# taz.de -- Bergbaukatastrophe in DR Kongo: Hunderte Tote bei Erdrutsch in Coltanmine
> Eine Schlammlawine nach schweren Regenfällen fordert über 200 Tote in
> Kongos größter Coltanmine Rubaya. Sie liegt in dem Rebellengebiet im
> Osten des Landes.
(IMG) Bild: Lebensgefährliche Arbeitsbedingungen, jetzt noch mit Starkregen: Im Tagebau der Coltan-Mine Rubaya im Osten der DR Kongo, Mai 2025
Die Regenzeit im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat mit voller
Wucht eingesetzt. Seit Tagen schüttet es in Strömen. In den abschüssigen
Masisi-Bergen westlich der Millionenstadt Goma fließen gigantische
Wassermassen die Hänge herunter und weichen den Boden auf.
Dies hat am vergangenen Mittwoch und Donnerstag in der Bergbau-Region
Rubaya, rund 80 Kilometer nordwestlich von Goma, zu mehreren Erdrutschen
geführt, bei welchen Teile der Mine verschüttet wurden. „Die Leute vor Ort
schätzen, dass mehr als 200 Menschen ihr Leben verloren haben, mehr als 20
Verletzte wurden geborgen und befinden sich in medizinischer Behandlung“,
sagt Kamber Lumumba, Sprecher des Rebellengouverneurs der Provinz
Nord-Kivu.
Die Masisi-Berge liegen mitten in dem von den Rebellen der [1][M23
(Bewegung des 23. März)] kontrollierten Gebiet. Das lukrative Minengebiet
von Rubaya nahmen die von Ruanda unterstützten Rebellen im April 2023 ein.
Die Provinzhauptstadt Goma selbst fiel im Januar 2025 in Rebellenhand.
Seitdem [2][kontrolliert die M23 die Exportwege der Mineralien aus Rubaya]
ins Nachbarland Ruanda, von wo aus sie auf den Weltmarkt gelangen, vor
allem nach Asien. Der lukrative Mineralienabbau und -handel mitten im
kriegsgeschüttelten Ostkongo ist [3][seit Jahrzehnten international
umstritten].
## Frauen und Kinder in der Mine
Der von der M23 eingesetzte Provinzgouverneur Erasto Bahati hat am Freitag
gemeinsam mit seinem Sprecher Lumumba das Katastrophengebiet in Rubaya
besucht. „Er hat den Familien der Opfer sein Beileid ausgesprochen und wir
haben die drei Gesundheitsstationen in Rubaya besucht, in welchen die
Verwundeten versorgt wurden“, berichtet Lumumba der taz am Telefon. „Der
Gouverneur hat entschieden, die Verletzten nach Goma ins Zentralkrankenhaus
transportieren zu lassen.“
Unter den Verletzten sind zahlreiche Frauen und Kinder. Lumumba schätzt,
dass unter den Schlammmassen zahlreiche weitere verschüttet liegen. Daraus
sollen nun Konsequenzen gezogen werden: „Der Gouverneur hat Anweisung
gegeben, dass Kinder und Frauen nicht mehr in den Minen arbeiten dürfen“,
so Lumumba. „Sie gehören nicht dorthin, sondern in die Schule.“
Oft verdienen sich Kinder in dieser dichtbesiedelten Bergregion ihre
Schulgebühren mit dem Graben in den engen Stollen von Rubaya. Frauen
durchsieben in den Bächen im Tal das Wasser nach ausgewaschenen
Coltansteinchen.
## Tantal, das weltweit begehrte Mineral
Rubaya ist die größte Coltan-Mine der Demokratischen Republik Kongo.
Jährlich werden dort rund 1.000 Tonnen der Mischung aus Tantal- und Nioberz
gefördert, die in der DR Kongo als [4][Coltan („Colombit-Tantalit)]
bezeichnet wird – knapp die Hälfte der Gesamtproduktion des Landes. Tantal,
ein enorm hitzebeständiges Mineral, wird für Akkubatterien besonders in
Handys und Computer benötigt. Rund 15 Prozent des weltweit derzeitig
verfügbaren Tantals stammen aus Rubaya.
Das einstige malerische kleine Bergdorf am Osso-Fluss unter den
mineralienreichen Hügeln [5][wuchs im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zur
geschäftigen Großstadt]. Das gewaltige Minen-Gebiet Rubaya besteht aus
mehreren Hügeln, an deren teils sehr steilen Hängen junge Männer sich
ungeschützt mit Hacken und Spaten durch die Erde graben.
Nur in einem kleinen Teil der Stollen von Rubaya wurde bislang industriell
gefördert. Die Bergbaukonzession Bibatama, in der Rubaya liegt, gehörte
einst der Gesellschaft SMB (Société Minière de Bisunzu) mit Sitz in Goma.
Deren Chef, der ehemalige Senator Édouard Mwangachuchu, wurde kurz vor der
Eroberung des Gebiets durch die M23 im April 2023 von Kongos Regierung
verhaftet und angeklagt – unter anderem wegen Zusammenarbeit mit einer
bewaffneten Gruppe, er ist Tutsi ebenso wie die M23-Militärführung. Im
Oktober 2023 wurde Mwangachuchu [6][zum Tode verurteilt]. Sein Prozess
befindet sich in einem Berufungsverfahren vor dem Militärgericht in Kongos
Hauptstadt Kinshasa.
Die Mwangachuchu-Familie stand schon immer der M23 nahe, er selbst war
einst politischer Führer des [7][CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung
des Volkes)], die Vorgängerorganisation der M23. Um nicht der
Zusammenarbeit mit den Rebellen bezichtigt zu werden, zog die SMB nach der
Eroberung Rubayas durch die M23 alle Arbeiter ab. Seitdem stehen die
Maschinen in Rubaya still. Nur der Tagebau per Hand geht weiter.
## Hutu-Bauern gegen Tutsi-Geschäftsmann
Ein Großteil des Coltans aus Rubaya wurde schon immer in mühsamer
Handarbeit gefördert, die meisten davon sind Hutu. Die Hügel in Rubaya
waren einst Ackerland der Hutu-Bauern. Als diese erfuhren, was dort unter
ihren Äckern an kostbaren Rohstoffen schlummert, strömten junge Männer aus
allen Ecken Nord-Kivus nach Rubaya. Sie formierten Milizen, um das
lukrative Geschäft zu schützen, und gründeten eine eigene Kooperative, die
dem Tutsi-geführten Kozessionseigner SMB [8][das Förderrecht in Rubaya
streitig machte] und über andere Geschäftspartner Coltan exportierte. Deren
Chef wurde später Präsident des Provinzparlaments von Nord-Kivu.
Als Exportfirmen, die das Coltanerz zur Verarbeitung nach Asien
verschifften, wurden damals zwei Firmen genannt, die bereits schon früher
illegal Coltanerz aus dem Kongo exportiert hatten: East Rise und Star
Dragon, beide mit Sitz in Hongkong. Sie sollen beide über ihren lokalen
Geschäftspartner illegale Aktivitäten wie Kinderarbeit in Rubaya gefördert
haben.
All dies endete mit der Übernahme Rubayas durch die M23 im April 2023.
Kongos Regierung entzog der SMB im Juli 2023 die industriellen Förderrechte
in Rubaya und übergab diese an einen neuen Investor: Primera Mining – ein
Joint Venture zwischen Kongos Regierung und der gleichnamigen Firma aus den
Vereinigten Arabischen Emirate. Diese hatten Kongos maroder Armee im
vergangenen Jahr Militärfahrzeuge, Waffen und Hubschrauber in
Milliardenhöhe spendiert, um die M23 zu bekämpfen. Im Gegenzug erhielt
Primera Konzessionen im Wert von fast zwei Milliarden Dollar für Coltan und
Gold, darunter in Rubaya.
Vor Ort in Rubaya ist Primera noch nicht aktiv. Denn dort haben weiter die
M23-Rebellen das Sagen. Unter ihrer Kontrolle geht nun seit fast drei
Jahren die Förderung mit Spitzhacke und Schaufel im großen Stil weiter.
Weit über 3.000 Menschen sind dort in den Stollen tätig, verdienen sich
dort mehrere US-Dollar pro Tag und damit oftmals mehr, als die übrige
Landbevölkerung zur Verfügung hat. Darauf erhebt die M23 Steuern, auch auf
die Nutzung der Straßen gen Goma.
## Coltan aus Rubaya ist illegal
Seitdem die M23 im April 2023 Rubaya erobert hat, gilt alles Coltan von
dort auf dem Weltmarkt als illegal. Als die US-Regierung im August 2025
wegen illegaler Förderung von Coltan in Rubaya [9][Sanktionen verhängte],
war auch die Hutu-Miliz PARECO (Koalition widerständiger kongolesischer
Patrioten) betroffen, die vor der Übernahme durch die M23 die Förderung
kontrolliert und von den Bergwerksleuten Steuern eintgetrieben hatte. Sie
gehört nun zu den „patriotischen“ Wazalendo-Milizen, die zusammen mit
Kongos Armee die M23 wieder zurückdrängen wollen.
Gegen die M23 wurden in Hinsicht auf Rubaya bislang noch keine Sanktionen
verhängt. Laut UN-Experten wird das Coltan aus dem M23-Gebiet über die
Grenze nach Ruanda gebracht, dort mit dem in Ruanda geförderten Coltan
vermengt und dann als ruandische Produktion auf den Weltmarkt exportiert.
Kongos Regierung nannte das Grubenunglück von Rubaya [10][in einer
Erklärung am Sonntag] eine „direkte Konsequenz“ der „wilden und illegalen“
Ausbeutung der Mine durch Ruanda und die Rebellen und erklärte, die
Förderung dort sei eigentlich verboten. Nach eigenen Angaben hat die M23
die Bezahlung der Bergleute verbessert, und die Rebellen wollen weiter
Coltan fördern.
Gouverneurssprecher Lumumba bestätigt der taz: „Unsere Kämpfer sichern das
Minen-Gebiet in Rubaya und die Arbeit in den Stollen, die nicht von den
Erdrutschen betroffen sind, geht weiter.“ Allerdings habe Gouverneur Bahati
der lokalen Bevölkerung bei seinem Besuch am Freitag versprochen, dass er
sich in Zukunft wieder für eine industrielle Förderung einsetzen werde.
Immerhin, so Lumumba, sei die bislang marode Feldstraße von Rubaya die
Berge hinunter bis nach Goma unter M23-Herrschaft geteert worden. Jetzt
könne man die Strecke in weniger als vier Stunden zurücklegen. „Dies hat
auch bei der Überführung der Verletzten ins Hospital nach Goma geholfen.“
1 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/March_23_Movement
(DIR) [2] https://x.com/Com_mediasRDC/status/2017717683576295620
(DIR) [3] /Erzfeinde-im-Coltan-Rausch/!1195381/
(DIR) [4] https://en.wikipedia.org/wiki/Coltan
(DIR) [5] /Bergbau-im-Kongo/!5063150
(DIR) [6] /Schwere-Kaempfe-im-Osten-der-DR-Kongo/!5965588
(DIR) [7] https://en.wikipedia.org/wiki/National_Congress_for_the_Defence_of_the_People
(DIR) [8] /Coltanabbau-im-Kongo/!5547168
(DIR) [9] https://home.treasury.gov/news/press-releases/sb0221
(DIR) [10] https://x.com/Com_mediasRDC/status/2017717683576295620
## AUTOREN
(DIR) Simone Schlindwein
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