nickt, steht auf, knöpft
       sein Sakko zu und verlässt den Plenarsaal.
       
       Ein anderes Ergebnis war vorher nicht erwartet worden. Die Anspannung war
       im Landtag trotzdem merklich hoch. In Thüringen läuft nicht immer alles wie
       erwartet. [1][Das beste Beispiel ist ziemlich genau sechs Jahre her.] Am 5.
       Februar 2020 stellte die AfD einen Kandidaten für das Amt des
       Ministerpräsidenten auf, gab ihm aber keine einzige Stimme. Stattdessen
       wählten die AfD-Abgeordneten Thomas Kemmerich (damals FDP) gemeinsam mit
       dessen Fraktion und der CDU zum Ministerpräsidenten. Es folgte eine
       ordentliche Regierungskrise. Entsprechend angespannt war die Stimmung im
       Landtag auch an diesem Mittwoch vor dem Misstrauensvotum.
       
       Etwa eine Dreiviertelstunde vor der Verkündung des Ergebnisses stand Höcke
       noch am Rednerpult in der Mitte des Landtags. Mit ihm, dem AfD-Kandidaten
       für das Amt des Ministerpräsidenten, begann die Aussprache zum
       Misstrauensvotum.
       
       ## Höcke spricht das BSW direkt an
       
       Der Anlass des Ganzen, erklärt Höcke, sei die Aberkennung von Voigts
       Doktortitel durch die Technische Universität Chemnitz. Dort in Sachsen
       reichte der Ministerpräsident vor etwa 18 Jahren seine Dissertation ein.
       Nun, Ende Januar, hat der Fakultätsrat der TU einstimmig beschlossen, Voigt
       den Titel zu entziehen. Der klagt jedoch gegen diese Entscheidung, hält sie
       für falsch. Ein externes Gutachten komme zu dem Ergebnis, es sei eine
       eigenständige Arbeit. „Der wissenschaftliche Kern meiner Arbeit ist
       unstrittig“, sagt Voigt. Die Voraussetzungen für einen Entzug lägen nicht
       vor.
       
       Während seiner Rede blickt Höcke meist nach rechts, zu seiner AfD-Fraktion.
       Es gehe um Vertrauen und Glaubwürdigkeit, betont er, zählt
       Politiker:innen auf, die von ihren Ämtern zurückgetreten sind, nachdem
       ihnen der Doktor:innen-Titel aberkannt wurde. Dass Voigt das nicht mache,
       habe Thüringen nicht verdient. Dann wendet der AfD-Chef sich plötzlich der
       BSW-Fraktion zu, die in Thüringen gemeinsam mit der CDU und der SPD
       regiert. Die BSW-Abgeordneten sollten ihn unterstützen, fordert Höcke.
       Gemeinsam hätten AfD und BSW aktuell eine Mehrheit im Thüringer Landtag.
       
       Nach Höcke sprechen die Vorsitzenden der anderen Fraktionen. Andreas Bühl
       (CDU) versichert, die gute Arbeit der Landesregierung sei unabhängig von
       Titeln und Doktorgraden. Die Politik der AfD sei nur laut und
       „inhaltsleer“, das versuche die rechtsextreme Partei durch lautstarke
       Auftritte zu überdecken.
       
       Höcke schüttelt den Kopf und macht sich Notizen. Frank Augsten (BSW)
       versichert, dass seine Fraktion sich keineswegs auf die AfD zu bewege.
       Christian Schaft (Linke) fragt, ob man jemanden zum Ministerpräsidenten
       wählen wolle, der „rechtskräftig verurteilt“ sei. Höcke gilt als
       vorbestraft, weil er bei politischen Reden mehrfach die Parole der
       nationalsozialistischen Kampforganisation „Sturmabteilung“ verwendet hat.
       Danach wendet sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Lutz Liebscher in Richtung
       Höcke: „Sie haben es mal wieder geschafft, seit einer Dreiviertelstunde
       beschäftigen wir uns in diesem hohen Haus mal wieder mit Ihren
       Inszenierungen.“
       
       Am Ende verfehlt Höcke die Mehrheit. Die Thüringer Regierung bleibt im Amt.
       Während der AfD-Chef den Plenarsaal verlässt, kündigt Landtagspräsident
       König den nächsten Tagesordnungspunkt an.
       
       4 Feb 2026
       
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