# taz.de -- Kulturkampf um Geschichte der Sklaverei: US-Richterin zieht Orwell-Vergleich
       
       > Die US-Regierung will nicht an die Sklaven im Haus von George Washington
       > erinnern. Nun entschied ein Gericht: Eine Ausstellung dort muss
       > zurückkehren.
       
 (IMG) Bild: Am Haus des ersten US-Präsidenten sind die Namen seiner einstigen Sklaven eingraviert. Links daneben befand sich eine Gedenktafel
       
       afp | Eine US-Richterin hat die Wiederherstellung einer Freiluftausstellung
       in Philadelphia über die [1][Geschichte der Sklaverei in den USA]
       angeordnet. Sie war vor Wochen auf Wunsch der US-Regierung abgebaut worden.
       Die US-Regierung habe nicht die Befugnis, „historische Wahrheiten zu
       verschleiern und zu verfälschen“, hieß es im Urteil der US-Richterin
       Cynthia M. Rufe vom Montag. Die Großstadt im US-Bundesstadt Pennsylvania
       hatte gegen den Abbau der Ausstellung Klage eingereicht.
       
       Rufe berief sich in ihrer Entscheidung auf den Roman „1984“ des britischen
       Schriftstellers George Orwell über einen dystopischen, autoritären Staat.
       Es sei, „als gäbe es nun das Ministerium für Wahrheit aus George Orwells
       ‚1984‘ mit seinem Motto ‚Unwissenheit ist Stärke‘“, schrieb die Richterin
       in ihrem Urteil. Die US-Regierung behaupte, „sie allein habe die Macht,
       historische Darstellungen zu löschen, zu verändern, zu entfernen und zu
       verbergen.“
       
       Die Ausstellung war im Januar von der US-Nationalparkverwaltung (NPS)
       abgebaut worden. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Philadelphia war der
       Abbau der Ausstellung „vermutlich“ eine Folge eines Dekrets, das
       US-Präsident Donald Trump im März vergangenen Jahres unterzeichnet hatte.
       Darin forderte der US-Präsident, „die Wahrheit und den Verstand in der
       amerikanischen Geschichte wiederherzustellen“ und die „Verbreitung von
       spaltender Ideologie“ rückgängig zu machen – mit anderen Worten:
       [2][Geschichtsklitterung im Namen eines christlich-weißen Nationalismus] zu
       betreiben. In dem Dekret wurde die Ausstellung in Philadelphia mit dem
       Titel „Freiheit und Sklaverei in der Entstehung einer neuen Nation“ als
       Beispiel angeführt.
       
       ## Sklaven im Haus von George Washington
       
       Die Ausstellung mit Dutzenden Informationstafeln und Videopräsentationen
       befand sich im Presidential House. Das Gebäude war die offizielle Residenz
       von George Washington, des ersten US-Präsidenten, als Philadelphia die
       provisorische Hauptstadt des neuen Landes war. In dem Haus lebten auch
       Washingtons neun Sklaven, die in der im Jahr 2010 eröffneten Ausstellung
       gewürdigt wurden.
       
       Am Montag war in den USA der President’s Day, ein nationaler Feiertag zu
       Ehren von Washingtons Erbe. Trump geht seit Beginn seiner zweiten Amtszeit
       im Januar 2025 hart gegen Kulturinstitutionen und ihre [3][angeblich linke
       Ideologie] vor. Der US-Präsident ließ im vergangenen Jahr unter anderem
       [4][missliebige Inhalte aus den Nationalmuseen in Washington] entfernen.
       
       Das Urteil gilt zunächst nur vorläufig, bis weitere Gerichtsverfahren
       abgeschlossen sind. Die Bundesbehörden können gegen das Urteil auch
       Berufung einlegen. Die Demokraten in Philadelphia begrüßten es trotzdem:
       „Ich bin stolz auf unser Land und seine Gründungsideale. Das bedeutet, dass
       wir die ganze Wahrheit über unsere Geschichte erzählen, das Gute wie das
       Schlechte“, erklärte der demokratische Abgeordnete Brendan Boyle, der Teile
       von Philadelphia im US-Repräsentantenhaus vertritt.
       
       17 Feb 2026
       
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