# taz.de -- Grundlage für GPS: Als eine Frau die Form der Erde errechnete
       
       > Die Mathematikerin Gladys West schuf in den 1970er- und 1980er-Jahren die
       > Grundlage für das Ortungssystem GPS. Erst 2018 wurde sie dafür
       > ausgezeichnet.
       
 (IMG) Bild: Im Jahr 2018 wurde Gladys West für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Die BBC besuchte sie und ihren Mann bei sich zu Hause
       
       Jeden Tag geben Menschen Adressen ins Navi ein, bestellen Essen über einen
       Lieferdienst oder [1][teilen ihren Standort mit Freund*innen]. Ein Alltag
       ohne GPS? Für die meisten Menschen ist das undenkbar. Umso paradoxer, dass
       der Name einer der wichtigsten Entwicklerinnen dieses Systems bis heute
       weitgehend unbekannt ist.
       
       Als Kind liebte Gladys West Zahlen und hasste es, im Dreck zu arbeiten.
       Keine idealen Voraussetzungen, um Landwirtin zu werden, so wie es ihre
       Eltern für sie vorsahen. West wurde 1930 im amerikanischen Bundesstaat
       Virginia geboren. Damals herrschten in Virginia die Jim-Crow-Gesetze, die
       Afroamerikaner*innen systematisch in nahezu allen Lebensbereichen von
       Weißen trennten.
       
       Den fünf Kilometer langen Weg zur Schule, an der ausschließlich Schwarze
       Kinder und Jugendliche unterrichtet wurden, ging Gladys West zu Fuß. Sie
       habe früh gewusst, dass ihre Leistungen in der Schule ihr Ticket in die
       Freiheit sein würden. „Ich war in allen Fächern gut. Als ich mich also
       entscheiden musste, was ich nach der Schule machen wollte, sagte ich erst:
       Ich will alles machen!“, erinnert sie sich in einem Gespräch mit der
       Autorin Margot Lee Shetterly im Jahr 2019.
       
       West schloss als Jahrgangsbeste ab, bekam ein Stipendium für das Virginia
       State College und studierte dort Mathematik, was für Frauen zu dieser Zeit
       ungewöhnlich war. Anschließend arbeitete sie als Lehrerin und kehrte, als
       sie genug Geld verdient hatte, wieder an die Universität zurück, um ihren
       Master zu machen.
       
       ## West arbeitete 45 Jahre lang bei der US-Marine
       
       1956 fing West als Programmiererin beim Naval Surface Warfare Center
       Dahlgren Division (NSWCDD) an, einer Forschungseinrichtung der US-Marine.
       Die Marine führte zu dieser Zeit gerade Computer ein. Fast 45 Jahre lang
       arbeitete sie beim NSWCDD, ohne großes Aufsehen zu erregen – obwohl ihre
       Arbeit revolutionär war.
       
       West entwickelte aus großen Mengen von Satellitendaten komplexe
       Algorithmen, um Modelle von der Form der Erde zu berechnen. Sie
       berücksichtigte dabei auch Kräfte, die die Form der Erde verzerren, also
       unter anderem die Gezeiten. Bei ihren Berechnungen setzte sie den ersten
       [2][Supercomputer] IBM 7030 ein, der um einiges schneller war als andere
       Maschinen zu dieser Zeit. Mit ihren Modellen schuf sie die Grundlage für
       das, was wir heute als GPS kennen: ein satellitengestütztes System zur
       Standortbestimmung rund um die Uhr.
       
       Durch ihre Arbeit verschaffte sich Gladys West viel Respekt unter
       Kolleg*innen und Vorgesetzten, fühlte sich in ihrer Zeit bei der Marine
       aber oft isoliert. [3][In einem Interview mit der britischen Zeitung <i>The
       Guardian</i>] erzählte sie 2020, ihre Kollegen seien freundlich zu ihr
       gewesen, [4][außerhalb des Büros hätten sie allerdings lange nicht mit ihr
       gesprochen]. In den USA tobte in den 1960er Jahren ein heftiger Kampf um
       die Rechte Schwarzer Menschen.
       
       ## West durfte nicht an Demonstrationen teilnehmen
       
       Viele von Wests Freund*innen waren an friedlichen Protesten beteiligt,
       die das Ziel hatten, unter anderem Restaurants und Verkehrsmittel zu
       desegregieren. Weil West für die Regierung arbeitete, durfte sie nicht an
       den Demonstrationen teilnehmen. „Ich habe immer alles richtig gemacht, um
       ein Vorbild für andere zu sein, die nach mir kamen, insbesondere für
       Frauen“, [5][sagte sie 2018 der BBC]. So habe sie auf ihre eigene Weise
       protestiert.
       
       West verließ die Marine 1998 und promovierte im Alter von 70 Jahren. Erst
       im Jahr 2018, mit 88 Jahren, wurde sie für ihr Lebenswerk ausgezeichnet,
       als sie in die BBC-Liste der „100 Women of the Year“ und in die Hall of
       Fame der US-Luftwaffe aufgenommen wurde.
       
       In ihrem eigenen Alltag bevorzugte Gladys West, die am 17. Januar 2026
       verstorben ist, übrigens gedruckte Landkarten.
       
       14 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Standortteilen-im-Handy/!6144314
 (DIR) [2] /Erwartungen-an-Quantencomputer/!5921273
 (DIR) [3] https://www.theguardian.com/society/2020/nov/19/gladys-west-the-hidden-figure-who-helped-invent-gps
 (DIR) [4] /Schwarze-Menschen-in-Deutschland/!6147444
 (DIR) [5] https://www.bbc.com/news/world-43812053
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katharina Federl
       
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